Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 36 (5.9.1930)
- Date
- 1930-09-05
- Page
- Seite 465 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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SerUa, S. September 1-ZH IX. Jahrgang * Nr. 3- Einzrlnummec 20Pfennig mtn «ntrot Blätter lürdeutfehtum und jiitottww Organ öss Zentral Vereins KeutfehexM (Staatsbürger jü Wichen Blauvens e.v. Allgemeine Zeifung des Dudenfums BiertelZahrsabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftleitung: Berlin SW 63, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Batck, Wechsel» stube 0, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Eoldschmidt - Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Moste, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JIM für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmester Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 JIM, die 62 mm breite Neklamezeile 3,50 JIM. »um Vrkjlündnls unteres pMWenSM zugleich eine Antwort an Earl von Sfiieitkn / B°» s,.«« MwmMMnWam;<■*** -x-v Sekt Jahren hat kein Ereignis der deutschen Politik den jüdischen Teil ihrer Träger und Interessenten in solche Aufregung versetzt wie die Gründung der Staatspartei. Kaum die leben- und existenzbedrohende Erscheinung des Nationalsozialismus vermochte die Gemüter so in Wallung zu bringen, bestimmt jedenfalls steht der relative Druckpapierverbrauch für beide Probleme zum mindesten in der jüdischen Presse im Augenblick in einem schreienden Mißverhältnis. Und dieses Durcheinander der Stimmungen und Meinungen, diese mehr oderminder tauglichen Versuche, den politischen Boden unter den Füßen nicht zu verlieren, haben durchaus ihre Berechtigung. Es kann schließlich kein Geheimnis bleiben, daß es sich bei der Stellungnahme der deutschen Juden zur Deutschen Staatspartei um mehr handelt als um die Prüfung irgendeiner politischen Neugründung in betreff ihrer Zuverlässigkeit in antiZernitieis: Es handelt sich um die Einsicht in eine doppelte Krise. Einmal um die objektive Belastung der deutschen Innenpolitik mit der Judenfrage, und Zweitens um die sub-.- jektive Unfreiheit des deutschen Juden bei der Feststellung seines deutsch-politischen Glaubens-^, bekenntnisses.;/ Diese Krise datiert allem äußeren ScheiM zum Trotz nicht von heute und gestern. Sie ÄWdet die schleichende Begleiterscheinung der P^P teientwicklung der Nachkriegszeit,-insbesondere/ des fortschreitenden NüÄZängeK'-dLD-. Deutschen^. Wahrheit, daß die sich schon auf anderen Gebieten durch nicht geringe Eigenwilligkeit auszeichnenden jüdischen Köpfe auch aus dem politischen Gebiete so viel verschiedene Sinne ausweisen, wie sie die Parteigruppierungen von rechts nach links in allen ihren Schattierungen . nur erfordern. Aber in Deutschland — rat*. Gegensatz zu den westeuropäischen Ländern/- : wo jüdischer Geist in allen Lagern fruchtbar - " werden konnte. — wurde den Juden eine g e - wisse Einheitlichkeit von außen aufgezwungen. Der Antisemitismus der Rechtsparteien ch machte es von jeher dem deutschen Judenrun- / möglich zu fragen: „WohiU'.stMen mich meim -' politische Ueberzeugung und mein JnterMe?^ er zwang ihn vielmehr zu'-der FragesteLnÄK: „Wo kann ich bei a mt ä h ^.Wahrung meiner Ueberzeugung'nmd meines Interesses als verwalten versprach, 'DelltschenrDe mM-a» tischen- Partei. Ader "m>deK Matzein dem des" sozialistischen ”,WirtschnWUdankens eine RechMutMcklun(p deN/MlMrtnins sich an* DruckAGegmdruckvrerzeugendeP.M^ vor denMerwaltüntzZyrganenKat-von jeher den SchwerKullkbMMüdaMxHrtekMerten in der Politik^ irus. -re^^RichhUNg-rdes freiheitlichen Btiri;LiÄum8°festgÄeF5A.Ml Zeichen seiner liberatenÄund hunHmtäpen Ideen war auch die EnWMWon erfÄgP die es immer aufs neue ztz.,erweÄen galt, wollte man ihre ErrungenfMMDsitzen. Es ist an dieser Stelle uunWWuMigen, daß Lagerung des „politischen Schwerpunktes" nicht bedeutet „einheitliche politische Formung", denn es ist eine Binsen- Fand so "eine^beträchtliche Mehrheit verdeutschen Juden/, aus?, Zlpang und Neigung — seit ihretn EmtritL in 'dascholitische Leben ihre politische' :Wmat W den Parteien des sreiheitlichelUMrgerLmus, so teilte sie lange /Iahrzehnte?hm durchdiese politische Stellung HurDuischmtkHW nichtjüdischen Angehörigen HeE'Mks^rAtz.nden gesellschaftlichen Schichten. Die libtzrülen und demokratischen Ideale, die /'dech jüMchen Bürgern die Vollendung ihrer besonderen jüdischen Emanzipation verhießen, 'chattem so lange einen guten, vorwürtstreiben- . tzen und Fortschritt kündenden Klang im g e - <Vä m t e n deutschen Bürgertum, wie unter dem halb feudalistischen Regiment der Vorkriegszeit auch eine große Reihe von allgemein bürgerlichen Forderungen noch unerfüllt war. So lange die alte „Fortschrittliche Volkspartei" mit ihrem gleicherweise antifeudalen und antisozialistischen Glaubensbekenntnis tief an die Lebensnerven jedes freiheitsliebenden deutschen Bürgers zu rühren vermochte, so lange konnte auf der politischen Linken ein jüdisches Problem nicht ernsthaft empfunden werden. Das änderte sich mit der deutschen Nationalversammlung und ihrem Werk, der Weimarer Verfassung. Sie selbst stand im Zeichen eines ungeheuren Zustroms zu der Partei, die das Erbe des alten bürgerlichen Freisinns zu verengtefich/diLWeologische und gesellschaftliche Grundlage, auf der die bürgerliche Linke bisher, gestanden hatte. ■1 'HichMi dt ragen den dieser Entwicklung waren die Juden. So weit sie nicht durch wirtschaftlichen Uebergang in Kleinbürgertum und Ärbeitnehmerschaft oder durch eine ideologische Neuorientierung den Weg zur Sozialdemokratie fanden, gerieten sie in ihrer Treue zu althergebrachter politischer lleberzengung immer stärker in die Gefahr völliger Vereinzelung. Als schließlich das gänzliche Zerriebenwerden zwischen rechts und links, die endgültige Ausschaltung bürgerlich-freiheitlicher Ideale aus dem politischen Einftußgebiet der nächsten Jahrzehnte drohte — da wiesen mutige Führer einen neuen Weg. Ob es ein Weg ins Freie sein wird, wissen wir nicht. Die Prophetie ist nicht unsere Sache. Es ist ausschließlich unsere Aufgabe, abseits vom Wirrwarr des Tagesgezünks die Gründung der Staatspartei als das zu werten, als was sie sich dem Geschichtsschreiber der politischen Entwicklung unserer Tage einmal darstellen wird: als den Versuch, der Ideenwelt eines seiner selbst und seiner Ausgaben beuuißten Bürgertums durch den Zustrom — nicht nur dem Lebensalter nach — junger Kräfte neues Leben zuzuführen. Vielleicht ein Bestreben, dem die Zukunft gehört, vielleicht ein Versuch, dem der Erfolg versagt bleibt, in jedem Fall eine politische Tatsache, deren Besinn Sie Hebiioien des EenMereios! Näheres Seite 407