Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 7 (14.2.1930)
- Date
- 1930-02-14
- Page
- Seite 73 (sequence 1)
- Language
- German
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eret» «rnrol Serlin, 14. Zebruar 1430 IX. Jahrgang '♦ Nr. 7 Einzelnummer 20 Pfennig Stätten für Oeutfetitum und Judentum Bierteljahrsabonnement 2,5V RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. ftube 6, Berlin 8W 68, Allenuge Anzeigenannahme: Annoneen-Cxpedition Rudolf Mosse. Norrnalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche Oryandes tentralVereinsdeutfeker^ Staatsbürger Möifcken Maudens e.v. Allgemeine Zeifung desDudenfums Amt Dönhoff 8594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 364 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel- Lindenstraße 7, und von Goldschmidt - Rothschild & Co., Berlin W 8. f Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JIM für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 JIM, die 62 nun breite Reklamezeile 3,50 JtM* Aum Möenken an Oscar heimann. Geboren am 29. Oktober 1867, gestorben am 7. Februar 1930. Noch nicht zweieinhalb Jahre sind vergangen, seit wir an dieser . Stelle unseres nunmehr in die Ewigkeit abberufenen Oscar Heimann aus Anlaß seines sechzigsten Geburtstages gedenken konnten. In voller Tatkraft stand er damals vor uns, und das deutsche Volk, insbesondere seine zur Heimat gewordene Stadt Berlin, aber ebenso die deutsche Judenheit glaubte noch viel von ihm erwarten zu dürfen und hätte ihm bestimmt noch viel, viel zu verdanken gehabt, wenn ihn nicht bald nach den frohen Tagen tückische Krankheit befallen hätte, der er nun allzu früh erlegen ist. Heimann war das Gegenteil eines Philisters. Er hatte in einem von Schaffensfreude gesegneten Leben bei aller Kleinarbeit nie den Blick für das Ganze verloren und eine geistige Großzügigkeit in sich herangebildet, die Staunen und Bewunderung erregen konnte und mußte. Liest man die Nachrufe, die ihm in den Tageszeitungen Industrie- und Handelskammer zu Berlin, der Vorstand der Berliner Messe- und Ausstellungsgesellschaft, der Verein Berliner Kausleute und Industrieller und viele andere kaufmännische und gemeinnützige Unternehmungen neben seiner großen eigenen Firma gewidmet haben, so sieht man die Vielseitigkeit des Mannes, der es aus winzigen Anfängen zur Größe gebracht hat. Er hat nicht nur gesprochen — und die Gabe der gepflegten Rede war ihm in hohem Maße eigen —, er hat gesehen und gehandelt. Und weil er mit der göttlichen Gabe eines scharfen durchdringenden Blickes und mit einer seltenen Freude an der Tat begnadet war, hat er nicht nur für seine deutsche Heimat, für die Stadt seiner Liebe mit sichtbarem Erfolg arbeiten können; nein, sein Blick ging tiefer, er sah ein, daß in ihm auch jüdische Wurzelhastigkeit lebte, er kannte Not und Sorgen seiner religiösen Gemeinschaft und folgte gern dem Rufe, den wir an ihn richteten, mit allen seinen guten Gaben tätig in den Kreis der deutschjüdischen Führer einzutreten und hier für Glaube und Heimat, für Recht und Ehre an sichtbarer Stelle mitzuarbeiten. In einer Zeit, wirtschaftlichen Niederganges und politischen Hochbetriebes, als wir nicht wußten, woher die Mittel für den uns so bitter nötigen Kamps für unser Sein und Werden anfbringen, übernahm er die Leitung unseres Verwaltungsausschusses und hat ein gut Teil unserer Sorgen zu tilgen verstanden. Die Hauptversammlung des Centralvereins erkannte bald, daß ihm neben diesem ungewöhnlichen Talent für organisatorische Aufgaben auch eine besondere Gabe eigen war: Einblick in politische und wirtschaftliche Möglichkeiten. So berief sie ihn an die Spitze des Centralvereins zum Stellvertreter des Vorsitzenden. Hier konnte er sich ganz entsalten und durch Jahre hindurch Leistungen vollbringen, die nur die zu würdigen verstehen, die den klugen, besonnenen und gerechten Mann bei der Arbeit beobachten konnten. Es lag viel Staatsmännisches nicht nur in Oscar Heimanns Gestalt, Antlitz und Rede, auch sein Streben nach Tat, Durchsetzung seiner Ideale hat die Arbeit mit ihm zum Genüsse gemacht. Jeder Kleinlichkeit abhold, jedem Bezirksvereinlertnin im Herzen gram, immer großzügig, Leistungen anderer dankbar anerkennend, war er bis zum letzten Tage der Unsere. Und er hat wie kaum ein anderer die Vereinigung von Deutschtum und Judentum in sich getragen; er hat die undankbare Last der Arbeit für uns deutsche Juden auf sich genommen, obwohl ihm an anderer Stelle mehr äußere Ehren gewinkt haben mögen, wie sie die ach so undankbare Leistung für unsere Gemeinschaft mit sich bringt. Immer schaffenSjreudig hat er da, ivo er Kritik übte, aufgebaut; niemals verneint, ohne neue Wege zu zeigen. Wir, die wir ihn kannten, wissen, daß Trauer um Unwiederbringliches nicht seine Art war. Vorwärts, war seine Losung, und wir danken ihm, wenn wir unverrückbar an seinen Zielen sesthalten. Das ist die große Mahnung, sein ewiges Erbteil an uns: Bleibet Deutsche und Juden, sehet froh in die Zukunft, seid großzügig und treu und liebet die Heimat und eure Nebenmenfchen. Ludwig Holländer