Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1930-09-05 · 36 (5.9.1930) · p. Seite 474

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
36 (5.9.1930)
Date
1930-09-05
Page
Seite 474 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2277379-2277676-2277712--06239-2287046
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

474 Der erste Well-Sabbalhkongretz Der vor zwei Jahren -begründete „Welt- Verband für Sabbatschutz" hielt vom 24. bis 26. August einen „WelL-Sabbatkongreß" in Berlin ab. Die Tagung war über Erwarten zahlreich beschickt worden und legte Zeugnis von der Popularität des Gedankens ab. Etwa 260 Delegierte aus nahezu allen von Juden bewohnten europäischen Ländern, aus Amerika und Palästina, aller Parteien und Schattierungen der Judenheit, hatten sich eingefunden; auch der Centralverein deutscher Staatsbürger hatte einen Vertreter entsandt. Mit einer imposanten Kundgebung in der Singakademie wurde der Kongreß eingeleitet. Nach der Eröffnung durch den Zweiten Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. S u! z b e r g e r, begrüßte der verdienstvolle Präsident, Dozent Dr. Samuel Grünberg, zunächst alle Erschienenen, im besonderen die Vertreter des Auswärtigen Amtes, der Preußischen Staatsregierung und der Stadt Berlin. Sodann legte er in warmherzigen, von Zustimmung und Beifall oft unterbrochenen Worten Ziele und Aufgaben des Weltverbandes und des Kongresses dar. Zahlreiche Begrüßungsansprachen folgten. Hierauf hielt Dr. Herzog, Chiefrabbi von Irland, ein Referat: „Der Sabbat als heilige Kraft in Israel." Rechtsanwalt Dr. Sulzberger legte in seinem dann folgenden Vortrag „Sabbat und Wirtschaft" die wirtschaftlichen Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Sabbatheiligung in übersichtlich klarer Weise dar. Mit einem begeisternden Schlußwort von Oberrabbiner Dr. Carlebach (Altona) klang die Eröffnungskundgebung aus. In den nun folgenden fünf Arbeitsfitzungen, von denen jede vier bis fünf Stunden, öfter mehr, andauerte, wurden die mannigfachen gedanklichen und praktischen Probleme der Sabbatruhe und Sabbatheiligung in mehr als zehn Referaten mit eingehenden Aussprachen beraten und Berichte über die gesetzliche Lage in den verschiedenen Ländern erstattet. Der uns zur Verfügung stehende Raum verbietet eine eingehende Darstellung. Hervorgehoben möge werden, daß im Anschlüsse an einen von Rvd. Drachmann aus New York gehaltenen orientierenden Vortrag über die in Amerika zum großen Teile schon durchgeführte „Fünf-Tage- Arbeitswoche" die Möglichkeiten beraten wurden, diese Einrichtung, die erheblich zur Erhaltung des Sabbats als Ruhetag veitragen könnte, auch auf andere Länder auszudehnen. — Einen sehr belehrenden Vortrag hielt Rabbiner Dr. T. Lewenst e i n aus Zürich, der Generalsekretär des Internationalen jüdischen Komitees betreffend Kalenderreform, über die verschiedenen dem Völkerbund unterbreiteten Vorschläge zur Umgestaltung des Kalenders. Besonders gefährlich ist für alle, die in der Heiligung des siebenten Tages der Woche einen Grundpfeiler des religiösen Lebens sehen, die Einführung eines V l a n k o t a g e s, das heißt die Jahreseinteilung in 52 Wochen von gleicher Dauer, denen ein Tag, der aber nicht gezählt wird, angesügt wird. Wesentlich verringert werden die Gefahren durch zeitweise Einlegung einer Schaltwoche. Wesentliche Vorteile