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Central-Verein-Zeitung · 1930-03-14 · 11 (14.3.1930) · p. Seite 129

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
11 (14.3.1930)
Date
1930-03-14
Page
Seite 129 (sequence 1)
Language
German
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[itifrol l?rein Blätter Wr öeutfrktum und Judentum. Berlin, 14. März 1-3- IX. Jahrgang »Ar. 11 Einzelnummer 20 Pfennig ' -rgan des tentral VeremsöevlfeliLM^ Ltaatsdüryer Müifcken ölaubens e.v. Allgemeine Zeifang des Dudentums BierteljahrSabonnewent 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und SchriftleiLung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3894, 3595. Postscheckkonto: Berlin 364 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel« stube G, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Moste, Berlin SW 160, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 MM für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Lentralvereins 0,45 MM, die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 MJL Der Reichswehrmimster warnt vor dem Bürgerkrieg. A. H. Die radikalen Parteigruppen, die den Kampf um den Staat oder den gegen ihn führen, muffen die Reichswehr als stärksten Nusdruck real-staatlichen Vermögens in ihre Berechnungen einbeziehen. Sie' durch Zersetzung kampfunfähig zu machen oder für die eigene Idee zu gewinnen, ist deswegen ihr heißes, meist mit Skrupellosigkeit durchgeführtes Bemühen. Ilm die Reichswehr ranken sich deswegen auch allzu leicht Gerüchte, die sie nach der einen oder anderen Seite hin als unzuverlässig hinstellen wollen. Die Reichswehr h a t s i ch , insbesondere seitdem Minister Groener an ihrer Spitze steht, mit großer Energie gegen das Eindringen umstürzle - rischer E i nflüsse in die Ar mee gewand t. Man erinnere sich des Erlasses Groeners, der die Beschäftigung von Mitgliedern der NSDAP, als Arbeiter und Angestellte innerhalb der Reichswehr untersagte, kurz nachdem eine „Neichswehrs ondernummer" des „Völkischen Beobachters" in Massenauflagen unter der Mannschaft verbreitet worden war. Inzwischen hat sich die politische Atmosphäre in Deutschland erheblich verschlechtert, und die Nutznießer von Not und Elend des gesamten Volkes glauben, daß ihre Stunde nahe sei. In täglichen Geplänkeln, bei denen Tote, Schwer- und Leichtverwundete regelmäßig auf dem Platze bleiben, üben sie sich für den Bürgerkrieg und haben es durch das Wachrufen schlimmer Instinkte fertiggebracht, daß sich Angehörige des gleichen deutschen Volkes mit wütendstem Haß begegnen. Man liest in der Presse von dem bevorstehenden Umsturz und beschimpft oder lobt die Reichswehr, je nachdem, ob man mit ihr oder gegen sie zu arbeiten vor hat. Der Erlaß, den Groener vor einigen Tagen an die Wehrmacht richtete, schiebt mit kräftigen Ellbogenstößen die Radikalen von rechts und links zur Seite. Daß der Minister sich mit Entschiedenheit gegen die Kommunisten wendet, ist nicht überraschend. Daß aber auch er die Nationalsozialisten als Feinde des Staates mit den Kommunisten in ein und dieselbe Linie rückt, verdient starke Beachtung. Es scheint, als ob der Minister damit einen Spuk, der in den Kompagnien und Bataillonen und Regimentern umging, dadurch bannen wollte, daß er ihn beim Namen nannte. Der Satz, die Nationalsozialisten spiegeln vor, sie „allein verträten die w a h r - hastig nationale Idee" zeigt mit Deutlichkeit, daß der Minister die Gefährlichkeit der nationalsozialistischen Phraseologie für Soldaten, die für die Ehre der Nation alles hinzugeben bereit sein müssen, erkannt hat und seine Untergebenen warnen will. Dann heißt es: „Die Nationalsozialisten wie die Kommunisten wollen die Zertrümmerung des Bestehenden mit allen Mitteln der Gewalt. Das bedeutet den Bürgerkrieg... Der Weg, den unser Volk zur Freiheit zu gehen hat, ist ungeheuer schwer und weit... Nur einer starken Neichsgewalt wird es gelingen, Deutschlands Geschicke der Zukunft zu meistern.... Wer nicht auf die Vorgesetzten blickt, sondern auf radikale Schreier, gleichgültig wo sie stehen, ist ein Schädling." Die volksparteiliche „Deutsche Allgemeine Zeitung" hat den Erlaß des Reichswehrministers anscheinend nur flüchtig gelesen und nur gesehen, daß er sich gegen die Kommunisten richtet. In der Glosse vom 9. März