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Central-Verein-Zeitung · 1931-01-09 · 2 (9.1.1931) · p. Seite 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
2 (9.1.1931)
Date
1931-01-09
Page
Seite 9 (sequence 1)
Language
German
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Seriin, 9 Januar 1931 X. Jahrgang ♦ tv. 2 Liuzelnummrr LSPfrnnig \ 11/zu. \!E§LVt \ jOL'GiM w fif HZWiKAkrsW NKs> Jwmtwn Vierlellahrsabonnernent 2.50 RM. (zuzttgl. Bestellgeld). 13 JA» 31 Allgemein Zeifung desDudenfums Famuienanzelge Korma!zeue nme jjer Barrllorrto: DresLr^r Barck, DrposiLenkasse B T, gespaltene Zeile nach Rudolf Moffes mm breite Reklamezeile 3,50 JUM.. Di§ Arh§iksls?igkM und das Sdpcffnl Von Günther Stein L, H. Im Cegensalz zu der in dusteren Farben geschilderten Auffassung, Welche der nachfolgende Aufsatz des bekannten Schriftstellers Günther Stein wieder gibt, habe ich in der vorletzten Nummer der ,.C. V.•Zeitung" einen starken Optimismus vertreten. Es sfehi auch für mich fest. dass der Wandel in den Wirtschaftssystemen, insbesondere die Aus* dehnung der grossen Konzerne, auf fast allen Gebieten die Arbeit für den jüdischen W irischafter wesentlich erschweren wird. Auch die Boykottbewegung kann unter Umstanden cäfne noch weit grossere Gefahr Werden, als sic es schon heute darstellt. Der jüdische Wirtschafter muss aber bedenken, dass er bisher in Zeiten wirtschaftlicher Hochkonjunktur gelebt hat. und dass eine Erschwerung seiner Lage nur eine Fortsetzung derjenigen Zeiten bedeutet, die er bei dem Erlassen der Gesetze über die Gleichberechtigung der Juden vorgefunden hat V/erm die Juden mit der bei ihnen seit Jahr* hunderten erprobten Findigkeit Beharrlichkeit und bei ihrem grossen Fleiss die Wirtschaft auf ihre iJückcn ansehen und sich insbesondere in der Frage ihrer Niederlassung mehr nach Gründen der inneren Zweckmässigkeit als des angeblichen äusseren Wohlergehens richten» wenn sie bei der Berufswahl die Frage wirklichen Bedürfnisses prüfen und gerade in diesen Dingen in Zukunft Weniger konservativ sein werden, so wird der Erfolg nicht ausbleiben. Die BoykoitbeWegung wird ihnen dann nichts schaden, wenn sie zunächst durch richtige Massnahmen cingedämmt wird und zur Förderung eines Spezialistentums dient. das in allen Erwerbszweigen benötigt aber selten geboten wird. Alle diese immerhin hoffnungsvollen Möglichkeiten -bieten sich dem jüdischen Arbeitnehmer, Weil die Zahl der in Frage kommenden Bewerber relativ klein ist Infolgedessen ist auch ein Unterkommen viel leichter. Allerdings ist Voraussetzung, dass das konservative Wirlschaftsdcnken der vergangenen Generation ebenso wie die Auffassung von der Ehre der Arbeit die nur eine ganz beschränkte Zahl von Berufen für „standesgemäss“ hält einem Umdenken unterzogen wird. Weitere Beiträge zu der hier aufgeworfenen Frage in ganz furzen schlagwortartigcn Sätzen sind erwünscht, Stellt man die Frage nach dem Wesen der Arbeitslosigkeit unter dem Gesichtspunkt des Schicksals der Juden, so kann man sich nicht damit zufrieden geben, einige Statistiken anzuführen. von den Selpvierigkeiten der Krisen- Überwindung zu sprechen und im übrigen zuversichtlich aus eine Besserung zu hoffen. Man muß tiefer gehen. Man muß einmal zu erkennen versuchen, wo die wirklichen Ursachen der Arbeitslosigkeit liegen, und zum anderen, welche Struktur das von ihr mitbetrofsene Judentum in wirtckchastlrcher Hinsicht hat. Man muß dann aus den Ursachen der heutigen Krise Schlüsse auf die Zukunft zu ziehen versuchen, und daraus sowie aus den spezrfiscl)eri Faktoren, die das Judentum angehen. zu einer gewisien Loraussicht gelangen. Auf das Risiko hin. ein trauriges Bild aufzudecken, auf das noch größere Risiko hin. trotz allen Bemühens zunächst reinen Ausweg aufzeigen zu können. So sei denn