Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 14 (4.4.1930)
- Date
- 1930-04-04
- Page
- Seite 175 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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175 Verbandstagung des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Am 30. und 31. März tagte in Berlin der Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Von besonderer Bedeutung für die große Oeffentlichteit waren die Ausführungen von Dr. Jsmar F r e u n d , der das Unrecht darlegte, das der preußische Staat in finanzieller Beziehung an der jüdischen Gemeinschaft übt. Während Preußen im Jahre 1929 82 Millionen Mark für die Zwecke der evangelischen und katholischen Kirche verwendet habe, habe es für die Zwecke der jüdischen Religionsgemeinschaft nur 200 000 Mark bewilligt und von diesen 200 000 Mark nur 132 000 Mark ausgezahlt. In der Tat liegt hier ein Mißverhältnis von derartigem Umfange vor, daß man geradezu von dem schwersten nur denkbaren Unrecht sprechen kann. Nicht einmal die Halste des der jüdischen Ge- »neinschaft zustehenden Betrages ist von der Staatsregierung zur Verfügung gestellt worden. Mit vollem Recht wurde von Kammergerichtsrat Wolfs und von verschiedenen Rednern aller Parteien hervorgehoben, daß die preußische Staatsregierung die Erledigung des vom Landesverbände beschlossenen Entwurfes zum neuen Judengesetz in bedauerlicher Weise immer wieder hinauszögere. So konnte der preußischen Negierung nach keiner Richtung hin Lob gespendet werden. Dagegen hat der Landesverband als solcher, unter Leitung seines verdienten Vorsitzenden, des Kammergerichtsrats Wolfs, und des energischen politischen Referenten, Dr. Jsmar Freund, mit den ihm zur Verfügung stehenden sehr knappen Mitteln denkbar viel geleistet. Es wurde für die Versorgung der jüdischen Gemeinden, für die Erhaltung der Stätten zur Ausbildung von Rabbinern und Lehrern, zur Förderung einer großen Reihe wertvoller sozialer Institutionen Erhebliches beigetragen. Auch eine Erörterung der Wirtschastsnot der deutschen Juden war in Aussicht genommen. Sie konnte leider infolge des außerordentlich umfangreichen Programmes der Tagung nicht durchgeführt werden. Dagegen soll der Landesverband demnächst eine Wirtschaftskonferenz einberufen und über Mahnahmen zur Behebung dieser Wirtschaftsnot beraten. Man möchte hoffen, daß dabei wirkliche Ergebnisse gezeitigt werden und nicht nur Reden ans dem Fenster heraus gehalten werden. Für Parteiagitatio» ist dieser Stoff zu schade. l. h. Sergeant Grischa. Uraufführung von firnolä Zweigs Drama am 31. März 1930 im Theater am NoUenöorfplah iSerlinj. Da Arnold Zweigs gleichnamiger Roman bereits im Jahre 1920 dramatisiert vorlag, machten sich die Mängel, die wir anläßlich der Uraufführung von Alfred Neu m anns „König Haber" getadelt hatten, nicht bemerkbar. Wem: wir heute trotzdem den Roman der dramatischen Form vorziehen, so deswegen, weil es Zweig bei der epischen Bearbeitung seines Themas gelungen war, das Problem des Krieges ln seiner Totalität, das heißt mit seinem Heroismus und mit seiner Brutalität, zu gestalten und zugleich die Vielfalt seiner Menschen und die Geheimnisse der Natur hrneinzuverweben. Bei der Dramatisierung vor die Wahl gestellt, entweder den Krieg oder ein Einzelschicksal zu erfassen, hat sich Zweig in weiser Beschränkung und im Gefühl für die Möglichkeiten der Bühne für das Zweite entschieden, wenn er auch dadurch gezwungen war, einen großen Teil der dichterischen und kosmischen Atmosphäre des Buches zu opfern. Wie Grischa in das Räderwerk der Militärjustiz gerät und von ihr zerschmettert wird, wird knapp, eindringlich und erschüttert gezeigt. Das Gefühl, daß dieses Schicksal vor der Tatsache des Krieges, dem in jeder Minute jener Jahre Tausende geopfert wurden, belanglos ist, wäre nicht so stark geworden, wenn der Regisseur Gran o w s k y in der Schlußszene nicht den Ehrgeiz besessen hätte, diese Tatsache anzudeuten. Wenn der Referent mit der Tendenz dieser Szene auch übereinstimmt, so muß er doch feststellen, daß durch sie der künstlerische Erfolg wesentlich geschwächt wurde. Denn Hermann Thimig, der im Anfang nicht die dumpfe Seele jenes Russen, der gegen seinen Willen zum Objekt eines schicksalhaften Kampfes wird, besaß, wuchs von Szene zu Szene. Er, den wir sonst nur lebendig und sprühend kennen, wurde ganz einsam und ganz still, hin und her gezerrt zwischen Tod und Leben. Die Minuten, in denen er sein armseliges Testament macht und der Moment seines Einschwenkens in die Reihe seiner eigenen Totengräber waren von allerstärkster, man kann hier wohl sagen, einmaliger Ausdruckskraft. Drei Parteien streiten sich um Grischas Seele. Das Militär, vertreten durch den alten Preußen Lychow (Friedrich Kayßler), ein Modell Bella Modern. Bindeschuh, prima Lackleder Modell Leila Haselnuss ia Cherreau mit Beige jodelt L y a «cht Ia Chevreau ln rweiHaselnussforben kombinier! Leiser.Schuhfabrik ISO iiiSlni öl mm iiisjiü rnrnrn rnrnrn r tfll fWV I Mi IUI I «iüiiii ■3 wvv iwi!l ii» M lisisn IS! sa igffli mmm rnrnrn!SO ISO Neue Modelle aus der grössten Schuhfabrik Berlins aus edelstem Material, nach neu. esten technischen Errungen, schäften hergestellt, kommen ohne Zwischenhandel direkt an den Verbraucher zum Verkauf. ofetsei» 'SO ISO 150 Modell Nanny Dunkelbeige mir braun la echt Chevreau ' Modell Gloria Trotteurschuh, braun pa. Boxcalf mit Beige Modell Martha Echt Pythonschlange mit hellbeige Chevreau