Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1930-08-29 · 35 (29.8.1930) · p. Seite 453

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
35 (29.8.1930)
Date
1930-08-29
Page
Seite 453 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2277379-2277676-2277711--06217-2287023
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

SerNn, 2-. Muguft 1-3- IX. Fahrgang ♦ Nr. 35 Einzelnummer 20psennig m l«ntrat Worein Blätter für öeutfrktum und Judentum Bierteljahrsabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). hryanöes tentralVereinsöeutfekex^. LtaatsdüryerMöiscken ölaubens o.V. Allgemeine Zeifung des Judentums Verlag und * Schriftleitrrng: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel« stube G, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt - Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 10O, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JUi für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 JUti, die 62 mm breite Neklamezeile 3,50 JtM, Das Kleine und das Große Eine Setrachtung zur Wahlarbeit von Dr. Zelix Golömann (Leipzig) Aus Einladung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens traten am Mittwoch, 20. August, Vertreter des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, der Zionistischen Vereinigung sür Deutschland, des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und der Großloge sür Deutschland U. O. B. B. Zu einem Reichstagswahlausschuß 1930 zusammen. Unter Vorsitz von Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil, stellvertretender Vorsitzender des C. V., und unter Mitwirkung von Kurt B l u m e n - selb, Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, sowie in Anwesenheit des Vorsitzenden des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Dr. Leo L ö w e n st e i n, konstituierte sich der Ausschuß nach einen: Referate des Syndikus des C. V., Dr. Alfred W i cn c r, der zun: Vorsitzenden des Ausschusses bestimmt wurde. Zu Geschäftsführern des Ausschusses wurden Dr. Alfred H i r s ch b e r g, stellvertretender Syndikus des C. V., sowie ein Mitglied der Zionistischen Vereinigung, dessen Persönlichkeit noch nicht seststeht, bestellt. Der Zweck des Ausschusses besteht in der Erfüllung von Ausgaben, die zum Wohle der!I!!i!II!I!!I!!I!!!!!!lIl!I!II!IIII!II!I!IIIII!!!!lII!III!IIIl!III>II!l!I!!I!!IIIIIIIIlI!I!!!I!!,I!!i!IlI!!IIiI! AUS DEM INHALT: Leo Schwering, M. d. L., und Otto Colosser, M. d. R.: Der Aufmarsch der Parteien. Seite 454 Das Opfer des Bergarbeiters. Seite 459 Gibt es angeborene Rassenunterschiede? Seite 460 Professor J.EIbogen: Lucien Wolf. Seite 461 deutschen Juden von allen Organisationen gemeinsam erfüllt werden können. Insbesondere soll der Ausschuß finanzielle Mittel neben den Sammlungen der Organisationen beschaffen. Die im Ausschuß vertretenen Organisationen stimmen darin überein, daß es sich bei diesem Ausschuß um keinerlei Gesinnungskompromisse handelt und daß die eigene Tätigkeit der Organisationen durch die Existenz des Ausschusses in keiner Weise geändert werden soll- * * * . Die Aufgaben des Ausschusses sind in jeder Beziehung zusätzlicher Art. In allen Auseinandersetzungen über die Theorie des Centralvereins kehrt bei seinen Gegnern immer derselben Vorwurf wieder: ihm fehle die große Linie, die überragende Idee, er b a g a t e l l i s i e r e die Arbeit und löse sie in eine Fülle von Kleinigkeiten auf, die ihre Wirkung auch auf die Menschen ausüben und sie kleinlich machen. Auch in der Bekämpfung des Judenhasses gibt es eine analytische und eine synthetische Methode. Jene sucht die große Linie, strebt nach Politischen Ergebnissen, demokratischen Grundsätzen, die sich dann durch die Macht ihres