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Central-Verein-Zeitung · 1930-08-08 · 32 (8.8.1930) · p. Seite 423

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
32 (8.8.1930)
Date
1930-08-08
Page
Seite 423 (sequence 7)
Language
German
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423 Siegfried Wagners Kampf für Bayreuth Bad Nauheim-Park-Hotel feit die Frage zu klären, ob das deutsche Judentum ein Recht hat, deutsche Gemeinschaften, welche sich nach rassischen Vorbedingungen zusammengefunden haben und die über diese eigene Einstellung hinweg gemeinsam mit allen deutschen Staatsbürgern ohne jede rassische Vorbedingung Positiv in der Politik Zusammenarbeiten wollen, als antisemitisch zu bezeichnen. Unbeschadet unserer völkischen Gesinnung bekämpfen wir schon aus Gründen der nationalen Einheit und Befriedung des deutschen Volkes den demagogischen Antisemitismus unserer Zeit. Mussolini bezeichnete den Antisemitismus als eine Barbarei. Er nannte den -Faschismus erhaben über den Antisemitismus, weil der Faschismus die höchste Stufe der Kultur sei. Unser Kampf für den deutschen Volksstaat erstrebt die Vollendung der deutschen Volkseinheit und die Bereinigung aller Gegensätzlichkeiten, welche das deutsche Volk mit Haß und Zwietracht erfüllen. In dem Antisemitismus, wie er sich heute in Deutschland darstellt, sehe ich ebenso ein Minderwertigkeitsgefühl, wie ich dasselbe in einem gewissen Antigermanismus gewisser jüdischer Kreise erblicke. Ich bin fest überzeugt, daß nur auf der Grundlage der Gleichberechtigung eine staatsbürgerliche Bereinigung erfolgen kann, und bin der Ansicht, daß angesehene Juden zu dieser Auffassung Stellung nehmen müssen." * Da dieser Aufsatz erst nach Redaktionsfchlutz bekannt wird, kann erst in der nächsten Nummer zu ihm Stellung genommen werden. Mitten während der glanzvollen Bayreuther Festspiele ist Siegfried Wagner, der große Erbe Bayreuther Tradition, gestorben. Die künstlerische Leistung Siegfried Wagners zu werten, ist hier nicht der Ort, wenngleich Siegfried Wagner selbst gelegentlich in Briefen der Ansicht Ausdruck gab, daß die geringe Anerkennung, die sein musikalisches Schaffen in der Oeffentlichkeit gefunden hat, auf einem Vorurteil der „jüdischen" und der „demokratischen" Presse beruhte. Wie wenig gerechtfertigt diese Anschauung Siegfried Wagners war, zeigt ja am besten die Tatsache, daß zahlreiche Juden zu den Besuchern Bayreuths auch in einer Zeit gehörten, als Bayreuth stark unter völkischem Einfluß stand.. Wir haben uns mit der Frage Bayreuth schon früher in diesen Blättern beschäftigen müssen, weil das völkische Bayreuth mit dem Hause Wahnfried in der Oeffentlichkeit zmn Teil identifiziert wurde. Siegfried Wagner hat gegen diese Anschauung seit Jahren gekämpft. Nach den Festspielen im Jahre 1924 wurde vom Hause Wagner aus der Wunsch nach einer politischen Entspannung laut. Bei den Festspielen 1925 spielten die Dollarspende an Ludendorff, Hakenkreuze, die selbst das Haus Wahnfried beschmierten, häßliche judenfeindliche Lieder, die auf den Straßen verkauft und öffentlich gesungen wurden, der Festspielführer, der im Sinne einer politischen Streitschrift ausgezogen war, eine unerfreuliche Nolle. Um diese politische Entspannung herbeizuführen, vermittelte damals der Impresario Siegfried Wagners dessen Bekanntschaft mit Dr. Bruno Weil, und nach längeren Verhandlungen schrieb Siegfried Wagner an Dr. Äruno Weil im Februar 1925 nachstehenden, für die Oeffentlichkeit Bcftinimten Brief, den wir schon früher in diesen Blättern erwähnt haben: „Ich nehme gern Bezug auf die zwischen Herrn Michel und mir irnd die zlvischen Ihnen und mir stattgehabten Besprechungen. Es liegt mir sehr am Herzen, daß die diesjährigen wie alle kommenden Festspiele in Bayreuth, losgelöst von jeder Tagespolitik, stattfinden, und daß sie im Geiste der Stifter lediglich dem hehren Zwecke der Kunst zu dienen bestimmt bleiben. Von meiner Seite ist alles geschehen, um sicherzustellen, daß die Bayreuther Tage frei von jeden: politischen Einschlag bleiben, und es wird jeder, welchen Glaubens und welcher Abstammung er auch sei, in Bayreuth willkommen sein, der dort Erbauung und Erhebung finden will. Niemand braucht besorgt zu sein, daß irgendwelche Vorfälle unangenehmer Art sich abspielen. Sagen Sie das all Ihren Freunden und verwenden Sie diese Erklärung in der Weise, die Ihnen geeignet erscheint, um die Anteilnahme all derjenigen, denen Bayreuth am Herzen liegt, zu erhöhen und erneut zu wecken. Gerade in den Zeiten der Not des SaisonAusverkauf 'kjuucw Beginn: 1.Auqu>f Enorm billige®' Hälfte herabgesetzt!

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