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Central-Verein-Zeitung · 1930-12-12 · 50 (12.12.1930) · p. Seite 653

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
50 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
Seite 653 (sequence 13)
Language
German
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ö5Z bewährten Händen des Ceniralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens überlassen werden“ Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Dr. Heinrich Stern, Rechtsanwalt, V orsitzender. Seid duldsam auch untereinander Leobschütz (O.-S.), im Oktober /930. An die Schriftleitung der „C. V.- Z eitun g“. Es ist nichts damit getan, wenn wir über die Nationalsozialisten zetern und jammern, sondern wir müssen mit Taten beweisen, dass Hern Grund vorliegt, über uns Juden herzuziehen; unser Betragen muss zu jeder Zeit derart sein, dass von keiner Seite daran Anstoss genommen werden darf und kenn. Man braucht wahrhaftig nicht streng orthodox zu sein, um zu verurteilen, dass von führenden Männern erklärt wird, die Schechitah ist nicht mehr notig, und wir sind heute zu modern, um noch koscher zu leben; mag doch jeder für sich hallen, tun und lassen, was er will, aber in öffentlichen Versammlungen dürfen solche Aeusserungen von jüdischer Seite niemals fallen; denn die Folge hiervon sind Schächiverbotsanträge. Es ist natürlich zu verurteilen, dass in I ns te rbur g — wie kürzlich in diesen Blättern berichtet wurde — die Bücher jüdischer Autoren und Verleger aus der öffentlichen Bibliothek verschwinden sollten; aber schauen wir uns einmal die Bibliotheken in unseren eigenen Reihen an; ich glaube, wir würden recht wenige Werke, jüdischer Autoren, ja jüdischen Inhalts, zu sehen bekommen, selten nur eine Bibel. Wenn wir den jüdischen Religionsunterricht auf das höchste Niveau bringen wollen — und dies zu tun, ist unsere Pflicht —- dann müssen Männer als Religionslehrer bestellt werden, in deren Herzen der heilige Glaube unserer Ahnen an den einig einzigen Gott tief im Herzen verankert ist, die überzeugt sind von jedem Worte, das sie einem Kindergemüi einprägen sollen und wollen, ob diese Männer nun aus den Seminaren kommen oder nicht. Wir glauben immer, es in jeder Beziehung den anderen nachmachen zu müssen, merken aber nicht, dass unseren Gegnern ein Jude, der seinen Glauben hoch in Ehren hält, mehr Achtung einf lässt ah diejenigen, welche sich unbedingt assimilieren zu müssen glauben; darum wollen wir unsere jüdische Eigenart ruhig in Ehren beibehalien, aber gegenüber unseren Nebcnmenschen auch unsererseits Toleranz walten lassen. Kantor Erich Cohn. Das Problem des Geistes. Die aus Deutschland und dem Auslande sehr stark besuchte Tagung der Gesellschaft für freie Phil o s o p h i e, die vom 24. bis 27. November in Darmstadt stattfand, hatte Zum Hauptthema das Probte m b.c s G c i ft e s. Von den Vorträgen seien neben dein einleitenden und abschließenden Dortrag von Graf Hermann Keyserling genannt: E. G. I u n g : ,,Archaische Psychologie", Engerr Diesel: „Völkerschicksal", O. H. Schmitz: „Ter Sinn deD Aelterwerdens",Prinz Karl Anton R o h a n : „Geist und Politik", Minister von R a u m c r : „Geist und Wirtschaft", I. v a n d e r Le e u w : „Ter Mensch in der Wirklichkeit". Rabbiner Dr. V a e ck sprach am zweiten Tage über: „Geist und Blut"; der Vortrag wird im „Morgen" veröffentlicht. Tagung öer bayerischen