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Central-Verein-Zeitung · 1930-10-17 · 42 (17.10.1930) · p. Seite 553

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
42 (17.10.1930)
Date
1930-10-17
Page
Seite 553 (sequence 9)
Language
German
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553 Sabbalftille in haigerloch Im Feuilleton der ,Neuen Zürcher Zeitung" vom 12. Oktober d. I. beschreibt Felix B u r ck- Hardt das aus der Schwäbischen Alb malerisch gekegene, uralte hohenzollernsche Städtchen H a i g e r l o ch. Nach einem Rückblick auf die wechselvolle Geschichte dieser Preußischen Extlave und einigen das Stadtbild charakterisierenden Bemerkungen schildert der Versasfer „ein Erlebnis ganz eigener Art", von dem er sagt, daß es wohl noch lebendig sein werde, wenn die Umrisse des malerischen Bergstüdtchens schon in seiner Erinnerung verwischt seien. Der Artikel schließt nämlich mit den Sätzen: „Es war an einem Samstag, am frühen Nachmittag, als ich die Gassen durchstreifte. Das Leben einer ländlichen Kleinstadt pulste darin mit Hammerschlag und Kausladenklingeltou> mit dem Knarren und Kreischen der gebremsten Wagenräder in den steilen Gassen und dein Brüllen des Viehs in den Ställen, die ausgemistet wurden, mit Kinderlärm und nachbarlichem Getratsch der Frauen. Ein Paar Schritte weiter tat sich, auf halber Höhe der Felswand vorgelagert, ein weiter Platz aus, von einstöckigen Häuschen umgeben. Was war denn da plötzlich anders geworden? Ach ja,-das wair's: eine tiefe Stille, kein Mensch draußen vor den Häusern, nur hinter halb vor gezogenen Gardinen ein paar ruhige, alte Gesichter. Ich las die Namenschilder an den Haustüren, über den paar Kaufläden: Behr und Hirsch, Levi und Löwenstein waren da zu Hause. Ich war ins Judenviertel von Haigerloch geraten, und es war die feierliche Ruhe des Sabbats, die mich umgab. Nicht in einem finstern Ghetto hinter Tor und Mauer, sondern als Kind seiner toleranten Zeit hat Fürst Joseph vor 170 Fahren seine Haigerlocher Juden in einem freundlichen grünen Winkel seines Städtchens angesiedelt, und noch heute ist dieser Stadtteil, „im Hag" genannt, ausschließlich von ihnen bewohnt. Die Stille war fast beklemmend. Hier erneuert sich jede Woche das, was wir nur noch als Titel von Erbauungsschriften kennen: die Sabbatstille, geboten durch das Gesetz von Sinai. Wahrlich, im Judenviertel von Haigerloch gelten noch die Worte des Tekalogs: Gedenke des Sabbattages, daß dir ihn heiligest. Da sollst du kein Werk tun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh. — Und ich, der Fremdling in den Toren Israels, setzte meine Füße behutsam auf, um diesen wundersamen Feiertagsfrieden nicht zu stören." Hermann Oberneck zum Gedächtnis Vor wenigen Tagen ist der Vesten einer von uns gegangen, der Geheime Justizrat Hermann Oberneck. Was Oberneck auf wissenschaftlichem Gebiete geleistet hat, insbesondere im Notariatsrccht und in seinem bahnbrechenden Grundbuchrecht, was fernerhin Qberneck für seine Berufskollegen bedeutete und wie er insbesondere in der Organisation der deutschen Notare wirkte, ist an anderer Stelle von berufener Seite gebührend gewürdigt worden. Unsere Trauerklage gilt dem lieben Freunde und Mitkämpfer. Wenn die ungeheure Arbeitslast, die er sich auferlegte, es ihm nicht gestattete, dauernd bei uns in der vordersten Reihe zu stehen, so war er doch jederzeit bereit, wenn der Ruf an ihn erging, für uns tätig zu fein und uns seinen klugen Rat zur Verfügung zu stellen. Jeder schätzte sich glücklich, dessen Lebensweg den Weg von Hermann Oberneck kreuzte. Für mich war die Begeisterung für die Idee und die Arbeit unseres Centralvereins, die fast bei jedem Zusammensein mit Hermann Oberneck zum Ausdruck kam, ein Ansporn in schwerster Zeit, für den ich Hermann Oberneck über den Tod hinaus aus tiefster Seele dankbar bin. Wenn wir unsere Arbeit fortsetzen, arbeiten wir im Geiste von Oberneck. Aus seiner Arbeit und seiner