Einflusses auch in den kleinen Geschehnissen des Tages auswirken. Der synthetische Weg geht dagegen vom Gegebenen aus. Er tritt dem Antisemitismus in jeder noch so kleinen Erscheinung entgegen, bekämpft ihn in jedem einzelne Falle und sucht durch die Summierung des Kleinen das Große zu erreichen. Welche Methode ist nun die bessere? Man muß bedenken, daß uns vom Judenhasse der Weg unseres Handelns vorgeschrieben wird. Nicht u n s steht die Wahl zu. In Zeiten, da es um die großen Fragen des Rechts und der Emanzipation ging, da es sich um Sein oder Nichtsein handelte, war natürlich die analytische Methode angebracht. Es mußte Zunächst einmal der Grundsatz der Gleichberechtigung feststehen und abgewartet werden, wie er auf die Gesinnungen und Handlungen der Menschen wirkte. In Zeiten aber wie den unsrigen, in denen die Gleichheit aller Bürger in der Verfassung fest verankert ist und der Antisemitismus lediglich auf einen inneren seelischen Widerstand, auf gefühlsmäßig empfundene Abneigung und bösen Willen Zurückgeht, ist die synthetische Methode angebracht. Denn wenn der Antisemitismus zum Jndividual- Weder die finanzielle Werbung noch die politische Tätigkeit des C. B. in der Zentrale oder in den Landesverbänden und Ortsgruppen und ebensowenig die Tätigkeit irgendeiner anderen im Ausschuß vertretenen Organisation wird durch sein Bestehen berührt. Wenn .der Centralverein seine Gründung anregte und durch seine führende Mtarbeit im Ausschuß sein aktives Interesse an ihm unterstreicht, leitet ihn dabei die von ernstem Berant- Problem geworden ist, muß auch die Abwehr denselben Weg gehen. Kleinarbeit ist in solchen Zeiten nicht nur „auch" vonnöten, sondern sie ist die Grundlage jeden Erfolges. Die synthetische Methode in der Bekämpfung des Judenhasses löst gewiß zunächst das ganze Problem in eine fast unübersehbare Fülle von Einzelheiten auf, und demgemäß muß auch die Schar der Mitkämpfer bis zur Unübersichtlichkeit verteilt werden. Aber dadurch ivird die Basis der Einwirkung bedeutend breiter. Das gilt negativ bei der Abweisung von Angriffen und positiv, wenn über Wesen und Bedeutung des Judentums A u f k l ä r u u g verbreitet wird. Die Bekämpfung antisemitischer Gesinnung wird im Einzelfalle zum Nachdenken, bei böswilligen Gegnern mindestens zur Zurückhaltung führen. Die Verfolgung des einzelnen Falles wird zur Mahnung, daß auch der Jude sich nicht alles widerstandslos bieten läßt. Und auch in der Aufklärung hängt alles davon ab, an die einzelnen unter unseren Widersachern heranzukommen und durch immer wiederholte Beeinflussung ihre Gefühlswelt umzugestalten. Die Judenfeinde machen es übrigens auch nicht anders. Und so reiht sich die eine Kleinigkeit an die andere, bis aus der Fülle von Einzelheiten ein Ganzes entsteht. Gewiß muß auch in der Kleinarbeit System und Ordnung herrschen, denn jeder Baw obwohl er aus einer Unmenge von kleinsten Steinen besteht, muß planvoll erdacht und durchgeführt sein. Dem ganzen Kampfe einheitlichen Sinn und klare Gestaltung zu geben, ist gerade die Aufgabe des Centralvereins als eines Ganzen. Er weist die Wege, auf denen die Kleinarbeit vor sich gehen soll, er schafft aus der Synthese die großen Ideen, die aus den Ergebnissen praktischer Arbeit heraus- Wortungsgefühl veranlaßte Erwägung, daß in den schweren Tagen bis zum 14. September alle Kräfte im deutschen Judentum mobilisiert werden müssen. Selbstverständlich bedeutet der zwischen den im Ausschuß vertretenen Organisationen vereinbarte Burgfriede nach keiner Richtung hin eine Preisgabe gesinnungsmäßiger Grundlagen oder eine Bereitschaft, bestehende, notwendige Gegensätze zu verwischen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.