sind die Nationalsozialisten mit keinem Worte erwähnt. Diese Form der Betrachtung zeugt von einer zum mindesten nicht sehr Liefen Einsicht in Wesen und Ziele der Nationalsozialisten. Vielleicht aus dem Gesichtspunkt heraus, daß die Nationalsozialisten gelegentlich die direkte oder indirekte Stütze von sogenannten Bürgerblockkabinetten gewesen sind. Die „D. A. Z." befindet sich jedoch 'in einem schweren Irrtum, wenn sie glaubt, daß die Nationalsozialisten sich aus anderen als aus taktischen Erwägungen mit den „bürgerlichen Parteien" in eine Linie gestellt haben. Graf N e v e n t l o w, der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete, hat soeben erst durch die nationalsozialistische Prefsekorrespondenz einen Aufsatz, der in seiner Zeitschrift „Der Reichswart" erschienen war, verbreiten lassen, in denr er die letzten Ziele der Nationalsozialisten als ausgesprochen sozialrevolutionär hinsiellt. Die „D. A. Z." täte deswegen gut daran, die Beurteilung des Reichswehrministers über die Gefährlichkeit jedes Umsturzes, ob von den Kommunisten oder den Nationalsozialisten, zu teilen. Die Kreise, die politisch der „D. A. Z." nahestehen, sind, wenn wir uns nicht sehr irren, an einer friedlichen Entwicklung des deutschen Volkes ausnahmslos mteressiert. Letzten Endes ist es für Fensterscheiben und Maschinen und auch I!II!!!!!I!!I?!!IIII!I>II!!!!!!>I!I!!I!!!!!I!l!ll!?!!II!?I!!!I!!!I!IIi!!!Ii!II!!lIIIIH!!!!?II!!III!!!?II!!l!!H Aus dem Inhalt: Neue Friedhofsschändungen. S. 131. - Vas Agrarprogramm der Nationalsozialisten. S. 131. — Moritz A. Loeb und Vr. Eva Jungmann: Gemeindezionismus gegen C. V. S. 133. — Aufklärungsvorträge des Central-Vereins S. 134. Köpfe belanglos, ob sie von Links- oder Rechtsradikalen zerschlagen werden. Der Trennungsschnitt des Ministers auch nach radikal-rechts hin ist mit nicht zu übersehender Deutlichkeit vollzogen. Es wird Aufgabe der Führung sein, dafür zu sorgen, daß er nicht wieder zusammenwächst. Dann wird die Gewißheit dafür bestehen, daß katastrophale Umwälzungen wegen ihrer Aussichtslosigkeit dem deutschen Vaterlande erspart bleiben werden und daß, wegen der Zwecklosigkeit der „Bürgerkriegsübungen", auch die Straße und die Versammlung nach und nach von Blut und Wunden frei werden. hat Paffarge recht? Von Professor Dr. Friedrich Hertz (Wien). Der bekannte Geograph der Hamburger Universität, Professor Dr. Siegfried Passarge, dessen Aeußerungen über Judentum, Pazifismus usw. in der Öffentlichkeit schon öfters Erstaunen erregt haben, legt — wie bereits in „C. V.-Ztg." Nr. 97, Jahrgang 1929 angekündigt — einen Band von 460 Seiten vor, in dem er sich mit dem Problem des Judentums befaßt: „Das Judentum als landschaftskundlich-ethnologisches Problem", 1929, I. F. Lehmanns Verlag, München. Das Buch verdient in mancher Hinsicht eine nähere Würdigung, die ihm aber hier nur sehr bruchstückweise Zuteil werden kann. Ein außerordentlich großer Teil besteht nämlich aus geographischen, anthropologischen und ethnologischen Darlegungen, die mit dem angegebenen Problem nur in sehr entferntem Zusammenhang stehen. An diesem Ort müssen nur uns darauf beschränken, die Kerngedanken, von allem Beiwerk losgelöst, mitzuteilen und zu beurteilen. An vielen Stellen versichert der Verfasser seine absolute Objektivität. Er will nicht auklagen oder verurteilen, sondern erklären. Mau inuß ihm glauben, daß es ihm wirklich hierum zu tun war, und dieser gute Wille soll gewiß anerkannt werden. Ausreichend gelungen ist es ihm aber nicht. Man hat den Eindruck, daß der Verfasser bemüht war, tiefwurzelnde Vorurteile kritisch zu prüfen, daß diese aber häufig doch die Oberhand behielten, ohne daß ihm dies bewußt wurde. Er sagt übrigens in der Vorrede selbst, daß in seiner Auffassung des Judentums seit seiner Reise nach Palästina ein starker. Wandel eingetreten sei. Ihr Ergebnis war nämlich, daß das Judentum nicht als Rassenproblem angesehen werden kann, und diese Feststellung ist gerade von dieser Seite gewiß sehr bedeutungsvoll. Bevor wir aber die Stellung des Verfassers zum Judenproblem erörtern, sei noch ein Blick auf seine philosophischen und soziologischen Voraussetzungen geworfen, weil diese jene Stellung großenteils verständlich machen. Passarge bekennt

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