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Central-Verein-Zeitung · 1930-06-13 · 24 (13.6.1930) · p. Seite 319

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
24 (13.6.1930)
Date
1930-06-13
Page
Seite 319 (sequence 11)
Language
German
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AI- Münchener Tagung -es Verbandes -er Mischen Zugen-vereine Veulschlan-s. Sonderbericht für die „C. V.-Zeitung". A. II. München, 5. Juni 1930. Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands bleibt der „neutrale Verband". Dieses Ergebnis seiner achten ordentlichen Delegiertentagung mutz vorweg sestgestellt werden, weil mit ihm heute stärker als je die unausgesprochene Folgerung verknüpft ist: Der Verband wird neutral sein oder er wird nicht sein. Man hatte eine Verbandskrise herausgesprochen, wobei unter „man" .die Interessenten einer Wandlung der Verbandshaltung und die große Schar solcher Menschen gemeint find, die, selbst arbeitsunwillig und verantwortun-gsscheu, mit jedem Krach, . jeder Störung organischer Entwicklung einverstanden sind, weil sie damit den Schein einer Berechtigung für ihr Verhalten haben. Und man hat die Krise wieder weggesprochen: die Bemühungen der sogenannten Opposition wurden klar charakterisiert und der Appell an den Delegiertentag, den Verband über persönlichen Ehrgeiz und sachliche Eigenbrötlerei zu stellen, fand ein überwältigend starkes Echo. Wir werden in der nächsten Nummer der Beilage „Von deutsch-jüdischer Jugend" noch Gelegenheit haben zu untersuchen, inwieweit eine latente Krise im Verbände geblieben ist und als notwendig zur Verhinderung der Stagnation bleiben mutz. Aber schon hier kann gesagt werden: Der Verband wird stark sein, solange er seine Grenzen kennt, und er wird eine wichtige Funktion im jüdischen Leben Deutschlands behaupten, wenn er junge Menschen aus seinem Kreis hinaus in das jüdische Leben Deutschlands entlassen kann, die jedwede jüdische Arbeit an dem Platze, zu dem jeden seine Ueberzeugung führte, verrichten, mit Verantwortungsbewußtsein, Ehrlichkeit, Sachkenntnis, Achtung vor der Meinung der anderen und Aufgeschlossenheit für alle Fragen der Erhaltung des Judentums in seiner Gesamtheit und im deutschen Vaterlande. Dreihundertzwanzig stimmberechtigte Delegierte, Vertreter von 10 560 Verbandsmitgliedern, bildeten das Gremium, vor dem unter dem Motto „Jugend Hilst der Jugend" sich das Programm abrollte. Hunderte von Gästen wohnten der Eröffnungssitzung bei und blieben großenteils auch während der Arbeitstagung. Rabbiner Dr. Hahn, Vorsitzender des Verbandes, leitete und begrüßte die Ehrengäste aus dem Reiche und München, dankte für Hilfe und Freundlichkeit, wobei auch unser C. V. Erwähnung fand. Oberlandesgerichtsrat Neumeher überbrachte die Wünsche der bayerischen Gemeindebehörden. Rechtsanwalt Dr. Benno Walter die der Großloge, Prediger R ü l f (Detmold) war vom Rcichsverband der jüdischen Lehrervereine Deutschlands hiermit betraut, Oberlehrer K e n k e (München) seitens der bayerischen Jugendbünde. Für den Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände Deutschlands sprach Dr. Alfred H i r f ch b e r g (Berlin). Martin Bub er leitete die Auseinandersetzung über das Tagungsmotto mit einem Referat „Wie kann Gemeinschaft werdend" ein. Referat und — nach unfruchtbarer Debatte — Schlußwort brachten Buber stürmische Ovationen ein, an denen sich um der hohen sachlichen Persönlichkeit Bubers willen und für seine sprachgewaltige Diktion auch die kritischeren Zuhörer beteiligten, die Voraussetzungen und Ergebnisse des pessimistisch ausklingenden Lehrvortrages nicht anzuerkennen vermochten. Bemerkenswert, sogar sehens- und hörenswert war die „I e r e m i a s" - Ausführung des Düsseldorfer Bundes. Hingabe, Begabung und künstlerisch einfügsame Arbeit unter Herbert Felsenthal hatten ein Werk gezeugt, das keine dilettantischen Schwächen aufwies und die erschütternde Wirkung eines zeitüberdauernden Laienspiels ausübte. Stefan Zweig war anwesend. Er sah auf der Münchener