jüdischen Fugend Ter bayerische Landesverband jüdischer^Jugendvereine Deutschlands hielt in Nürnberg seine Tagung ab; zu ihr waren -zahlreiche Vertreter aus allen Teilen des Landes erschienen. Studienrat S ch a a l m a n n (München) sprach als einziger Referent über das Thema: „Was sott aus unserer Jugend werden?" Er legte dar, daß es keine Patentlösung dieser Frage gäbe, denn die Frage der Jugend sei auch eine Frage der Juden int allgemeinen. In drei Abschnitte zergliederte sich sein Vortrag: Tie Wirtschaftsnot, die Not der Abwehr und die religiöse Not unserer Zeit. Er ging von der Weltwirtschaftskrise aus, die sich für die jungen deutschen Juden besonders katastrophal auswirke, weil die Möglichkeit zur Selbständigkeit und zum Aufstieg für sie nahezu vernichtet und die Ausnahme in nichtjüdische Geschäfte ungeheuer erschwert sei. Studienrat Schaalmann bedauerte, daß die Jugend, insbesondere die Studentenschaft, den Abwehrfragen so ablehnend gegenüberstehe und forderte die Jugend dringend auf, mit denr Centralverein zu arbeiten. „Diese Organisation wartet auf sie!" rief er mit Recht aus. Die religiöse Not der Jugend liege vielfach in dem Konflikt, h:n ihre politische Einstellung in ihren Seelen Hervorrufe. Zu in Schluß ries Dr. Schaalmann die Jugend dazu auf, daß sie an sich selbst arbeiten möge, um dadurch für alle künftigen Möglichkeiten gerüstet zu sein. Reicher Beifall lohnte seine Ausführungen. In einer lebhaften Anssprache traten sich Anhänger und Gegner feiner Ideen gegenüber. Bei der Besprechung interner Vereinsiangelegenheiten wurde mit Genugtuung festgestellt, daß alle Ortsgruppen erfolgreiche Tätigkeit aufzuweisen haben. E.D. Das Bild von Julius Bab in Nr. 49 dev „C. V.- Zeitnng" stammt aus dem Atelier Iaeoby, Eharlottenburg. _ Minister Severing sprich für die „Jüdische Alters- Hilfe". Auf dem Gesellschaftstee der „Jüdischen Altershilfe" am 13. Dezember bei Kroll, der sich an die Festopec „Fidelio" anschließt, wird Innenminister Severing eine Ansprache halten. Für die „Tombola der 1009 Bücher" sind wertvolle Beiträge gespendet worden (Einstein, Lesser-Ury, Orlik, Struck, Hans Thoma usw.). Zu den künstlerischen Darbietungen haben ihre Mitwirkung zugesagt: Irene Armbrust, die japanische Sängerin Hatsue P a s u a, Paul G r ä tz, Willi Kollo, Rudolf R c l f o n, Hans S o m m e r, Otto Wallburg. Karten zur Oper 5.— bis 15.— M., zum Gesellschafts- Lee (auch ohne Oper) inkl. Gedeck 5.— M. durch die Jüdische Altershilfe, Berlin-Charlottenburg, Kantftr. 160, Tel.: Bismarck 1221, durch Bote & Bock und Werrheim. Kleine Chronik Unser langjähriges Mitglied Fische reipäch! er Schetzer in Nikolaiken (Oftpr.) feierte kürzlich seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurden ihm Zahlreiche Ehrungen zuteil. Im Aufträge des M i n i st e r s für Landwirtschaft und F o r st e n überreichte Professor Wille r t, Königsberg, dem Iub-ilar den Staatsehrenpreis in Bronze. Der Bürgermeister und Abgeordnete der Stadtverordnetenversammlung überbrachten die Glückwünsche dev städtischen Körperschaften. Auch wir gratulieren unserem Freund herzlichst. — Moses K a n t e r, Neustadt (Bez. Kassel), feiert am 16. Dezember seinen 65. Geburtstag. Wir gratulieren herzlichst. — In Kostadt verstarbkürzlich der langjährige Führer der dortigen Ortsgruppe, Eugen Freund. Wir verlieren mit ihm einen treuen Mitarbeiter und werden sein Andenken stets in