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Central-Verein-Zeitung · 1930-10-10 · 41 (10.10.1930) · p. Seite 541

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
41 (10.10.1930)
Date
1930-10-10
Page
Seite 541 (sequence 5)
Language
German
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541 kunstreise AEGYPTEN mit Dr. Ernst Cohn-Wiener. Palestine& Orient Lloyd, Berlin N24, Friedrichstr.121 (Tel.D lJNord.2455) Zugehörigkeit, wendet, und gewisse übernationale, an alle Menschen gerichtete Forderungen aufstellt. Das Judentum wertet das Nationale an einem über alle Nationen stehenden allgemeinen Maßstab . . Die Berliner Rabbiner gegen Mische Wahlen Die Jüdische Telegraphenagentur (I. V. A.) vom 3. Oktober teilt mit: Das Kollegium der Berliner Gemeinderabbiner richtete an den Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin die Bitte, alle Versuche zu unternehmen, um die für den 30. November d. I. vorgesehenen Gemeindewahlen und auch die Wahlen zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden zu vermeiden. Das Kollegium tritt dafür ein, daß in dieser ernsten Zeit die jüdische Gemeinschaft Entschlossenheit un!d Einigkeit an den Tag legen muß, daß aber ein Wahlkampf diese Einigkeit zerstört und Eespaltenheit und Schwäche den übermächtigen Gegnern dokumentiert. „Wir sind der Ansicht", heißt es in der Erklärung des Rabbinerkollegiums, „daß in dieser Zeit wirtschaftlicher Depression und der besonderen, sich von Tagzu Tag verschärfenden jüdischen Wirtschaftsnot kein jüdisches Geld für die unproduktiven Zwecke eines Wahlkampfes verschwendet werden darf. Wir warnen davor, das Geschick der Berliner Judenheit dem Zufall und dem Aergernis der Wahlen in dieser Zeit auszuliefern, treten vielmehr dafür ein, daß alles geschieht, um uns das verlorengegangene Gefühl des gegenseitigen Vertrauens wiederzugeben, die Gemeinde zu stärken und auch unseren Widersachern zu zeigen." Das Kollegium wünscht, daß eine Einheitsliste zu den Wahlen ausgestellt wird, und hält sich bereit, ausgewählte Kollegen zu einer Vermittlungstätigkeit zur Verfügung zu stellen. Vortragsnachmittag Ludwig harüt Am Sonntag nachmittag veranstaltete Ludwig Hardt aus Anlaß seines 25jährigen Jubiläums einen Vortragsnachmittag im Renaissance-Theater in Berlin. Die Ovationen galten dem Künstler und seiner Kunst, aber auch dem geistvollen Aufbau seines Programms, das, ohne die Kunst in die Politik hinabzuziehen, doch von der Politik des Tages beeinflußt war. So gleich der Beginn mit Schillers „Freunde, es gab bessere Zeiten" und der Schluß, der Verse von Novalis „Gegen das verkehrte Wesen" brachte. Nachdenklich, und sicherlich auch nicht ohne politische Spitze gemeint, der Brief des Parforce gejagten Hirsches an seine Durchlaucht, den Fürsten, der ihn zu Tode gehetzt hat. Und mit einer kleinen ausklärenden Einleitung über die Bedeutung des Sabbath für den Juden aus Heines „Hebräischen Melodien" das Lied an die Prinzessin Sabbath. Dr. M. E. Glückwunsch für Adolf Warschauer Von Staatsarciiivdireklor Dr. Recke, Danzig Am 13. Oktober begeht der im Ruhestande in Berlin lebende Geheime Archivrat Prosejfor Dr. Warschauer das Fest seines 75. Geburtstages. Alle, welche das Glück gehabt haben, diesen hervorragenden Menschen und Gelehrten kennenzulernen, werden in dankbarem Gedenken mit ihm diesen Tag feiern. Wenn sonst der Spruch Geltung haben soll: „Viel Feind', viel Ehr'", so kann man von Geheimrat Warschauer sagen, daß er vielleicht kaum einen Büste Adolf Warschauers Modelliert von Albert Wille (Berlin) 1930 ■ Feinö gehabt hat, daß ihm vielmehr von allen Seiten Zuneigung und Verehrung entgegengebracht worden ist und noch wird. Und dabei hat er nie um die Gunst seiner Mitmenschen geworben. Sein anspruchsloses Auftreten ist von einer so natürlichen Würde begleitet, trägt in sich einen so edlen Stolz, daß jeder ihm unwillkürlich mit Achtung begegnete, die bald zur Verehrung wurde. Es ist etwas von dem Geiste Nathans des Weisen in diesem Manne, der sich bei jeder Gelegenheit mit Stolz zu dem Glauben seiner Väter bekannt hat und damit die unbedingte Achtung gerade in den Augen Andersgläubiger nur noch vermehrte. Während er den Fehlern und Schwächen seiner Mitmenschen stets mit mildem Verstehen begegnete, war er sich selbst gegenüber unerbittlich streng. Ich war drei Jahre hindurch sein nächster Mitarbeiter und denke noch heute mit Bewunderung an die strenge spartanische Dienstauffassung zurück, die Geheimrat Warschauer vertrat, und für die er selbst, ein schier unermüdlicher Arbeiter, ein leuchtendes Beispiel war. Dieser echte Sohn der deutschen Ostmark hat in der Erforschung der Geschichte seiner engeren Heimat die Aufgabe seines Lebens