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Central-Verein-Zeitung · 1930-11-28 · 48 (28.11.1930) · p. Seite 613

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
48 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
Seite 613 (sequence 1)
Language
German
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[«tttral platter für Peulfrlrtum und Judentum. ~ Berlin, LS. November 1-30 IX. Jahrgang ♦ Nr. 48 Einzelnummer 20 Pfennig ' pryan des tbatral-Vereias deutfetteeM LtaatsdüryerMöiscken Klaubens e.v. /^Ugsrnsins Zeitung des Judentums WrerteNahrsabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftleitung: Berlin W13, Cmfer Sir. 42. Fernsprecher: J 2 Oliva 5074. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, DeposiLenkaffe H 2, om . . Ä Berlin-Wilmersdorf 1. Hohenzollerndamm 196, und von Goldschmidt - Rothschild & Lo., Berlin W 8. JäUetntge Anzergenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses scormalzerlenmesler Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 JiJL, die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 Du musst wählen! Man mag in dieser politischen Notzeit die Notwendigkeit jüdischer Wahlen verneinen. Audi wir haben uns bemühtsie zu verhindern. Sie sind leider in Berlin Tatsache geworden. Deshalb ist es Pflicht jeden C.V.ers zu wählen! Viele Gleichgültige halten die Wahlen vom Z0. November für bedeutungslos. „Uns interessiert Gemeindepolitik nicht", sagen sie, Dieser gleichgültige Standpunkt kann sich verhängnisvoll auswirken. Die jüdischen Gemeinden und demgemäss auch die Grossgemeinde Berlin waren bisher religiöse Körperschaften mit ausschliesslich religiösen und sozialen Funktionen. Programmatisches Ziel der Nationaljuden dagegen ist, die Gemeinden zu politischen Instrumenten ihres nationaljüdischen Machtwillens umzugestalten. Jeder jüdische Deutsche lehnt diese Ziele ab. Denn sie führen zurück in ein politisches und geistiges Ghetto, aus dem wir uns in generationenlangem Kampf der Emanzipationsbewegung befreit haben. Von diesem Standpunkt aus hält der C. Ves für seine Pflicht, zur Wahl aufzurulen. Jeder C.V. er gebe seine Stimme nur einer Partei, die den religiösen und sozialen Charakter der Gemeinde zu bewahren wünscht, die jedes Bekenntnis zu einem jüdisch-nationalen Volke ablehnt und für die Anerkennung der deutschen Juden als Deutsche und als Juden in gleichem Masse eintritt! Zur Abstimmung steht: Rückkehr ins Ghetto oder freiheitliche Entwicklung der deutschen Juden als wahre Deutsche und tiefempfindende Juden. Daher rüttelt die Gleich gültigen auf! Jeder, der nicht wählt, schwächt den Einfluss der religiösen Parteien in verhängnisvoller Weise! Der 30. November muss einen Sieg des Gedankens der religiösen Gemeindearbeit über nationaljüdische Entwurzelungspolitik bringen. Deshalb wähle jeder eine der religiösen Parteien! Heimatrecht und Heimaterlebms Von Dr. Müller-Claudius Wir haben uns an dieser Stelle über die „isolierende" und die „einende" Geschichte unterhalten, und wir sahen, daß diese einende Geschichte eine Aufgabe ist, die noch der willigen Herzen und der organisierenden Köpfe wartet, die das spezifisch jüdische Geschichtsmaterial bereits gefunden hat. Kundiger und gesammelter Arbeit wartet die Aufgabe, die geschichtlichen Quellen reden zu lassen und ihr Zeugnis ins öffentliche Bewußtsein zu leiten, das Zeugnis nämlich, daß die Juden von Anbeginn an im deutschen Kultur-, Wirtschasts- und Arbeitskreis Mitbauende und Mitschaffende, nicht selten Wegbahnende gewesen sind. Eine große Geschichte der Synthesen Zwischen jüdischem und deutschem Geist, eine Geschichte der fortlaufenden organischen Einung deutschen Willens und jüdischer Leistungsenergien — in der Tat, die überzeugende, klärende. Mißverstehen lösende Wirkung solchen Sichtbarmachens geschichtlicher Wirklichkeit ist gar nicht zu überschätzen. Hier aber müssen wir anhalten und von der Geschichte Zu uns selber kommen. Geschichte Zeugt für uns — aber nicht ohne uns. Sie Zeugt nur so lange für uns, als wir für sie zeugen, mit unserem Erleben, Wollen und Vollbringen. Dies gilt nun ganz besonders für das leidige, heikle und Lausend Keime des Mißverstehens in sich bergende Problem des „Heimat rechtes", das weder von Juden noch von Nichtjuden je ganz zu Ende gedacht worden ist. Eben für diese Angelegenheit hat man sich wiederholt geschichtlicher Deduktionen bedient, man hat das „Heimatrecht der Juden in Deutschland" geschichtlich begründet, und es ist kein Zweifel, daß geschichtliche Besinnung diese Angelegenheit weit und tief zu klären und sie aus der trüben Sphäre gehässiger Sentiments in die reinere Sphäre erkenntnishaften Verstehens zu heben vermag. Das letzte Wort aber wird hier nicht von der Geschichte, sondern von den Lebenden gesprochen. Man kann das Heimatrecht geschichtlich begründen, und man soll es tun, wie man alles tun soll, was Wahrheit an den Tag befördert. Aber inan kann es nicht n u r geschichtlich begründen. Geschichte genügt nicht, wenn man volles lieber zeugen und volles Verstehen schaffen will. Für ein vertieftes Programm der Aufklärungsarbeit, für diejenige Aus der Arbeit des Oentralvereins. 8. 617 — Franz Oppenheimer: Rassenprobleme. S. 618 — Eduard Strauss (Frankfurt a. M.): Franz Rosenzweig's „Stern der Erlösung“. S.619 — Dr. Hans Bach: Der Dichter Joseph Roth. S.620

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