Ehren halten. — Unser treues Mitglied Albert Mayer, Schwetzingen, ist unerwartet am Herzschlag gestorben. Sein Andenken wird in unseren Reihen fortleben. — Dem Kaufmann Max Groß, Johannis b u r g, wurde anläßlich seines 25jährigen Sängerjubiläums die silberne Bundesnadel mit der Zahl 25 unter ehrenden Worten für seine Treuezunr deutschen Lied vom Vorsitzenden überreicht. — Wie die F r e i e Jüdische Volkshochschule mitteilt, fällt der letzte Vortrag des Zyklus „Jüdische Tagesfragen": „Bericht über die Schomre-Schabbath- Tagnng" von Rabbiner Dr. Iacobns aus. — Der H i l f s v e r e i n der D e u t s ch e n Juden unterrichtete kürzlich Vertreter von jüdischen und nichtjüdischen Zeitungen über den von ihm seit dem Jahre 1921 übernommenen und ständig überwachten Bahnhofsdienst für aus- und durchwandernde jüdische und nichtjüdische Osteuropäer auf dem Schlesischen Bahnhof zu Berlin. Die Zahl der Aus- und Cinwaudernden ist in den letzten Jahren wieder erheblich gestiegen (1628: etwa 30 000; 1929: etwa 10 060). lieber die aufopferungsvolle, überaus segensreiche Emigrantenfürsorge, die dev Hilfsverein im stillen leistet, und die vielen Fragen der Einwanderungspolitik gibt das von ihm herausgegebene Korrespondenzb-latt „llebcv Auswanderungs- und Siedlungswesen" erschöpfend Auskunft. Berichtigung In Nr. 49 dev „C. V.-Zoitung" vom 5. Dezember 1930 ist bei der Aufstellung der Mandate zu. den Repräsentantenwahlen auf Seite 626 die Zeile „Poale Zwn 1 Mandat" im Druck ausgefallen. Die Schriftleitung. Geschäfts. Notizen und Biidcrnachrichteik Nur Bücher und Reisen ermöglichen es den Völkern, einander kennenzulernen, sich zu verstehen und einander näherzukommen. Soweit Lektüre in Betracht kommt, sind durch Herrn P. M. Viüain, Paris, 101 Rue de l'Abbe Groult, besondere Erleichterungen geboten, der in seiner Versandbuchhandlung eine besondere Abteilung füv die Bedienung und Beratung deutscher Leser organisiert hat. Es wird noch häufig unterschätzt, wie notwendig der tägliche Gebrauch von frischen Früchten für unsere Ernährung ist. Wir verweisen an dieser Stelle auf die Anzeige der Firma Nicolaus Zacobi, Bremen, die dem Verbraucher den Bezug von frischen Südfrüchten direkt aus dein Importhafen bietet. Schreiberhau im Riesengebirge. Am 27. Dezember findet das Tanztournier um die Wintermeisterschaft des Riesen- und Isergeb-irges statt. — Am 11. Januar 1931 werden in Schreiberhau die schlesischen Rodelmeisterschaften ausgetragen, und zwar erstmalig kombiniert, d. h. ein Lauf auf Kunst- und ein Lauf auf Naturbahn. Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Berlin W 15, Cmser Straße 42. Tel.- Adr.: „Eentralglauben Berlin". Postscheck: Berlin 30172. Hauptschristleiter: Dr. Ludwig Holländer. Verantwortlich: Dr. Margarete Edel heim. Beide Berlin W 15. — Unverlangte Manuskripte werden nur zurückgesandt, wenn Freiumschlag beiliegt. — Verantwortlich für den Anzeigenteil: Paul Burghardt, Charlottenburg. Druck: Rudolf Mosse, Berlin SW 100, Von Rauchersorgen befreit ist, wer Oesterreichische Regie-Zigaretten raucht, Zigaretten von Wohlgeschmack und Rasse: Memphis 5 Pf., Rosenkavalier 5 Pf., ili. Sorte 6 Pf., Khedive 8 Pf. Sie werden unter diesen vier Sorten sicherlich das Ihrem Geschmack Angemessene finden. Bitte erproben Sie unser Angebot! öftrer cmm. Scc Q^USl R1^ GmbOMüncben. —...r1- -1 ■ ■■ —^ - w~

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