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Central-Verein-Zeitung · 1930-10-31 · 44 (31.10.1930) · p. Seite 565

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
44 (31.10.1930)
Date
1930-10-31
Page
Seite 565 (sequence 1)
Language
German
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«rein «nfrol Blätter für öeutsektum und Judentum Vierlcljahrsabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Serlin, 31. Oktober 1939 IX. Fahrgang ♦ Nr. 44 Einzelnummer 20 Pfennig Sryan öes teatral Vervias-eutfeKexM ötaalsdüryerMölfetten Klaubens e.v. Allgemeine Zeifung desDudenfums Verlag und Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 18. Amt Dönhoff 8594, 8595. Postscheckkonto: Berlin 804 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel* stube G, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt - Rothschild & Co., Berlin W 8. r m t m Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Moffe, Berlin 8W 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 für die 7gespaltene geile nach Rudolf Moffes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Lentralvereins 0,45 MM, die 62 mm breite Reklamezeile 8,50 Die unlösbare Aufgabe Von Dr. Alfred Wiener Deutsche Trauer Alsdorf — Saarbrücken Weit über 300 Helden der Arbeit hat der grausame Tod in das dunkle Bett gerissen. Tausende von Familienangehörigen beweinen den Tod des Ernährers, des Gatten, des Vaters, des Freundes und Kollegen. Das deutsche Volk in allen seinen Gliedern steht schweigend und trauernd an den Särgen im Gedenken an die Braven, die im Kampfe gegen die Mächte der Tiefe ihr Leben als Frontsoldaten der Arbeit hingegeben haben. Möge die Achtung vor dem Tode die Lebendigen läutern, daß sie fühlen, wie wir Deutsche im Letzten unlösliche Glieder eines Volkes sind, die fest zusammenstehen sollten in dieser schweren Zeit deutscher Sorge. Als Symbol jüdischer Verflochtenheit mit deutschem Schicksal ist auch ein jüdischer Bergmann in den Tod gegangen. Neben dem katholischen und evangelischen Geistlichen hat der Bezirksrabbiner Dr. D. Schönberger aus Aachen vor den aufgebahrten Särgen in Alsdorf die folgenden Worte gesprochen: „Hochansehnliche Trauerversammlung! Im Namen der jüdischen Gemeinden des Rheinlandes und im besonderen der Synagogengemeinde Aachen, die unter den toten Bergarbeitern von Alsdorf ein Mitglied ihrer Gemeinschaft betrauert, habe ich die Ehre, einen letzten Scheidegruß und einen innigen Gruß der Anteilnahme zu übermitteln. Wir stimmen ein in die allgemeine Klage mit dem biblischen Klageruf: Wie sind die Helden im Kampfe gefallen! Helden der Arbeit im Leben und Wirtschaftskampf sind die Bergarbeiter alle. Die Toten grüßen heißt uns zugleich, sich neigen vor allen lebenden Helden der Arbeit im deutschen Volke. Mögen wir alle stark und einig bleiben in der Zeit unseres Unglücks und unserer Not, Helden der Arbeit!" Wir deutschen Juden wollen unseren verstorbenen Glaubensbruder und alle dahingerafften deutschen Volksgenossen dadurch ehren, daß wir der Leiden ihrer Familien opfernd gedenken und mit Spenden, diesem bescheidensten Zeichen der Anteilnahme, nicht kargen. iiiiiiuniiiiiiiiiiiiiiiuiiiiimiiiiiniHiimmiHiiimiuiiiiiiiEmmiHnmnuiiiuMmimHum Dr. Hugo Lachmanski: Wer entsittlicht das deutsche Volk ....... S. 567 „Unsere Gesetzgeber von Gottes Gnaden haben Arabern und Juden Blankoschecks gegeben . . . Nun können wir die Schecks nicht zahlen." Ramsah MacDonald, jetzt englischer Ministerpräsident: „In Palästina." Berlin 1924. S. 17.) Die unseligen Gewalttaten gegen die Juden von Hebron und Safed in den Augusttagen 1929 haben, was Sachkundige voraussahen, die englische Regierung veranlaßt, ihre Palästina-Politik an Haupt und Gliedern zu überprüfen, nachdem die Araber Palästinas und die Araber in der Welt das jüdische Nationalheim mit allen geeigneten Mitteln zu berennen nicht aushörten. Das Ergebnis dieser Prüfung liegt in einer ausführlichen programmatischen