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Central-Verein-Zeitung · 1930-10-17 · 42 (17.10.1930) · p. Seite 545

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
42 (17.10.1930)
Date
1930-10-17
Page
Seite 545 (sequence 1)
Language
German
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«reift «ntrol Oerlin, 17. Oktober 1930 IX. Jahrgang * Nr. 42 Einzelnummer 20 Pfennig Blätter für tetitfchfum und Judentum öryan -es tentralVereinsöeutfeKex^. LtaatsdüryerMöifcKen Blaubens e.V. /^Ntzsmsins ZsikunH cfsL oucksr^tums Bierteliahrsabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftleitung: Berlin SW 68, Lmdenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 8595. .:. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt - Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise,: 0,90 für die 7gespaltene Zette nach Rudolf MM Rormalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Lentralvererns 0,45 JUi, dre 62 mm breite Reklamezette 3,50 Zertrümmerte Fensterscheiben Zu den Ausschreitungen in der Berliner Innenstadt Dr. M, E. Am 13. Oktober, dem Tage der Reichstagseröfsnung haben nationalsozialistische Rowdys die Fenster des Warenhauses Wertheim, des Cafes Dobrin und verschiedener größerer, fast nur jüdischer Geschäfte in der Leipziger Straße zertrümmert. Junge Menschen, zum Teil mit dem Abzeichen der Nationalsozialistischen Partei, füllten die Straßen, rotteten sich zusammen, flüchteten vor den Gummiknüppeln der Polizei. Nur verhältnismäßig wenige Sistierungen konnten vorgenommen werden, eine Tatsache, die der Nationalsozialistischen Partei die Möglichkeit gibt, offiziell von den Uebeltütern abzurücken und zu behaupten, daß nicht Nationalsozialisten, sondern kommunistische Provokateure die Steine geworfen hätten. „Die Ausschreitungen", so heißt es in der Erklärung der G a u - leitung Berlin der NSDAP, „sind, wie durch zahlreiche Augenzeugen bestätigt wird, das Werk kommunistischer Provokateure. Durch diese Delikte soll den seit Wochen in der Börsenpreffe künstlich genährten Putschgerüchten um die NSDAP neue Nahrung zugeführt werden. Seit Tagen schon liegen der Gauleitung positive Beweise dafür vor, daß Angehörige der KPD durch solche Putschversuche bei der Reichstagseröfsnung das mächtige Anwachsen der NSDAP vor der Oeffentlichkeit diskreditieren wollten." Dieses Abrücken gibt eine gewisse politische Beruhigung. Es zeigt, daß derartige Ausschreitungen jetzt nicht im Sinne der Hitler-Bewegung liegen. Die Frage wird hier sein, ob die Aus dem Inhalt. Talmudprozesse. Seite 547. — Dr. Felix Goldmann: Mädchenhandel. Seite 548. — Dr. Hugo Laelinianski und Dr. Alfred Hirschberg: Jud Süss. Seite 549. — Dr. Olga Bloch: Wird das Ephraimsche Palais abgebrochen? Seite 551. — Josef Winkler: Erste und letzte Begegnung mit Julius Hart. Seite 551. — Paul Wiegier: Heinrich Heine. Seite 552. Leitung die Massen, die sie aufrief, wirklich in der Hand behalten wird. Die polizeilichen Untersuchungen haben ergeben, daß wirklich ein Teil der Täter der NSDAP angehövt und daß von kommunistischer Provokation keine Rede sein kann. Die Mehrzahl der inzwischen von dem Schnellrichter zu Freiheitsstrafen verurteilten jungen Menschell machte auf den Beobachter weniger den Eindruck politischer Revolutionäre, sondern jugendlicher Rowdys, die mehr aus der Lust am Zerstören denn aus politischen Motiven handelten. Gleichgültig aber, daß nicht: Alle Mitglieder der NSDAP waren; die zertrümmerten Fensterscheiben sind der erste Beginn einer Ernte, die politische Verhetzung seit Monaten und Jahren gesät hat. Wen trifft der Schaden solcher Terrorakte? Gemeint waren, wie aus der Auslese deutlich ersichtlich ist, Warenhäuser und jüdische Geschäfte. Aber schon die Tatsache, daß auch die Fensterscheiben der nichtjüdischen, bekannten Firma Gustav Cords heute Löcher und Sprünge ausweisen, zeigt, daß die Täter bei jüdischen Geschäften anfangen und bei christlichen aufhören. Und wenn es an sich schon keinem anständigen Menschen gleichgültig sein kann, wenn der einwandfreie Nachbar mit Steinwürfen bedroht wird, so muß diese Wahrscheinlichkeit, daß die Steine nicht immer bloß in des Nachbars Scheiben fliegen, auch d i e Menschen zur Besinnung rufen, denen sonst das Schicksal ihrer Nebenmenschen gleichgültig ist. Ter Hauptleidtragende aber bei diesem radikalen Vorgehen sind weder der jüdische noch der einzelne zufällig betroffene nichtjüdische Deutsche, sondern das gesamte deutsche Volk. Sein Ansehen und sein Kredit im Auslande sind in erheblichem Maße durch solche „Heldentaten" bedroht. Völkische Blätter behaupten, das „Weltjudentum treffe Maßnahmen zu Deutschlands Untergang". Nein, nicht das phantastische Weltjudentum, nicht das deutsche Judentum und nicht die jüdischen Angehörigen anderer Staaten, sondern vielmehr Ausschreitungen wie die in Berlin stören Deutschlands Wiederaufbau. Die Blätter des Auslandes vermerken derartige politische Exzesse, und es ist die selbstverständliche Folge, daß das Ausland einem Lande, zu dessen Politik und Wirtschaft es kein Vertrauen mehr hat, auch die Kredite entzieht. Die Folge ist dann aber nicht die Behebung der wirtschaftlichen Not, sondern ihre Verewigung, und unter ihr leidet nicht nur der Jude und der Christ, der sich nicht zu Hitler zählt, sondern mit der Gesamtheit des deutschen Volkes auch der Nationalsozialist. Das ist die ernste Seite jener politischen Dummenjungenstreiche. Ihnen gegenüber gibt es nur eines: energisches Durchgreifen der Behörden und Besonnenheit aller wahrhaft vaterländisch Gesinnten. Für unsere Freunde gilt es in dieser Lage, ruhiges Blut zu bewahren, sich nicht provozieren zu lassen. Wir haben das Vertrauen zu Regierung und Polizei, daß sie derartiger ausflackernder Unruhen Herr wird und daß sie Eigentum und Leben der jüdischen Staatsbürger genau so erfolgreich schützen wird wie das der anderen. Lord Rvthermm oder Saums MM? Seit dem großen Siege vom 14. September beachtet, was nur selb st verständlich ist, die Presse der ganzen Welt mit größter Aufmerksamkeit die nationalsozialistische Bewegung. Journalisten, die von der Partei nichts wußten oder den Hitler-Putsch von 1923. bereits wieder vergessen hatten, bemühen sich, möglichst viel über Partei und Führung zu erfahren und ihren Lesern mitzuteilen. Die nationalsozialistischen Abgeordneten, an ihrer Spitze H i t l e r selbst, kommen diesem Bedürfnis erfreulicherweise entgegen. Zahlreiche Interviews mit ihnen sind in den großen Zeitungen der außerdeutschen Welt erschienen, und mit Genugtuung druckte in größter Aufmachung der „V ö l k i s ch e Beo b achte r" riesenlange Aussätze von Lord R o t h e r m e r e nach, der sich, selbst glühender Nationalist und Gegner gewisser Bestimmungen des Versailler Ver-

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