müßte auch eine Erleichterung der gesetzlichen Bestimmungen über die Sonntagsruhe in den verschiedenen Ländern bringen. Hierfür war ein von Stadtrat Kore in aus Budapest gehaltenes Referat: „Sonntagsruhe, eine Kirchen- oder Sozialpolitik?" äußerst anregend. Sehr ersreulich waren in dieser Hinsicht die Ausführungen des Fabrikanten G u g g e n h e i m aus Amsterdam über die Gesetzgebung in Holland, wo jedwede Rücksichtnahme auf die sabbattreuen Arbeiter und Kaufleute genommen wird; diesem Vortrage wohnte auch der holländische Gesandte bei. — Eine Fülle praktischer Anregungen bot ferner ein Vortrag von Jakob R o s e n h e i m aus ^Frankfurt a. M. über das Thema: „Arbeiten und Ausgaben der Stellenvermittlungen Schomre Schabbos in Deutschland." Nach Abschluß der Generaldebatte wurden mehrere Resolutionen angenommen und die Wahlen vollzogen. Zu Präsidenten wurde Dozent Dr. S. G r ü n b e r g, zu Stellvertretern Rechtsanwalt Dr. Sulzberger und der Industrielle Dr. Emil Hirsch wiedergewählt, denen ein größerer Arbeitsausschuß und ein über nahezu alle Länder sich verteilendes Zentralkomitee zur Seite stehen. Das Präsidium war im Verlause der Tagung auch vom Reichskanzler Dr. Brüning empfangen worden, der sich eingehend über den Verlauf und die Ziele des Kongrestes unterrichten ließ. Starkes Interesse zeigte er besonders für die vorgetragenen Bedenken gegen die Schaffung eines „beweglichen" Sabbattages und gegen die jetzige Handhabung der Sonntagsruhe. Als religiöser Katholik habe er für die religiöse Bewegung unter den Juden lebhafte Sympathien. Or. Hildesheimer. Der hilfsverein protestiert gegen öie rumänischen Judenverfolgungen Aus Anlaß der schweren Exzesse gegen die Juden, die sich in der letzten Zeit in Rumänien ereigneten, hat das Präsidium des Hilssvereins der Deutschen Juden, die Herren Dr. James Simon, Generalkonsul Eugen Landau, Max M. Marburg, Willy D r e h s u s, folgendes Schreiben an den Ministerpräsidenten Dr. M a n i u gerichtet. „Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat bereits vor dem Kriege eine große Hilsstätigkeit in Rumänien entfaltet und in den letzten Jahren wiederum begonnen, den wirtschaftlich schwer leidenden Juden Rumäniens, soweit seine Mittel es erlaubten, zur Seite zu stehen. Diese Tätigkeit, die er im Interesse der rumänischen Juden ausübt, wird aber dadurch schwer beeinträchtigt, daß in der letzten Zeit schlimme Exzesse gegen die Juden in Rumänien stattgefunden haben. Die deutschen Juden, deren Gefühlen der Hilfsverein der Deutschen Juden Ausdruck gibt, sind von tiefer Sorge über das Schicksal ihrer Glaubensgenossen in Rurnäküen erfüllt, über die Ereignisse, die sich in der letzten Zeit in K i m p o l u n g, Borscha, Suczawa, Balaceana und anderen Orten abgespielt und die nach ihrer Meinung die notwendige Sühne noch nicht gefunden haben, ebensowenig wie eine Entschädigung der Opfer bisher erfolgt ist. Wir geben uns der Erwartung hin, daß diese Kundgebung, durch die die deutsche Judenheit ihren tiefen Schmerz über die Geschehnisse zum Ausdruck bringt, dazu beitragen wird. die Aufmerksamkeit der rumänischen Negierung aus die traurige Lage der Juden zu lenken. Wir hoffen, daß die rumänische Regierung dafür Sorge tragen wird, daß die Gleichberechtigung, die den Juden gewährleistet ist, durchgeführt wird, daß antisemitische Agitationen verhindert werden, und daß den Juden die volle Freiheit und die Möglichkeit gegeben wird, gesichert gegen Angriffe ihres Judentums wegen und gegen Verfolgungen und Gewalttaten sich als gleichberechtigte Bürger zu betätigen." Neue Dächer Michael T^awbr Jüdische Wanderungsbewegungen vor und nach dem Weltkriege. Jüdischer Verlag, Berlin. 