Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 1 (2.1.1931)
- Date
- 1931-01-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2277379-2277886-2277887--06466-2287288- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Agen 1× ep/1043981
OCR text
5 Mit diesem Aufsatz des stellvertretenden Syndikus des C. D. beginnt eine Reihe von lebensnahen Auseinandersetzungen über die praktischen Auswirkungen der (S. V.-Arbeit. Tie SchriftleiLUng. Seien wir doch ehrlich! Tie nationalsozialistische Bewegung hat nicht nur deshalb einen gewaltigen Ausschwung genommen, weil Rot und Geld für sie gearbeitet haben. Vom kleinsten Funktionär bis zur Oberleitung glauben die Mitarbeiter Hitlers an ihre gute carfjc. Und sie haben es erjagt, weil sie es gefühlt haben. 6s ist kein Zufall, daß überall dort, wo die Hitler-Partei versucht, in die Masten vorzustoßen, tausend Minen ausflicgen, um den Glauben a n i> t c Wertigkeit der marxistischen Ideenwelt zu zerstören; daß man in der Anhängerschaft der bürgerlichen Mittelparteicn Planmäßig Mutlosigkeit nährt: „Ihr Ueberlebten kommt zu uns Reuen!" Lo hat die alte, aber immer wieder neue Taktik, Augenblicks- und Konjunkturerfolge auszumrtzen, selbst in Köpfen und Herzen Verwirrung angerichtet, in denen politische Weltanschauungen fest verankert schienen. Rur dort hatte die Entmutigungspropaganda keinerlei Erfolg, wo man an die Unbesiegbarkeit der eigenen Weltanschauung glaubte; wo Politische Erziehungsarbeit gelehrt hatte, daß man in der politischen Arbeit nicht Bilanzstriche ziehen darf; wo man die besonders schwierige Kleinarbeit nicht unter dem Gesichtspunkt leistete, daß sie der Stunde und dem Tage allein nutzen soll; wo man weiß, daß man politische Saat in den seltensten Fällen selber ernten kann. Rur wer so denkt und fühlt, wie diese Unbesiegbaren, wird auch ein wertvoller Mitarbeiter im E. D. sein können. Ich habe in allen meinen Vorträgen in jüdischen Kreisen — es sind im Verhältnis zu den öffentlichen Volksversammlungen wenige — unsere Freunde gewarnt, der Eutmutigungs-- taftif zum Opfer zu fallen. Einer Taktik, die nicht nur von außen wirkt, sondern von Kritikern des C. D., wie ich zu meinem Bedauern habe feststellen muffen, neuerdings wie par orckre de mufti mit mehr oder minder großer Geschicklichkeit beliebt wird. Und hier sind die Kritiken, die einen wohlmeinenden Anstrich haben, die gefährlichsten. Ein Beispiel aus jüngster Zeit. In Esten bekämpfte ein ostjüdischer Herr leidenschaftlich den E. V., weil dessen Kampf nur den bedrängten deutschen Juden gelte. Ich konnte aus meiner Praxis den Herrn aus einen Vorgang in Halle Hinweisen. Tort war in der Inflationszeit von deutsch-völkischer Seite im Anschluß an einen Vortrag, den ich in einer riesengroßen öffentlichen Versammlung hielt, den Ostjuden vorgeworsen worden. sie allein seien schuld an der Wohnungsnot in Deutschland. Ich setzte die Demagogie des judenfeindlichen Tiskuffionsredners ins rechte Licht. Und Hallesche Ostjuden dankten mir für diese selbstverständliche Abwehr. Derselbe Redner griff den E. B. lebhaft an, weil er sich um das Schicksal der jüdischen Angestellten nicht kümmere. Er suche nur Anschluß nach oben. Ich konnte den Schlechtunterrichteten aus die Unsumme von Kleinarbeit Hinweisen, die wir in engster Fühlungnahme mit dem Jüdischen Arbeitsamt in Berlin tagaus tagein geleistet hatten, und unter allgemeiner Zustimmung feststellen, daß hier die stille Arbeit die beste ist. Eine Minderheit sollte sich hüten, um der Propaganda willen mit Boykottgedanken zu spielen. Und der Zweck solcher Angriffe? Etwas bleibt immer hängen, und die Äusnahmefähigfeit für den Glauben an die gute Sache des C. B. in den Köpfen und Herzen jüdischer Menschen wird gemindert. Aber zu Ehren des C. D. sei es gesagt: Niemals war der Offensiv ge ist im C. V. so stark wie in diesen Tagen. Er zeigt sich nicht nur in unserer eigenen, nach außen hm bilanzmäßig nicht in Erscheinung tretenden Aufklärung-- und Abwehrarbeit, er belebt auch wirksam die Kampfeslust derer, die heute mit Elan für Einigkeit und Recht und Freiheit gegen die vaterlandsfeindliche Hetze des Nationalsozialismus anstürmen. Wir werden dieses heilige Feuer schüren, um den letzten Zaghaften und Lauen rn unseren Reihen für die Mitarbeit zu erwärmen. Kleinliche Gegner werden sich an diesem Feuer nur die Finger verbrennen können. Wie kann sich tum dieser Ofsensivgeist des E. B. praktisch betätigen? Ta der Nationalsozialismus eine