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Central-Verein-Zeitung · 1930-02-28 · 9 (28.2.1930) · p. Seite 105

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
9 (28.2.1930)
Date
1930-02-28
Page
Seite 105 (sequence 1)
Language
German
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«rein «ntrot vlätterfürüeutfektum und Judentum Serlin, 2S. Zebruar 19ZS IX. Jahrgang * Ar. 9 Einzelnummer 2S Pfennig Biertcliabrsabonnement 3,50 RM. (zuzllgl. Bestellgeld). Organ des teatral Vereinsörutfeke^. Ltaatsdüryer MdrfcNen ötauvens e.V. -^U^smsins 2sikunH des Dudentums Verlag und SchrifLleitung: Berlin SW 68, Lindenftr. 13. Amt Dönhoff 3394, 8595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube 0, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt - Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Moste, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JUi für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 JUi, die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 JUL NevafSwabir Von Dr. Georg Baum, N e ch t § a n )v a 11 u tt d Dozent an der H aub c l s h o ch s ch ll l e i u B e r l i ll. Synagogenbesudlungen in Spandau. Plauen,Hannover. Eine Entschließung unserer Spandauer Ortsgruppe. Mit der zunehmenden Arbeitslosigkeit, die von allen Berliner Bezirken in Spandau die höchste Zahl erreicht, wächst die „Tätigkeit der Piraten unserer Wirtschaftsnot. Nachdem Zäune und Eisenbahnübergänge systematisch mit Riesenaufschriften wie: „Des Juden Gut ist des Volkes Blut" in allen Teilen der Stadt beschmiert worden waren, ist auch die Spandauer Synagoge dem Tatendrang solcher verhetzten Menschen zum Opfer gefallen. Sie ist mit einer ätzenden Flüssigkeit beschmiert worden, lvie das Bild aus Seite 104 zeigt. Unser Ortsgruppenvorsitzender, Dr. Siegfried Bruno Bernstein, und unser Zweiter Vorsitzender, Julius S t e r n b e r g, der zugleich Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde ist, haben diesen Umtrieben energisch Einhalt Zu bieten versucht. Sie fanden bei Polizei und Eisenbahnbehörden tatkräftigste Unterstützung. Die Schmierfinken scheinen mit den üblen Burschen in Verbindung zu stehen, die auch in den anderen Teilen Berlins neuerdings ihr Unwesen treiben und M>!lH!!l>!!IIkHIII!II!I!!I!!'.!!!!!'!!!!!i!!IIIIIIlII!I!III!!!IIII!II!I!!I!I'!I!!IHII!!l!I!I!III!!?!!! >!!>!! Aus dem Inhalt: Dr. Ludwig Tietz und Dr. Ludwig Holländer: C.V.— Zionismus — Jewish Agency. 8.109, — Dr. Max Osborn: Rembrandt und die Juden. S 111. tüiünüüHHnüiiüiiiiiiüiiüniüiiniiiüiEiiüiiiiiiiiiHHiiiiHiiiiiiiinniüiininiHHHnniiii ganze Häuserreihen mit „Hitler-Hoheitszeichen" beschmieren. Jil einer Prote st versa ni m l u n g ll n s e r e r O r t s g r n p p e S P a n d a u anr 20. dieses Monats, in der Syndikus Artur S ch lv e r i n e r referierte, wurde einstimmig nachstehende Entschließung angenommen, die sämtlichen Bezirks- und Polizeiämtern Groß- Berliils zugegangen ist: „Die Ortsgruppe Spandau des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erbebt flammenden Protest gegen die Besudlung der Spandaner Synagoge sowie von Häusern, Zäunen und Eisenbahnübergängen der Stadt Spandau mit juidenfeindlichen Inschriften und Hakenkreuzen. Der neuerdings bekannt gewordene Fall der Beschmutzung der Synagoge Kottbuser User läßt darauf schließen, daß es sich um systematische Umtriebe judenfeindlicher Ele-» mente handelt. Die Ortsgruppe Spandau bittet die Bezirksämter und Polizeibehörden, auf dieses sckmndbare Treiben verhetzter Rohlinge ihr besonderes Augenmerk zu richten. Das Ansehen der Reichshauptftadt in den Augen der gesamten Kulturwelt steht letzten Endes auf dem Spiele." (Meldungen über Synagogenschändangen in Plauen und Hannover Seite 107). Die Wahl des Berufes, der erste Schritt, den der junge Mensch in das wirtschaftliche Leben tut, ist in einer Zeit, in der sich immer noch alles im Fluß befindet und die Entwicklung schwer Voraussagen läßt, für jeden ein schwerwiegender Entschluß. Besonders schwer ist aber hier die Entscheidung für den jungen Jude n beiderlei Geschlechts und seine Erzieher und Berater. