Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 39 (26.9.1930)
- Date
- 1930-09-26
- Page
- Seite 513 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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[ttttra! l?rein Blätter für Heutfektum und Judentum. BierteUahrsabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und SchrrftleiLung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13 öerlin, September 1-39 IX. Jahrgang * Nr. 3- Einzelnummer 2»pfennig 'Hraanbes tentralVereinsöeutfekex^. ötaatsdüryer Möifcken ölaubens e.v. -XNtzsmsins clss Hu^sntums Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel- .. w, _... w Amt Dönhoff 3594, 3593__... stube G, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt - Rothschild & Co., Berlin W 8. - Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin 8W 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90für dre 7gespaltene Zeile nach Rudolf Moss^ Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 AM, die 62 mm breite Reklamezeue 3,50 Wie überwindet das deutsche Volk den Nationalsozialismus? Wir setzen nachstehend die in der vorigen Nummer begonnene Veröffentlichung der auf unsere Rundfrage eingegangenen Antworten fort. Die Schriflieitung, gegen den. Von Reiisminisler a. D. Karl Severing, M. d.R. Das hervorstechendste Merkmal der Reichstagswcchl des 14. September ist unstreitig, das gewaltige Anschwellen der nat ionalsozialist ischen Stimmern und Mandate. Ein Wachstum in diesem Umsang und in diesem Tempo sucht in der Geschichte der deutschen Parlamentswahlen vergeblich seinesgleichen. Unter dem alten Bismarckfchen Wahlsystem (Einmänner-Wahlkreis und Majoritätsprinzip) hat die Sozialdemokratische Partei im Jahre 1912 ihre Mandatszifser von 43 auf 110 erhöhen können, aber auch dieser Gewinn reicht an den Erfolg der Nationalsozialisten nicht heran. Und doch ist dieser Erfolg mehr ziffernmäßig und organisatorisch, als politisch zu werten. Das Ergebnis der Maiwahlen 1924, deren Agitation in nicht geringem Umfange vom Ruhreimnarsch und seinen wirtschaftlichen und währungspolitischen Folgen beeinflußt war, war ebenfalls eine beträchtliche Verstärkung der Rechten. 106 Mandate zählte am 'Schluß des kurzen Tagungsabschnittes 1924 die Deutschnationale Volkspartei, 34 musterte die Gruppe der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung, das waren 140 Abgeordnete der äußersten Rechten von insgesamt 472 Mitgliedern des Reichstags. Heute sind 107 Abgeordnete in der nationalsozialistischen Fraktion, 41 in der deutschnationalen — das sind 148 Abgeordnete von insgesamt 576 des neuen Reichstags. In wirtschaftlichen und kulturellen Fragen sind diesen 148 gewiß recht oft die Mitglieder des Landvolks und der Christlichsozialen hinzuzuzählen, aber in vielen aktuellen Fragen der Innen-- und Außenpolitik sind die Goebbels, die H u g e n b e r g und Schiele und T reviranus und M u nt m nicht auf eine Linie zu bringen. Man kann auch einwenden, daß die Gleichstellung des Rechtsblocks 1924 mit dem dieses Jahres insofern nicht ganz zutreffend sei, als doch die radikale Tonart der Nationalsozialisten jetzt vorherrschen werde. Das ist wohl richtig, ganz werden die 107 im Parlament ihre Agitationssprache nicht verleugnen können. Aber anderseits wissen die Herren nur zu gut, daß die deutsche Wählerschaft ihre Tätigkeit mit etwas größerem Interesse verfolgen wird als die Deklamationen der Zwölfmünner-Gruppe des alten Reichstags, und daß mit der Pflege der übelsten Rowdy-Manieren nicht überall politische Geschäfte zu machen sind. Und dazu darf mau nicht vergessen, daß die Deutschnationalen in der Agitation der Fahre 1923 und 1924 ebenfalls Erkleckliches geleistet haben. „Herunter mit Ebert vom Präsidentenstuhl!" — das war in jener Zeit auch der Kampfruf der Gemäßigten ä 1a Herg t, und was von den H e i ß s p o r n e n in der Verhetzung geleistet wurde, unterschied sich in nichts von der Sprache der Goebbels-Leute. Aber ob der Rechtsblock, wie er sich heute zeigt, etwas Neues darstellt oder nur als eine Wiederholung eines älteren Vorgangs anzusprechen ist, das ist für die Beurteilung der Erscheinung an sich nicht sehr erheblich. Denn diese Erscheinung ist für die Politische, soziale und kulturelle ' Entwicklung unseres ■ Landes gleich schädlich und die Abwehr um so dringlicher, je mehr man mit ihrer Wiederkehr — wenn auch in anderen Formen und Gewändern — rechnet. Für diese Abwehr gibt es jedoch — darüber muß mau sich klar sein — fei n A I l h eilmittel, lvie es überhaupt ein Unsinn ist zu glauben. Politischen Bewegungen mit einem Mzept begegnen zu können. Das haben ja auch die Nationalsozialisten selbst erfahren, die gegen den „Marxismus" anszogen und die Skalpe der Deutschnationalen und der Volksparteiler Hereinbrachton. Bei der Abwehr der nationalsozialistischen Bewegung ist zunächst zu berücksichtigen, daß die Partei mit einem klaren Programm noch nicht hervorgetreten ist und über eine parlamentarische Tradition und Praxis noch nicht verfügt. In der Agitation operiert sie mit auswechselbarem Programm: hier schillert es agrarisch, dort großindustriell, hier sozialpolitisch-fortschrittlich, dort scharfnmcherisch-reaktionär, hier monarchisch, dort republikanisch. Lange wird diese Methode ja nicht mehr verfangen, die 107 werden schon deutlicher sagen müssen, wie sie sich die Verwirklichung der Nah-Ziele der deutschen Politik denken. Aber einstweilen sind die Apostel des Dritten Reichs an ihren Früchten noch nicht zu erkennen, denn Früchte haben sie noch nicht aufzuweisen. Die politische Entwicklung Deutschlands in den letzten zwölf Jahren und die Ergebnisse der letzten Reichskagswahlen liefern jedoch wertvolle Anhaltspunkte zur Beantwortung der Frage nach der G e f o f g s cf) a f t der Nationalsozialisten und damit auch zur B e l ä m p s u n g d e r B e w e g u n g. Da ist zunächst folgendes festzustellen: D a s Gros der in den sogenannten We hrVerb ä nd e n der Recht e n o rg an i s i ert e n früHere n H e e r e sa n ge - h ö rige n , b e s o n d e r s d er Offiziere, t ft h eute ausschließlich bei den Lesen Sie: Schnelles Handeln tat not! Von Rochus Freiherr von Rheinbaben.S. 514 Bindet den Heim fester! Von Ludwig Holländer ............. Z. 515 Die Weltanschauungsparteien — ein Bollwerk gegen den Nationalsozialismus, Von Alois Hundhammer.S. 516 Zum Versöhnungstag 5691. Von Gemeinderabbiner Dr. Reinhold Lewin, (Königsberg i. Pr.) . ... . S. 517 Jüdisches aus den Denkwürdigkeiten des Fürsten Bülow . . . . . . . . . . . S. 519 7671 492628