142 Seiten mit 44 Tabellen. 6 Mart. Unter diesem Titel erscheint soeben aus der Feder von Dr. Michael Traub ein Buch, das die jüdische Wanderungsbewegung in ihrer Entwicklung bis in die neueste Zeit hinein schildert. Die Einleitung des Buches ist einer Betrachtung über die Ursachen der jüdischen Wanderbewegung gewidmet, die sich als eine vorwiegend wirtschaftlich bedingte darstellt. Die Ursachen des Niederganges der jüdischen Position im Osten werden erörtert und aus die Bedeutung der wirtschaftlichen Situation in den Einwanderungsländern in ihrer Einwirkung aus die Auslese des Menschenmaterials hingewiesen. „Die Ausfüllung der Wirtschastslücken . . . wird die wirtschastskulturelle Mission der kommenden Judenwanderungen bilden." Neben der Auswanderung spielt die Binnenwanderung, insbesondere unter der Einwirkung des Weltkrieges, eine bedeutende Rolle. Allein in den Jahren 1915/16 hat schätzungsweise eine halbe Million Ostjuden ihre Wohnstätten wechseln müssen. Das Hauptventil für die zunehmende Not war die Einwanderung nach den Vereinigten Staaten von Amerika. Vor dem Kriege standen die jüdischen Einwanderer an zweiter Stelle der Gesamteinwanderung. Die Gesetzgebung nach dem Kriege hat hier einen Riegel vorgeschoben. Amerika hat aufgehört, der große Rettungshafen zu sein. Traub untersucht nun an Hand einer Fülle von Einzelaufstellungen die Struktur der jüdischen Einwanderung in Amerika (1899 bis 1928 1881556 Einwanderer). Aus dem sehr umfangreichen Material hier nur ein paar Proben: Die jüdische Einwanderung trägt alle Merkmale einer definitiven Umsiedelung. Sie zeigte die geringste Zahl der Rückwanderer, dafür die höchste absolute Zahl an Familienmitgliedern. Jede siebente Frau, jedes fünfte Kind, das nach Amerika einwanderte, waren jüdisch. Die jüdische Einwanderung ist eine Durch den G. m. b. H. Berlin W9 Potsdamer Strasse 8 Düizow 9801,9363 / Geöffnet von 10bis 7 Uhr besuchen Sie die ersten Berliner Buhnen: Metropol-Theater, Theater des Westens, Lessing Theater, Kleines Theater * Theater in der Bebrenstrasse, Grosses Schauspielhaus, Theater am Schiffbauerdamm, Komische Oper usw. sehen Sie die prominenten Künstler: Käthe Dorsch, Richard Tauber, Emil 3annings, Ralph Arthur Roberts, Johannes Riemann, Guido Thielscher, Max Adalbert, Max Hansen usw. zahlen Sie nur ca, V3 des Kassenpreises: Der Theater-Karten-Dienst ist eine Organisation, die lediglich die eine Aufgabe hat, den Theaterbesuch leicht und bequem zu machen. Der Theater-Karten-Dienst hat zwei Abonnements zur Auswahl, die Ihnen ganz besondere Vorteile bieten. Die Mitglieder des Theater-Karten-Dienstes erhalten die Eintrittskarten zu aussergewohnlich ermässigten Preisen. "Werden Sie Mitglied des Theater-Karten-Dienstes! Geben Sie uns umgebend Ihre Adresse an, wir senden Ihnen die genauen Abonnementsbedingungen ohne jegliche Verpflichtung für Sie und unterrichten Sie fortlaufend über die uns zur Verfügung stehenden Theater und Spielpläne, Name:...-... Strasse:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.