Bühne erstmals seine Vision verwirklicht. Ergriffen dankte er der ihm huldigenden Zuhörerschaft. Die Nacht hindurch berieten die verschiedenen Ausschüsse, um die Arbeitstagung vorzubereiten. Nach ausgedehnter, oft leidenschaftlich geführter Diskussion, deren Ergebnis wir eingangs vermerkten, nach Erledigung von Formalien und Satzungsänderungen kam es zur Neuwahl des Vorstandes, da Dr. Hahn und Fritz Schwarzs ch r l d in die Leitung nicht mehr zurückkehren wollten. Durch Akklamation wurden Herbert Fetsenthal zum ersten Vorsitzenden, Erich Altmann (Hamborn) zum zweiten und Erwin Seeg all (Stettin) zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden berufen. Damit hat die Nachkriegsgeneration, zum erstenmal eine junge Generation, die Leitung in der Hand. Die übrigen Vorstandsposten wurden mit Alfred Braun (Kassel), Rabbiner Philipp (Elberfeld) (Zeitschrift), Waldemar Strauß (Berlin) (Soziale Arbeit) besetzt. In den Verbandsbeirat, den im wesentlichen die Delegiertentagung wählte, berief der Verbandsvorstand den Vertreter des Verbandes im Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände, Dr. Alfred H i r s ch b e r g. Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands wird nach zwei Jahren zu zeigen haben, daß er im Wandel der Zeit und Führung sich gleich und seiner Idee treu blieb. Pensionspreis von JUL 8,50 an. Aerztliche Behandlung auf Wunsch. Neuer Fernruf Nr. 7342. Prospekte. Zubilaumstagmig -es Vereins zur Übwehr -es Antisemitismus. Der Verein zur Abwehr des Antise m i t i s mu s konnte in diesen Tagen auf sein vierzigjähriges Bestehen zurückblicken. Er feierte dieses Jubiläum anläßlich seiner Mitgliederversammlung, die am 3. Juni in München stattfand. Bereits am Vorabend, am 2. Juni, fand ein überaus gelungener Vortragsabend vor geladenen Gästen statt, bei dem Geheimrat Leo F rode n i u s über den „Konflikt der Kulturstile", Pater Augustin I. Arand über „Religion und Judenhaß" und Dr. oec. publ. Richard Horlacher über das Thema: „Warum Abwehr?" sprachen. Der Konzertsaül des Hotels Bayrischer Hof in München war von einem Publikum, das überwiegend aus Nichtjuden bestand, so überfüllt, daß viele Personen keinen Eintritt mehr fanden. Die Stimmung der Versammlung war voll ehrlicher Ablehnung gegen den Judenhaß. Sie kam in der folgenden Entschließung zum Ausdruck: „Im Antisemitismus sehen wir eine Verletzung der sittlichen Idee des Christentums, der Gerechtigkeit, der Wahrheit und eine Gefahr für den Bürgersrieden im Inland und für das deutsche Ansehen im Ausland." Zahlreiche hervorragende christliche Gelehrte hatten dem Verein ihre Sympathie in Zuschriften erklärt. So schreibt Geheimrat Dr. Karl Boßler, Profestor an der Universität München, u. a.: „Das Gefühl, daß etwas Niedriges und Rohes im Antisemitismus steckt, ist mir zum erstenmal in den Knabenjahren ausgegangen ... Für mich als Nichtjuden hat die Judensrage nur diese eine Beunruhigung: wie werden wir die Schande des Antisemitismus los?" Geheimer Hofrat Professor Dr. jur. et phiL Lujo Brentano schreibt u. a.: „Das Fremdtum innerhalb des deutschen Volkes muß aufhören, wenn dasVolk wieder aufkommen soll.Das kann aber weder durch Versuche, die Rassenreinheit herzustellen, erreicht werden, noch etwa, indem man einen Teil der intelligentesten Bevölkerung Deutschlands zu dessen Feinden macht, indem man etwa, dem früher russischen, jetzt ungarischen und polnischen Beispiele folgend, einen Kumerns e1an8U8 für jüdische Studenten an den Universitäten oder für jüdische Professoren auf deren Lehrstühlen einführt. Was uns not tut, ist Einheit des Fühlens und Denkens . . ." Hercules Motorräder moderne, erstklassige Konstruktion. Schönstes Modell der Geaenwartl Typen: 200,300 und 500 vom. Näheres bei unseren Vertretern. NsrciM-Vorks Aktiengesellschaft, Nürnberg. Bitte nehmen Sie in allen Korrespondenzen mit den Inserenten unserer Wochenschrift auf die Anzeige in der V.-Leltnng" Bezug. Das liegt in Ihrem Interesse. 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