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat schon seit fast anderthalb Jahrzehnten der Frage der Berufswahl der deutschen Juden sein besonderes Interesse zugewendet. Ursprünglich geschah dies während der Kriegszeit unter dem Gesichtspunkt der Berufsschichtung und Berufsumschichtung. Die Probleme, von denen man damals ausging, müssen nun freilich zurückgestellt werden, bis die Wirtschaftslage wieder klarer und fester geworden ist. Gegenwärtig kann es sich nur darum handeln, einige praktische Winke zu geben. Die Frage der Berufswahl der Juden in Deutschland ist naturgemäß nur eine Teilsrage aus den: deutschen Berufsw a h l p r o b l e m. Sie ist eine Frage der deutschen Wirtschaft. Die deutsche Wirtschaft steht aber vollkommen unter den Wirkungen des Versailler Friedeusvertrages und der zu seiner Durchführung geschlossenen Abkommen und ist auch darüber hinaus abhängig von der Lage der Weltwirtschaft. 'Unter den gegebenen Verhältnissen wird man aus Jahre hinaus mit einem U e b e r a n g e b o t von A r - beitskräften iit Deutschland und mit einer starken A r b e i t s l o s e n z i f f e r zu rechnen haben. Diese Verhältnisse treffen jeden, der seine Arbeitskraft auf dem deutschen Arbeitsmarkt anbietet. Sie treffen aber noch schärfer die Juden, die 51t einem gewissen Teil wegen besonderer Anforderungen, die sie aus religiösen Gründen an den Arbeitsplatz stellen, dann aber durchweg infolge der durch den Antisemitismus geschaffenen. Politisch auch auf die Wirtschaft Zurückwirkenden Verhältnisse gegenüber christlichen Mitbewerbern auf dem Stellenmarkt im Nachteil sind. Der erste allgemeine Ratschlag bei der Berufswahl muß also dahin gehen, die ganz besonders überfüllten Berufe zu meiden. Hieraus ergibt sich die nicht stark gen u g z il unters ch ä tz ende W a r n u n g vor dein akademischen S t u d i llm. Fast alle akademischen Berufe sind überfüllt i:nd bieten für den, der darauf angewiesen ist, sich in absehbarer Zeit durch seine Berufstätigkeit eine Lebensexistenz zu schaffen, feine Aussicht. Sowohl im ärztlichen Beruf lvie in den Berufen der I n g e n i e u r e ilnd Chemiker sind bereits von den Standesorganisationen eindringliche Warnungen erlassen. Völlig trostlos sind die Aussichten bei den I u r i st e n. Der vorübergehende Assessorenmangel, der infolge der Inanspruchnahme Zahlreicher Kräfte durch die Aufwertungsgesetzgebung in den Jahren 1925 bis 1927 eingetreten war, ist längst behoben. Die Festsetzung der Altersgrenze und der damit verbundene Abbau haben dazu geführt, daß die Juristenstellen bei Gerichten und Verlvaltungen mit jungen Kräften besetzt worden sind. Preußen hat jetzt jährlich gegenüber denc Assessorenabgang ungefähr den dreifachen Zugang. Die notwendigen Sparmaßnahmen, insbesondere die bereits dem Neichsrat vorliegende kleine Justiznovelle werden zu einer weiteren Einsparung von Nichterstellen führen. Auch die Anwaltschaft bietet für die im Staatsdienst nicht verwendbaren Kräfte kaum noch Aussichten. Sie befindet sich, nachdem sie in den Jahren 1924 lrnd 1925 zwei gute Jahre gehabt hat in unaufhaltsamem wirtschaftlichen Niedergang. Sie leidet schon jetzt an untragbarer Ueberfüllung, die durch den Zugang der schon jetzt vorhandenen int Staatsdienst nicht verwendbaren Assessoren in den nächsten Jahren eine noch weitere Steigerung erfahren wird. Wie soll da die Generation, die jetzt das Studium erst beginnt, also etwa erst in sieben Jahren die Zulassungsmöglichkeit als Anwalt erreicht, noch Platz finden? Auch das Tätigkeitsgebiet der Anwaltschaft wird mehr und mehr eingeengt, schon allein die Ausdehnung der Amtsgerichtszustündigkeit auf 1000 Mark, die die kleine Justiznovelle vorsieht, wird der Anwaltschaft wieder eine große Reihe von Maildaten entziehen. Auch für Anstellungen in der P r i v a t w i r t s ch a f t sind die Aussichten der jungen Juristen mehr als traurig. Die „Bankkarriere", die den glänzenden Zukunftstraum so vieler Rechtsstudenten bildet, sah für den, der die Verhältnisse näher kennt, schon niemals besonders einladend aus. Jetzt aber sind die zahlreichen „Syndici", die Handel und Industrie in der Nachkriegszeit ausgenommen haben.

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