Regierungserklärung (Whitepaper. Cmd 3692) von 23 Druckseiten vor, die sich im wesentlichen auf einen 185 Seiten umfassenden Berichts des Sachverständigen Sir John Hope Simpson stützt, dessen Autorität in Siedlungsfragen unbestritten ist. Auf die Einzelheiten beider wird, sobald das Weißbuch im Original erhältlich ist, einzugehen sein. England hat, seitdem ihm das Mandat für Palästina übertragen wurde (24. Juli 4922), seine Verwaltungsaufgabe wahrlich nicht schwer genommen. Es hat Chausseen angelegt, es hat ein Polizeikorps ausgestellt, es hat die Eisenbahnen in Ordnung gebracht, es hat eine anständige Verwaltung eingerichtet. Kurz, es hat sozusagen das Abc eines geordneten Staatswesens mit britischer kolonialer Erfahrung geschaffen. Aber an die eigentlichen Probleme in Palästina, an denen sich selbst ein Geschickter und Gewitzter leicht die Finger verbrennen konnte, ging es wie die berühmte Katze um den heißen Brei. Erst wenn es hart auf hart ging, wenn die Körper von Erschlagenen das Pflaster deckten, kam die Untersuchungskommission, kam wenigstens ein Besinnen, so nach den Unruhen in Jaffa und Jerusalem vom Mai 1921. Schon damals entstand ein heute noch lesenswerter Bericht) mit Kritik nach beiden Seiten, mit Matschlägen für Engländer. Araber und Juden. Aber „Asien ist groß, und London ist weit". Das Oburebill-Weißbuch (Omck 1700), die Folge dieser Vorgänge, engte zwar den Begriff „Nationalheim" und die jüdische Stellung in *) Kurze Auszüge aus Regierungserklärung und Bericht in der vorhergehenden Nummer dieser Zeitung. -) „Jüdische Rundschau" Nr. 95 vom 29. November 1921 und folgende Nummern. Palästina fühlbar ein — Jabotinsky, der damals in der Exekutive saß, konnte nur durch stärksten Druck zurAnerkennung bewogen werden—, aber auf die praktische Arbeit nahm die englische Regierung nach wie vor nur mäßigen Einfluß, und das Ergebnis war: „Alles bleibt beim alten." Der Beobachter sieht nicht klar, ob die englische Negierung den Zionisten eine „Chance" geben wollte, sich schwer einzuholenden Vorsprung im Aufbau zu sichern, oder ob die Zionisten ihre Leistungsfähigkeit beweisen sollten, oder ob vielleicht nur das so bequeme „Gehen lassen" Negierungsgrundsatz war. Erst Blut und Tränen lösten der englischen Regierung die Zunge. Die viergliedrige parlamentarische S h a w ° Ko m m i s s i o n zur Untersuchung der Augustunruhen 1929 beschäftigte sich, über die eigentlichen Ursachen der Ausschreitungen hinausgehend, mit den Gründen des jüdisch-arabischen Gegensatzes schlechthin. Und nun war es mit der Ruhe der englischen Palästina-Politik endgültig, vorbei. Shaw-Kommission, Shaw-Bericht, Klagemauer- Kommission, aufregende Sitzung der Mandatskommission in Gens, Simpsons Reise, Simpsons Bericht drängten sich, und am Schlüsse der Entwicklung steht nun die harte Regierungserklärung des Ministerpräsidenten Mac- Donald, Arbeiterführers, der einmal (1924) in höchsten Tönen vom jüdischen Palästina schwärmte und den kernigen Chaluzim Blumen streute. Daß die Zionisten von jeder Untersuchung nüchterner Sachverständiger, die mit dem Verstand und nicht mit dem Herzen dachten, zumindestens keine Förderung der Aufbauarbeit zu erwarten hatten, war vorauszusehen. Wer konnte eine nationale Heimstätte errichten und nicht die Araber zurückdämmen? Und wer konnte arabischen Besitz und arabische Arbeit vorwärtsbringen, ja, auch nur erhalten, ohne der Entwicklung der jüdischen Heimstätten Steine in den Weg. zu werfen? Dieser Meister mußte erst vom Himmel fallen! So ist die B a ls o u r-Erkl ärung, die jüdischnationale Heimstätte zu errichten und die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerung nicht zu verletzen, ein Widerspruch in sich. Und es ist entscheidend für jede der beiden Forderungen, auf welche der Ton fällt. Die englische Regierung hat bis in den Sommer 1929 hinein zum mindesten nicht verhindert, daß der Ton

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