Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 17 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- Seite 227 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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m Varnhagen wird im Oktober 1815 als preußischer Geschäftsträger nach Karlsruhe geschickt. Im April 1816 schreibt Rahel in Frankfurt Verfügungen für ihren Tod auf. 1819 wird der Karlsruher Posten eingezogen, Varnhagen ist hinfort in Berlin, wo Rahel im Hause Mauerstraße 36 ihren Zweiten Salon öffnet. Sie hört Paganini und sieht seit dem Frühjahr 1821 Heinrich Heine, den Freund eines ihrer- Brüder, des Schriftstellers Ludwig Robert, bei sich: „Er wollte gegen Goethe sprechen, ich mußte lächeln, es ging nicht." Sie stirbt in der Nacht zum 7. März 1833. Varnhagen zieht sich unter dem Reaktionär Ancillon vom preußischen Außenministerium völlig zurück und lebt bis 1858. Sein Dichterwollen, so hat er einmal an Rahel geschrieben, sei der Urstachel seines zerkrümelten Wesens. Er ist ein deutscher Sainte-Beuve, als er mit seiner psychologischen Hellsicht Biograph wird. Goethe lobt ihn als einen derjenigen, „die Zunächst unsere Nation literarisch in sich selbst zu einigen den Willen haben", als einen Darsteller der Individualitäten und des Zeitgeistes. Im vorsichtigen Stil von „Dichtung und Wahrheit" verfaßt Varnhagen seine „Denkwürdigkeiten", die nur noch mit Episoden über die Abberufung im Jahre 1819 hinausgehen. „Die Worte sind züchtig und schmucklos", sagt Laube über ihren „Zölibatsstil", „es ist ein still, klug und geordnet waltendes Leben darin, nur kein bewegendes, fortreißendes, kein schaffendes." Alles, was nicht Rahel ist, ist für Varnhagen „blaß, erlöschend". Das „Buch des Andenkens" an die Entschwundene betrachtet der Witwer als sein „eigentliches Lebensdenkmal": „Hier ist mein Inhalt, mein Verdienst, mein Glück, meine Bestimmung; hier haftet meine Erinnerung, mein Gewissen, meine Phantasie." 1868 erscheint, mit kleinen Indiskretionen und Sensationen sein Nachlaß, herausgegeben von Lodbad Tolz. Ä bietet bet mäßigen Preisen das Beste an Unterkunft und Verpflegung. einer Tochter seiner Schwester Rosa Maria und des Hamburger Arztes David Assur- Assing, der Schriftstellerin Ludmilla Assing, die 1880 geisteskrank in Florenz stirbt. Kadmi-Cohen: „Aornaäes." Essai sur Farne juive. Librairie Felix Alcan. Paris« Kadmi-Cohen ist Zionist, wie schon die Schlußworte seiner geistvollen Studie zeigen: „vites: Nous Sommes cke teile tridu", und als solcher betrachtet er das gesamte jüdische Problem. Schicksalverwandt scheinen ihm zwei semitische Stämme zu sein, die Juden und die Araber. Beide sind Nomaden, die sich nicht dem Boden verbunden fühlten; und gerade diese Tatsache bestärkte sie in ihrem Bewußtsein der Rasse, die sich trotz Anfeindung und Zerstreuung erhielt. Nicht um Besitz, sondern um Seelen zu gewinnen, führten die Araber Krieg. Vor allen anderen Konfessionen schufen die Juden die Idee des Einen Gottes, der den Persönlichkeitsbegriff allmählich verlor und zum übersteigerten Symbol ihres Stammes wurde. Zu ihrer Erhaltung dient das strenge Religionsgesetz, welches die Juden von der Außenwelt absondert. Die Vielseitigkeit des jüdischen Geistes, für welche die Geschichte zeugt, verursacht die