Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 29 (18.7.1930)
- Date
- 1930-07-18
- Page
- Seite 389 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Camille Pissarro. Zur 100. Wiederkehr seines Geburtstages. Von Dr. E m m y Welt m a n n-Wieluner Man hat oft den Hang des modernen jüdischen Künstlers zur abstrakt-expressionistischen Gestaltungsform betont, trifft aber mit dieser Charakterisierung nur eine Seite jüdischen Wesens. Auf der anderen ist der jüdische Künstler durch seinen scharfen Intellekt, 'sein rasches, blitzartiges Erfassen eines Gegenstandes und feine äußerste Sensibilität gerade für den Impressionismus hervorragend befähiK und es ist sicher kein reiner Zufall, daß jüdische Künstler in der impressionistischen Bewegung eine so bedeutende Nolle gespielt haben. In Deutschland — ich denke an Max Liebermann und an Lester Ury, der als erster unter den deutschen Impressionisten schon bald nach 1880 zur Freilichtmalerei griff — sind sie geradezu die Bahnbrecher des neuen Stils. Auch in Frankreich ist der Senior der Jmpressionistengruppe, Camille Pissarro, ein Jude. In St. Thomas auf den Antillen als Sohn eines französisch - jüdischen Großkausmanns 1830 geboren, kommt er als Knabe schon nach Paris und erhält dort den ersten Zeichenunterricht. 1847 ruft ihn der Vater zurück. Sein Pariser Lehrer gibt ihm den Rat mit, „recht viel Kokospalmen nach der Natur zu zeichnen". Das tut er und versucht darüber hinaus, alle Wunder exotischer Landschaft im Bilde sestzuhalten. Seine künstlerischen Neigungen führen zu harten Kämpfen mit dem Vater, der ihn zum Kaufmann bestimmt hat. Fünf Jahre muß er als Kommis arbeiten, aber als er 1855 mündig wird, kehrt er nach Frankreich zurück und lebt nun ganz seiner Kunst. Mit sicherem Instinkt schließt er sich an den französischen Maler an. dessen Natur seiner eigenen am verwandtesten ist, an Corot. - Von ihm übernimmt er die zarten Silbertöne, die weichen dunstigen Umrisse seiner Landschaften, von ihm auch — im Gegensatz zu den übrigen Impressionisten! — die gefühlsmäßige Einstellung zur Natur. „Der Künstler", sagt er, „soll die Natur nicht eher malen, als bis er bei ihrem Anblick etwas empfindet." Sein Weg geht, wie der Monets, von der dunklen zur Hell-rmHell-Malerei. Kurze Zeit hat er sich dem Pointillismus angeschlosten, gab aber diese Technik bald Wiederaus. Mit Monet, Sisley und Cezanne verbindet ihn enge Freundschaft. Sie beeinflussen sich wechselseitig in ihrer Arbeit. Pissarro ist der Maler des Landlebens wie Millet, aber ehrlicher, unsentimentaler als dieser. Seine Motive sind einfach. Plaudernde Bauern, arbeitendes Volk, Landhäuser, Gärten, Dörfer in der. Sonne.. Aus friedlicher Arbeit reißt ihn der Krieg von 1870 heraus. Er lebt mitten in der Kampfzone. Muß flüchten — er geht damals mit Monet nach London! — über 300 Bilder bleiben zurück und sind wahrscheinlich verbrannt. Daher sind Frühwerke Pissarros heute so selten. Nach dem Kriege siedelt er sich wieder in der Nähe von Paris an, bis ihn ein hartnäckiges Augenleiden zwingt, ganz in die Stadt zu ziehen. Der Sechsundsechzigjährige malt nun im Zimmer, was er vom Fenster aus erblicken kann: die Straßen, den Pont Neuf, den Louvre. — Auch als Graphiker hat Pissarro sich viel betätigt. Mit starkem Sinn für soziale Ethik schafft er als Mitarbeiter der sozialistischen Zeitschrift „Les Demps Nouveaux"" seine „Ernsten Blätter sozialer Haltung". In Lithographien wie „Die Obdachlosen", „Der Ackersmann", „Die Holzträgerinnen" schildert er ohne Pathos, aber um so eindringlicher das Los der armen, arbeitenden Bevölkerung. Man spürt aus solchen Blättern, wie stark Pissarro an dieser Arbeit mit dem Herzen beteiligt war. Vielleicht ist es diese seelische Einstellung, die seinen Werken die besondere Note verleiht. Sein Ruhm wird von dem Monets überstrahlt. Er sieht es ohne Neid und äußert bescheiden,: ,Monet est un grand clecoraieur, mois je suis un petit paysagiste“. Neidlose Güte, heitere Gelassenheit gegenüber allen Weehselsällen des Lebens charakterisieren sein Wesen. Vielleicht mangelt seiner Kunst die Größe, aber an Gefühlstiefe und Lebensweisheit überragt er den ganzen übrigen Kreis der französischen Impressionisten. Das schöne Wort über Giotto, das er — wie Julius Elias voll ihm berichtet — gern zitierte, scheint wie für ihn selbst geprägt: „Er erneuerte die Kunst, weil er niehr Güte in sie hineinlegte." AufkLäruugsversammlrmg des C. V. in Bayreuth. Vor kurzer Zeit fand in Bayreuth eine Ausklärungsversammlung des Centralvere i n s statt, in der Professor Dr. K i n k e l über „Zusammenleben der Konfessionen" sprach. Ungefähr 160 nichtjüdische Personen waren anwesend: die Versammlung trug einen vornehmen Charakter und verlies ohne jegliche Störung. Eine Diskussion fand nicht statt. Ein Sachkatalog der C. B.-Bihlwihek fertiggestellt! Der Bücherbestand unserer Bibliothek ist im Lause des Jahres auf über 6060 Bände angewachsen. Ilm die Benutzung unserer .Bibliothek für unsere Verwaltung und für unseren großen Mitarbeiterkreis zu erleichtern, haben wir einen Sachkatalog angesertigt. In ihm sind in 28 Hauptabteilungen mit vielen Unterabteilungen die Bücher unserer Bibliothek systematisch eingeordnet. Auch Vorkehrungen für die Nachtragung von - Neueingängen sind getroffen, so daß der Sachkatalog immer aus dem lausenden gehalten werden wird. (C. S&sr*'!? vi :§• phne Abspannung und Müdigkeit sichern Ihnen wenige Tabletten Kola Dallmann. 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