Menschenliebe gewann er die Kraft, fast an der Grenze des biblischen Alters, sich die Frische der Jugend im Handeln und Denken zu bewahren. Möge sein Andenken weit über seinen Heimgang hinaus den deutschen Juden Segen spenden. Julius Brodnitz. Die Schule der Jüdischen Jugend beginnt ihre diesjährige Herbstarbeit mit einer Eröffnungsveranstaltung am Sonnabend, 18. Oktober, abends 8 Uhr, in' der Aula der Mädchenschule, Kaiserstraße 29/30, in deren Mittelpunkt ctit Vortrag von Dr. Gustav Krojanker: „Eine Reise durch, das jüdische Polen" steht. Die Kurse beginnen am 20. Oktober. Wir verweisen besonders auf die Vorlesung Dr. Ernst Heinrich S e l i g s o h n : Einführung in jüdische Probleme durch Besprechung aktueller Aussätze in Zeitungen, Zeitschriften und Broschüren. (Mittwoch 814 bis 10, Beginn 22. Oktober.) Alle weiteren Kurse sind bei der Geschäftsstelle der Schule der Jüdischen Jugend: Alice Goldmann, SW 61, Porckstraße 88, zu ermitteln. Mündliche Auskunft und Rücksprache in der Sprechstunde des Leiters der Schule, Montag von 8 bis 9, Auguststraße 11—13, ab 13. Oktober. Die Freie Jüdische Volkshochschule beginnt die Kurse im Oktober. Professor Georg Bernhard liest Sonntag, den 19. Oktober, vormittags 1U--„» Uhr, Kaiser-Friedrich-Schule, Knesebeckstraße 24, über: Die Lage der Juden nach den Reichstagswahlcn. Erwerbslose haben gegen Vorzeigung des Ausweises freien Eintritt. Vorlesungsverzeichnisse mit näheren Angaben kostenlos in allen jüdischen Buchhandlungen, an den Theaterkassen Hermann Tietz, Leipziger Straße, Alexanderplatz, Frankfurter Allee, Kaufhaus des Westens und im Sekretariat bei Goldmaun, 81V 61, Yorckstraße 88, Bergmann 472. kleine Chronik Am 18. Oktober feiert unser langjähriges Mitglied Sigmund B e n d i x, Berlin, Vater unseres Mitgliedes Ludwig B e n d i x, New Port, seinen 69. Geburtstag. Wir wünschen dem Jubilar, daß er sich noch viele Jahre so ungetrübter körperlicher und geistiger Frische erfreuen möge wie bisher. Sigmund B e n - d i x ist am 18. Oktober 1834 in G r o ß m ü h l i n g e n (Anhalt) geboren, er ist der Enkel von B e n d i x - E p h r a i m, der im Jahre 1776 die jüdische Gemeinde Großmühlingen begründete. — Am 23. Oktober feiert der Vorsitzende der israelitischen Religionsgemeinde und. das in allen Kreisen der Bürgerschaft sehr beliebte Mitglied unserer Ortsgruppe Zittau, Hugo Schlesinger, bei bester Gesundheit und in körperlicher Frische seinen 60. Geburtstag. Der Centralverein dankt Hugo Schlesinger, daß er in den f leinen Gemeinden das Interesse für unsere Ideen gefördert hat. — Geheimer Justizrat Dr. Felix B o n d t, Dresden, wird, am 26. Oktober 70 Jahre alt. Wir gratulieren unserem treuen Freunde herzlichst. — Die Gattin unseres Ehrenmitgliedes Amtsgerichtsrat i. 9t. Iustizrat Fla ter in Danzig ist kürzlich verstorben. Die Verstorbene war die Schwester unseres Hauptdis Ihnen durch plötzlicher Auftreten von Kopfschmerz, Migräne, Neuralgien oder rheumatischen Zahnschmerz verloren gehen. Und da müssen Sie Cifrovanille nehmen, denn es hilft Ihnen überraschend schnell und wirkt mild und unschädlich. Tragen Sie es deshalb immer in der Tasche, das bewährte Mittel, Ihr Cifrovanille. Erhältlich in Apotheken in Pulver- oder Oblaten-Packung zu RM 1.15. — Achten Sie auf den Namen und verlangen Sie ausdrücklich Firmen, welche der „C. V.- Zeitung” ihre PROSPEKTE beilegen liessen, haben uns wiederholt den Erfolg dieser Propaganda bestätigt, lieber die Beilagebedingungen gibt die Anzeigenverwa! tung der „C.V.-Zeitung”, Berlin SW 100, oder jedes Büro der Annoncen- Expedilion Rudolf Mosse unverbindliche und kostenfreie Auskunft. uckerkranke verlangt vollständig kostenlose Aufklärung über glänzend bewährte Methode durch Ph. Hergert, Wiesbaden, Rückertstr. 23. DeteMv Adam Schubert,fcüherPolizeibeamter, Nürnberg» Theresienstr. 18, erforscht alles, erteilt gcw.Heiratsauskünfte allerorts. 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