Anfeindungen des Antisemitismus, der Kraft und Dauer der semitischen Idee anerkennt. Heutzutage besteht ein jüdisches Problem, seine Lösung liegt in der Schaffung des neuen jüdischen Staates und darin, daß alle Völker zur Toleranz gegen ihre jüdischen Untertanen gezwungen werden. Israel muß erhalten werden, da es alle monotheistischen Religionen beeinflußte, wie Kadmi-Cohen im einzelnen sehr fesselnd ausführt. Im Grunde erwächst das ganze Christentum aus jüdischen Verheißungen: die jüdische Seele aber wird stets den höchsten Höhen zustreben. Das vorliegende Buch ist — dank seines eleganten Stils und einer blenden Beweisführung — ein Kunstwerk. Die Tatsachen sind aber vielfach einseitig betrachtet, daher sowohl die teilweise gewollt anmutende Parallele mit den Arabern wie die Forderung eines Nationalstaates. Auch die vom Autor mehrfach betonte jüdische „Einheitlichkeit" und „Gleichheit" besteht vielfach nur in der Theorie: und so sind noch manche der Kadmi- Cohenschen Behauptungen, die häufig zu gleichen Schlußfolgerungen wie die der Judenfeinde führen, leicht widerlegbar. Gertrud Lichtenberg (Hannover). Neue Wege unserer L.v.-llrbeit in Groß-Berlin Die immer wiederkehrende Klage, daß unfere Mitglieder zu wenig von der eigentlichen C. V.- Arbeit erfahren, ist die Veranlassung gewesen, neue Wege für unfere Arbeit zu gehen. Seit einigen Wochen haben wir deshalb C. V.-Vvrtragsabende in Privathäusern veranstaltet, die als durchaus wertvoll für unsere Arbeit angesehen werden müssen. In der letzten Zeit haben fünf solcher Veranstaltungen stattgefunden. Den Häusern Asche nb r e n n e r, Negierungsbaumeister Bloch, Rechts- .anwalt Dr. D o n i g, Justizrat H o r w i tz und Zustizrat B r o d n i tz gebührt wärmster Dank, daß diese Veranstaltungen so erfolgreich verlaufen sind. Liegt nun der Erfolg dieser Arbeit nur darin, daß diese Veranstaltungen uns neue Mitglieder gebracht haben? Zahlen besagen nie viel, dem einen erscheinen sie groß, dem anderen klein, aber niemand wird den eigentlichen Wert dieser Arbeit verkennen, Li ytuRßok seit 34*Jahren anerkannt beste! I WMIMMalUNUlM» { färbt echt und natürlich in allen Nuancen | vom hellsten Blond F bis zum tiefsten Schwarz Probekarton zu 1 Portion.M.1,85 | Probekarton zu 2 Portionen .. M. 3.30 | Original-Karton zu 4 Portionen M. 5,50 J.F.S GHWARZLOSE SOHNE BERLIN, Märkgrafenstr.26.. w Trotzki, Mein Leben.M. 12,50 mK* Clemencean spricht lp Unterhaltungen mit seinem Sekretär Märtel.M, 12.— Ludwig, Lincoln.M. 16,— Weinberg, Erkenntnistheorie EineUntersuchung ihrerAufgabe und ihrer Problematik M. 6,— Wassermann, loimannstha), der Freund.M, 4,50 Thiess, Erziehung zur Freiheit.. M. 12 — Liepmann, Die Hilflosen.M. 6,50 Zarek, Begierde.M. 9,50 Bob. Naumann, Hochstaplernovelle M. 5.80 Thorberg, Der Schüler Gerber hat a absolviert.M. 6,50 oy cA?0<i° Philo Verlaß und Buchhandlung®:«: \ier Dönhoff 3595 * Berlin SW 68, Lindenstrasse 13 Wenn es wärmer wird machen sich Krampfadern und Schwellungen besonders lästig bemerkbar. Denken Sie beizeiten daran, Ihre gegen diese Beschwerden so vorzüglich bewährten Gummishümpfe zu erneuern. Beste Qualität, tadellose Frische, vollendete Passform begründen die Ueberlegenheit der Gentfla Gummistrümpfe. 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