staatsfeindliche Bewegung ist. hat jeder deutsche Jude die Pflicht, sich ihr innerhalb seiner politischen Partei mit aller Kraft entgegenzustemmen. Was er durch die „E. D. Zeitung", durch die „FLhrerbriefe" und vor allem durch daZ umfangreiche Rüstzeug des Philo-Verlages an politischer Kenntnis und Erkenntnis gewonnen hat, wird er bei seiner Mitarbeit in den Parteien ausgezeichnet verwerten können. Me staatserhaltenden Parteien führen heute mildern Nationalsozialismus einen Kanrpf auf Leben und Tod und sind dankbar für geistige Waffen im Abwehrkampf. Ter deutsche Jude, der nicht in einer seiner Weltanschauung entsprechenden Partei organisiert ist, läßt wenig Sinn für die politischen Ausgaben in einem demokratisch regierten Lande erkennen. Und wenn seine Partei ihn ruft, muß er in selbstverständlicher Disziplin vorbildlich treu upd hingebungsvoll auf dem Posten stehen, auf den er gestellt wird. Hat diese Mitarbeit in politischen Parteien eine lebendige Fühlungnahme mit dem politischen Leben im Gefolge, so macht die nicht weniger wichtige praktische Arbeit in der Ortsgruppe des E. B. immun gegen Angst und Verzweiflung. Rur dort, wo vollständige Unkenntnis über die politische Lage herrscht, wo unkontrollierbaren Gerüchten Tor und Tür geöffnet ist, kann Entmutigung Eingang finden. Unsere E. P. e r wollen unterrichtet sein. Man nchll es förmlich in den E. V.-Versammlungen. wie man sich danach sehnt, ein ernstes Wort über die politischen Geschehnisse unserer Tage zu hören. Tie Entmutigung in den Reihen unserer Freunde gewinnt nirgends einen größeren Umfang, wo die Ortsgruppenvorsitzenden am dem Posten sind, zu den Landesverbandsragungen erscheinen und dann den Orrsgrnppenmirgliedern in einer vertraulichen Veranstaltung Bericht erstatten. Wenn sich die C. V.-Arbeit auswirken soll, müssen unsere Freunde Vertrauen zu unserer Arbeit haben. Tiefes Vertrauen kann aber nur von denen verlangt werden, die willen, was der E. V. t u t. Teshalb ist es von größter Bedeutung für die Schäftung des notwendigen Lisensivgeistes in unseren ^.agen, daß den Abseitsstehendcn ein Blick in die Arbeit des C. B., soweit sie überhaupt gezeigt werden kann, verstauet wird. Tie Organisierung dieser für den G. B. lebenswichtigen Aufgabe liegt den Landesverbänden ob. Wer die Arbeit des E. B. kennt, wird sie kritisieren, aber nie bespötteln können. Hoffnung genommen — alles genommen! Wenn wir erst nicht mehr arbeiten, „weil es sich doch nicht lohne", dann stehen wir vor dem Ende. Wehe uns, wenn eine Mentalität im deutschen Judentum Platz greift, die lange vor dem Kriege der „Simplizirsimus" auf. seiner Titelseite handgreiflich illustriert hatte: Ein Oberst gibt seinen Leutnants Kriegsaufgaben. Fragt einen der Ossiziere: ..Was würden Sie befehlen, wenn hinter Ihrer Kompagnie das Meer, vor ihr Artillerie aufgefahren ist und die Flanken durch Jnfanterieseuer des Feindes in Schach gehalten werden?" Stereotyp antwortet der junge Leutnant: ..Ich würde Helm ab Zinn Gebet befehlen!" Hütet euch vor der ..Helm ab 511m Gebet"- 8mraming! Laßt euch nicht entmutigen! Arbeitet! Artur Schweriner. Lor- Melchett Ain Sonnabend, 27. Dezember, ist Lord Melchett, der als Sir Alfred Mond in der Geschichte des Zionismus und der ckewi-,h Agency eine sehr bedeutende Rolle gespielt hat, 62 Jahr alt,-gestorben. Lord Melchett war der Führer der chemischen Industrie Englands, deren umfassende Organisation er m den Imperial Chemical Industries Ltd. schuf. <scit 1906 ist er Mitglied des Parlaments gewesen, zunächst innerhalb der Liberalen Partei. Don 1916—1921 war er Minister für Lpentliche Arbeiten, 1921 wurde er Wohlfahrtsnnmster, 192Z trat er zur Konservativen Partei über. Lord Melchett unterstützte als Mitglied der Regierung die Palästinapolitik Englands, die zur Dalfour-Tcklararion führte. Er war an dem Zustandekommen der Jewish Agency hervorragend beteiligt, deren alleiniger Vorsitzender er nach Louis Marshalls Tode war. VI N2 NÜRNBERGER LEBENSVERSICHERUNGS-BANK GEGRÜNDET 1884 LEBEHS-, HBFflLt-, HAFTPFLICHT-, ÄUSSTEUER-VEI1SICHERUÜG Außergewöhnlich günstige Bestimmungen für die fiewma&fileiligMg. Seit 1925 alljährlich wurden aus dem GesamtUberschuss jedesmaf mehr als 100 °/0 des in der Lebensversicherungsabteilung erzielten Gewinnes den Versicherten überwiesen. i i! Marke KonseiVenfabiik. Git>ö- Cxeraia Aki.-Ctes, Kon£tfüren.MaüätieIaden, Gelees und ftuchfiäfia Gemüse - Olssi - und GüirkxnJtonser'veri Nächster Anzeigenschluss- J“ sggssai