Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1930-07-04 · 27 (4.7.1930) · p. Seite 353

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
27 (4.7.1930)
Date
1930-07-04
Page
Seite 353 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2277379-2277676-2277703--06109-2286907
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

«mrot «rein ö!älter für Oeutfektum un- Judentum Bierteljahrsabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schristleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 18. stube G, Berlin SW 68, Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse. Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche Serlin, 4. Juli 1-30 IX. Jahrgang ♦ Nr. 27 Einzelnummer 20 Pfennig Organ -es tentral Vereius-eutfelrexM ©tootsbürger jüöiTchcn Naubeus c.O. Allgemeine Zeifung des3udenfums Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel- Lindenstraße 7, und von Goldschmidt - Rothschild & Co., Berlin W 8. , Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 Mi für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosse; (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 täJL, die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 J2<M. Die wirtschaftliche Umwälzung. Zu den vielen Problemen, vor denen das deutsche Judentum heute steht, gehört besonders die Frage nach seiner wirtschaftlichen Zukunft. Niemals hat sich die Schicksalsverbundenheit der deutschen Juden mit ihrem deutschen Heimatlande stärker gezeigt als jetzt. Niemals war infolgedessen ihre Abhängigkeit von der Entwicklung der Wirtschaft größer als in unseren Tagen. Die Wandlungen der deutschen Wirtschaft stellen also die Juden in Deutschland vor eine zwiespältige Aufgabe, an die sie als deutsche Staatsbürger, aber auch als deutsche Juden heranzugehen haben. Ursprünglich lebte der Jude in Deutschland wie in den meisten Ländern Europas fast nach eigenen wirtschaftlichen Gesetzen. Im Ghetto war er abgeschlossen von der Umwelt. Nicht völlig isoliert von ihr, für die er stets einen wichtigen Mittler bedeutete. Aber die Verbannung aus der Sphäre der Produktion, das Hineinzwängen in eine nur vermittelnde Tätigkeit ließ den Juden nicht teilnehmen an der Entwicklung der Wirtschaft des Landes, in dem er lebte. Noch bildete er einen Staat im Staat. Auch in rechtlicher..Hinsicht. Denn die Juden des Ghettos galten ja nicht als Bürger der Stadt, in der sie wohnten. Erst mit der politischen Emanzipation können die Juden in Deutschland i n das Wirtschaftsleben eingreifen. Erst jetzt wird es ihnen möglich, in Wirtschaftszweige einzudringen, die ihnen früher verschlossen waren. So sehen wir, daß erst im 19. Jahrhundert mit der Entfaltung des Kapitalismus, mit der Entwicklung der Industrie die Juden ihre starke kapitalistische Begabung zeigen können. Wir können die Behauptung, daß die Juden den Kapitalismus in die Welt gebracht haben, mit vollem Recht Zurückweisen. Wir werden aber zugeben müssen, daß sie frühzeitig Pioniere jener Wirtschaftsepoche gewesen sind, die mit dem Beginn einer neuen Zeit die mittelalterliche Wirtschaftsführung ablöst. Dank der alten Kultur, die sie seit Jahrhunderten, ja seit Jahrtausenden mit sich brachten, waren sie in ihrer wirtschaftlichen Einstellung ihrer Umgebung überlegen. Dazu kam die ihnen eigene Auffassung von der Arbeit als Pflicht, von dem Beruf als göttliche Berufung. Alle diese Momente mußten sie für jene neue Wirtschaftsauffafsung besonders geeignet machen, die durch das Prinzip der Konkurrenz und der Rationalisierung in ihrem Streben nach dem größtmöglichen Ertrage dem Jndivivon Dr. Kurt Zielenziger. duum in jener Zeit zum Siege verhals, als sich der Mensch auch geistig von der bisherigen Bevormundung zu befreien versuchte. Die Folgen des Ghettos wirken aber auch in der Zeit nach der Emanzipation noch nach. Wenn auch die Juden in Deutschland die verschiedensten Berufe ergreifen, so wenden sie sich hauptsächlich dem Handel und dem Geldgeschäft zu. Hier erreichen sie große Erfolge. Auf diesen Gebieten können sie der Wirtschaft neue Wege weisen, von hier führt sie auch der Weg zur Industrie. Bor allem ist es ihnen hier möglich, ihrem Drange nach Selbständigkeit nachzugehen. Sobald aber der ursprüngliche Kapitalismus seine Form verändert, verschiebt sich der Einfluß, den die Juden auf einen bestimmten Wirtschaftszweig ausüben. Die Entpersönlichung der Wirtschaft drängt sie aus einem Gebiet, das sie erobert hatten, wieder zurück. Die Rothschilds als die Beherrscher des Anleihegeschüftes werden bitrcfj die Aktienbanken abgelöst, in denen die Juden weit weniger Einfluß besitzen als in den Privatbankunternehmungen. Je stärker die Vergesellschaftung sortschreitet, desto mehr müssen sich diese Erscheinungen bemerkbar machen. Die Entthronung -es RUttelftanöes. Der Krieg, der eine W e l t w e n d e bedeutet, hat neben den großen politischen auch wi r tsch a f tlich e V e ran derungen von höchster Bedeutung geschaffen. Jetzt, da in Deutschland die letzten Reste des Ghettos endlich gefallen sind, da die völlige politische Emanzipation erreicht ist, tauchen neue Fragen auf, die uns zur l!!!!I!I!!!I!!I!I!!II!!!!!!!!!I!!I!!!!!!lI!!!!!iI!!l!I!!!I!I!I!III!!Il!I!!I!!l!!il!iIs!k!II!>!II!!I!!>I!I!I!lI!l?!I)IIII!I!!IlI!I!!II!!I!!!!III!Ill!i!!I!!I!!I!!!!I!I!III!!>!!II!!I!>I>lI!!!!I!I!!HI!!!l!!?!!!I!!!!IIIIIIII!!l!!Ii!!!i! Aus dem neuen Dresdener Hygiene-Museum Konfession und Kinderzahl km Jude«: bei tietfboftketv bei profe^mka

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.