gesehen. Im südlichen Zipfel der damaligen Provinz Posen, in der Stadt Kempen, als Sohn eines Kantors geboren, hat Adolf Warschauer seine Jugend in Breslau zugebracht. Hier besuchte er auch die Universität und trat in nähere Beziehungen zu den Professoren R o e p e l l und Caro, welche das Fach der osteuropäischen Geschichte vertraten. Besonders die Bekanntschaft mit Professor Caro wurde für Warschauer bestimmend. Dieser gab nicht nur seinen Studien eine entschiedene Richtung, sondern wies ihm auch den Weg zur Archivlaufbahn. Dank der Fürsprache C a r o s wurde Warschauer im Jahre 1881 in den preußischen Archivdienst ausgenommen und kam, fast durch einen Zufall, im Jahre 1882 an das Staatsarchiv in Posen. Hier ist er dann volle dreißig Jahre hindurch, die wichtigsten seines Lebens, tätig gewesen und hat in der Geistesgeschichte der Provinz Posen eine m a ß g e b e n d e Stellung eingenommen. Welch hohes Ansehen er genoß, dürste daraus hervorgehen, daß bei allen wichtigen kulturellen Fragen sein Rat an erster Stelle erbeten wurde, mochte es sich um die Begründung der „Deutschen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft" oder die Errichtung der Posener Akademie handeln. Wie Warschauer gerade in der letzten Frage als Ve^ rater des Kultusministers A l t h o f f entscheidend mitgewirkt hat, kann man aus den schlichten -Ausführungen in seinen Lebenserinnerungen erkennen. Als Forscher und Lehrer gelang es ihm nicht nur, allenthalben das historische Interesse zu beleben und in der deutschen Bevölkerung der Provinz Posen das Bewußtsein einer jahrhundertealten Kulturmission zu Wecken, sondern er schuf auch Werke, die in der ostdeutschen Forschung immer mit hoher Anerkennung genannt werden, und denen auch die polnische Wissenschaft mit Achtung begegnet. Es fei hier nur verwiesen auf die Bücher: „Das Stadtbuch von Posen" (1892); „Die städtischen Archive der Provinz Posen" (1001); „Deutsche Geschichtsschreibung in der Provinz Posen" (1911); „Geschichte der Provinz Posen in polnischer Zeit" (1914). Und endlich erschien noch im Jahre 1919, gewissermaßen als Abschiedsgruß an die verlorene Heimat, die großangelegte „Geschichte der Stadt Gnesen". Während dem Forscher schon im Jahre 1903 die wohlverdiente Ehrung durch die Ernennung zum Professor der Geschichte an der Akademie zu Posen zuteil wurde, fand die Anerkennung seiner Verdienste um das Staatsarchiv Posen ihren Ausdruck in der Ernennung zum Geheimen Archivrat. Und im Jahre 1912 wurde er dann zum Direktor des Staatsarchivs in Danz i g ernannt. In Danzig, wo ihm, wie er selbst sagt, mit die glücklichsten Jahre seines Lebens beschieden gewesen sind, hat Geheimrat Warschauer den Ausbruch des Weltkrieges erlebt, der ihn bald ■™ Freie JOdisthe UolKshochschule. SSSSSS? für die Herbstvorlefungen Donnerstag, den 16. Oktober, abends 8 Uhr, Synagoge, Rrinzregenlensttaße 69/70. Rabbiner Di*. Max Wiener: Jüdische Bildung, Leo Gollanin: Gesang. Jüdische Orchestervereinigung unter Leitung von Leo Kopf, Violine: Willy Frey. Es beginnen zunächst folgende Kurse: Professor Georg Bernhard: Die Lage der Juden nach den Reichstagswahlen. Sonntag, 19. Oktober, vormittags 11 ho Uhr, Kaiser-Friedrich-Schule, Knesebeckftraße 24 (i. Vortrag des Zyklus: „Jüdische Tagesfragen"). Dr« Ernst Cohn-Wiener: Die großen Kulturzeitalter des Judentums (mit Lichtbildern). Montag, 20. Oktober, 8 bis % Uhr, Synagoge Fafanenstraße 79/80. Studienrat Kurt Hammerstein: Vom lebendigen Hebräisch. Montag, 20. Oktober, 9 bis 10Uhr, Synagoge Fasanenstraße 79/80. Rabbiner Dr. Felix Goldmann: Was steht im Talmud? Donnerstag,23.Oktobers bis9Uhr, Synagoge Fafanenstr.79/80. Hörergebühr: Unkostenbeitrag für die Eröffnungsfeier M.0,20. Jeder Kursus M. 2,—. Zum Kursus „Jüdische Tagesfragen" werden auch Karten für den Einzelvortrag ä M. 0,50 ausgegeben. VorlefunasverzelchnisiemitnäherenAnaaben sind kostenlosinallenjüdifchen Buchhandlungen, an den Theaterkassen Tietz, Alexanderplatz, Leipziger Straße, Frankfurter Allee, Kaufhaus des Westens und im Sekretariat bei Goldmann, SW 61, Porckftraße 88, F 5 Bergmann 472, erhältlich. IMameFliiÄ nienallee 56. Riesige Auswahl.Zahl.-Erleichterung. Firmen, welche der „C. V.- Zeitung“ ihre Prospekte beilegen Hessen, haben uns wiederholt denErfoIgdiescrPropaganda bestätigt. Ueber die Beilagebedingungen gibt die Anzeigenverwaltung der „C.V.- Zeitung“, Berlin SW 100, oder jedes Büro der Annoncen- Expedition Rudolf Mosse unverbindliche und kostenfreie Auskunft. Bleib oben! Nimm Biomalz mit Lecithin! Kein Puls und kein Gedanke ohne Lecithin! Muskelkraft gibt Biomalz, Nervenkraft gibt Lecithin! Keine Leistung ohne Biomalz mit Lecithin. 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