vorausgeschickt, daß dreier Aufsatz zu einem Eraebnis kommen wird, das als pessimistisch gelten muß. Um so bester rväre es, wenn es anderen gelänge, mit konkreten Angaben, ohne daß der Kopf in den Sarrd gesteckt wird, eine günstigere Prognose zu stellen. Wir können die Ziffern der heutigen Arbeitslosigkeit hier unerwähnt lasten. Erstens sind sie ausreick>end bekannt. Zweitens enthalten sie über die Beteiligung des Judentums keine Angaben. Und drittens, was das wichtige ist. vermögen sie über die wirkliche Lage keinen genügenden Allsschluß zu geben. Tenn die Arbeitslosenziffer, die nach offiziellen Angaben zn Anfang des Jahres die Blermilliouengrenze ül>er sch reiten dürfte, erfaßt nur einen Teil derjenigen, die aus der Wirtschaft als Produzenten und Konsumenten mehr oder weniger ausgeschaltet sind. Die statistisch erfaßten Arbeitslosen sind nur eine Gruppe von vielen, die. im lieber* maß Handarbeiter, zu einem immerhin nach Hunderttausenden zählenden Umfange auch Angestellte umfaßt. E r n e z w e i t e Gruppe, über die wir keine zuverlässigen Zahlen haben, sind die Kurzarbeiter, die nur einen Leil ihrer Arbeitskraft einsetzen. nur entsprechend wenig verdienen und konsumieren dürfen. Die dritte Gruppe entrückt uns schon ganz dem Gebiet der Statistik: Es sind alle diejenigen, die es mit Recht sür aussichtslos halten, sich um Arbeitslosenunterstützung oder um Eintragung in die Listen der B e r m i t t!u n g samter z u bemühen, deren Zahl also der Oeff'entlichkeit nicht bekannt wird. Es sind MenfäM, die teils die Hoffnung aufgegeben haben, daß sie im Arbeitsprozeß jemals wieder einen Platz finden werden, die der Herkunft und dem beruflichen Wrrdegcurg nach irgendwie an der Peripherie des produktiven Wirtschaftslebens stehen und kurzweg ausgeschaltet, ökonomisch zum mindesten, und auch oft menschlich gescheitert sind: die Leute, die trotz voller oder teilweiser Arbeitskraft zu privaten oder öffentlichen Älmofenempfängern geworden sind, die den tiefen Sturz aus der Selbständigkeit in das Nichts getan l>aben, diese nach Hunderttaufenden zählende Gruppe von keineswegs immer „alte n* Leut e n, die sich nicht Reichtum, sondern Arbeit ersehnen. M a n s i n d e t s i e ' i n j e d e r B e r u f s - gruppe, diese früheren A n g e st e l l - ten, Laden besitzer. Wohlhabenden, diese im schematisch-statistischen Sinne eigentlich Berufslosen, die zu einem so besonders großen Prozentsatz aus Frauen bestehen. Für uns ist diese Gruppe ganz b e - sonderswichtig. denn.wennes hier auch keine Zahlen gibt, so lehrt doch der Augenschein, daß das Judentum andiesem Heere offenen oder verdeckten Elends einen vielfach so großen Anteil hat wie an der Gesamtheit des deutschen Volkes und wie am deutschen M i t t e t - stand. Eine vierte Gruppe mehr oder weniger „Arbeitsloser" ist unter den wirtschrstlichen Voraussetzungen unserer Urteilsbildung, über die noch ausführlich zu sprechen sein wird, in der Klaffe der freien Berufe zu suchen. Hierher gehören alle die Aerzte, Anwälte ufw..die mit Recht, wenn auch mit falscher Scham von sich sagen, daß sie proletarisicrt sind, die eine trügerische Hoffnung auf späteren Wiederaufstieg und ein gewipes letztes Geborgensein in der Schicht, zu der sie einst als Ebenbürtige gehörten oder einmal zu gehören hofften, noch) am Leben hält. Und hierher gehören auch alle die Söhne und Artur Schweriner: Jeder kann C.V.-Arbeit leisten. S. 11. — Dr. Selma Stern: Das Judenabzeichen. S. 12. — Dr. Mauritius Kahn : Ein Jude stirbt. S. 12. — Dr. Felix Aber: Geschichtliche Parallele zur nationalsozialistischen Utopie. S. 13.— Dr. Alfred Hirschberg: Von der deutschen Juden Zwietracht. S. 14. — Aussprache zum Thema: „Die kleine Stadt“. S. 16. — Buchbesprechungen 8. 17.

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