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Central-Verein-Zeitung · 1930-01-31 · 5 (31.1.1930) · p. Seite 49

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
5 (31.1.1930)
Date
1930-01-31
Page
Seite 49 (sequence 1)
Language
German
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Serlin, 31. Januar 1930 IX. Jahrgang ♦ Ar. 5 Cinzelnummer 20 Pfennig Rntrnl imi« Vlätter für öeutfrktum ««- Iu-enturn Bierteljahrsabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). '-ryan Oes teatral VeremsöeutfekexM ötaatsdüryerjüöiseden Naudens e.V. Allgemeine Zeifung des Dudentums Verlag und SchriftlerLung: Berlin 8W 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt - Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Masse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JloM für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 JUi, die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 JUL MM MldhMckiindUMi, in Mreußen und Zranken. Die Serie der Schändungen jüdischer Friedhöfe will kein Ende nehmen. Wir sind bereits in unserer Zählung bei den erschütternden Nummern 77 und 78 angelangt und immer noch müssen wir fürchten, daß bei der ständig wachsenden Aufhetzung in unserer Bevölkerung die Reihe nicht abreißt. Denn wenn auch, wie in dem Fall 77, nicht nachgewiesen ist, daß der Täter einer völkischen Partei angehört, so bleibt doch der Vorwurf gegen Nationalsozialisten und deren völkische Freunde bestehen: daß sie durch ihre Propagandamethoden die Atmosphäre schaffen, aus der solche Untaten immer wieder geboren werden. Nr.77. JnPreußifch-Holland, einem kleinen Städtchen Ostpreußens, wird aus der Leichenhalle des jüdischen Friedhofes ein Leichentuch entwendet und verbrannt. Acht Tage später dringt derselbe Täter nachts aus dem Friedhof ein, stürzt dort fünf Grabsteine um und zerschlägt einen Teil von ihnen mit dem Hammer. Die Polizei nimmt als Täter den siebzehnjährigen arbeitsscheuen Walter W e r u e r fest, der der ganzen Stadt als Unhold bekannt ist. Der Bursche behauptet, von keiner Seite zu dieser Tat aufgestachelt worden zu sein. Nr. 7 8. Am 21. Januar werden auf dem israelitischen Friedhof Georgerlsgmünd bei Nürnberg Grabsteine umgeworfen, beschädigt und beschmutzt. Ein Polizeihund nimmt die Spur der Täter auf, verliert sie aber wieder, und so konnten sie bisher noch nicht festgenommen werden. Die n a t i o n a l s o z i a l i st i - s ch e Ortsgruppe Georgensgmünd hat hundert Mark Belohnung für die Auffindung des Täters ausgefetzt. Sie will damit offenbar deutlich von der Tat und dem Täter abrücken. Sie hat das um so mehr nötig, als Georgensgmünd einer der Orte ist, wo die nationalsozialistische Bewegung stark agitiert unb der „Stürmer" viel gelesen wird. Hoffentlich wird hier die Auffindung des Täters die Schuldfrage klären. Was sagt die baymsche Regierung dm? ~ ' ' ■ * in Kobmg! Der seit kurzem in Koburg als Intendant des dortigen Theaters tätige, von der Kunstwelt bisher mit einem „Namen" noch nicht ausgezeichnete Herr Hans E r d m a n n von K u tz s ch e n b a ch hat, wie von dort berichtet wird, die Theateragenturen daraufhingewiesen, sie möchten ihm nur Schauspieler deutscher Staatsangehörigkeit christlicher Konfession in Vorschlag bringen. „Nur deutsche Staatsangehörige", das würde also den Ausschluß auch derjenigen Bühnenkünstler bedeuten, die in Deutsch- Oesterreich geboren sind. Nun war dieses Land von jeher Ursprungs- und Entwicklungsstätte für Schauspieler und Sänger. Ueberaus viele, man könnte sagen, fast alle Künstler von großem Format, sind in diesem südlichen Bezirk des deutschen Sprachgebietes geboren, sie zählen zu den „Unsterblichen" der dramatischen Kunst. Die andere Einschränkung ist noch dümmer und aufreizender. Einen Künstler nach seiner Konfession zu fragen, heißt, nicht nach seiner Kunst zu frage n. Ihn mißachten, weil er als Jude zur Welt gekommen ist, heißt in den Theaterbetrieb Gesichtspunkte einführen, die ihn nur stören können und seiner Bedeutung und Würde entkleiden. Herr Hans Erdmann von Kützschenbach scheint sich ein „Ensemble" als ein antisemitisches Kränz ch e n vorzustellen. Er ist offenbar der Meinung, daß die Koburger, soweit sie ihm folgen, das Theater gern für eine nationalsozialistische D em o n st ra ti o n sv e r sa m mlu n g ans eh en werden. Er wird ja konsequent sein und seine „Rassentreue" auch darin äußern, daß er kein Werk eines jüdischen Autors oder Komponisten spielen wird; in einer Zeit, in der alle Bühnen über Stückenot klagen, ein mehr als kühnes Unterfangen. Dieser wagemutige Kunstgönner steht offenbar unter dem Druck der lokalen nationalsozialistischen Mehrheit, die Sie finden: Schächtverbot in Bayern. S. 50. — Oskar Hirschfeld (Wien): Der Fall Halsmann, S. 52. — Lise Leibholz: Zehn Jahre Landesverband Rheinland des C. V. 3. 53. — Dr. Eva Jungmann: Schnitzlers „Professor Bernhardi“. 3. 55. auch das Theater „reinigen" will, mit dem leicht vorauszusehenden Effekt, daß es seiner Zerstör u n g entgegengeht. Aber man muß feststellen, daß die Koburger Bühne der Stadt und ihren derzeitigen Meistern nicht gehört. Sie ist ein L a n d e s t h e a t e r. Im „Bühnenalmanach" ist den Tatsachen gemäß verzeichnet: „Eigentümer: der Freistaat Bayern." Wie denkt man in M ü n ch e n darüber? Wie im Kreise der Parteien, die den Nationalsozialisten nicht gerade freundschaftliche Empfindungen entgegenbringen und sich eher der Förderung derer erfreuen, die den Mannen um Hitler ein dicker Dorn um Auge sind? Und noch eine andere Frage: ist es nicht Pflicht der großen Bühnenorgali i f a t i o n c n , des Deutschen Bühuenvereins und der Genossenschaft deutscher Bühnenangehörigen, nachzuprüfen, ob diese brutale Maßnahme des Koburger Prinzipals dein neutralen Geist entspricht, der in diesen Körperschaften herrschen soll und bisher geherrscht hat? Fritz Engel. besuch in Gnoien. Von Dr. Alfred Wiener. Die trutzige Backsteinkirche Rostocks, der geräumige Markt mit den Giebelhäusern aus der Hansezeit, die Reste der Stadtbefestigung, ans deren Wällen jetzt die Spaziergänger sich tummeln, liegen hinter uns. An einem Jauuartage, den d.ie Mittagswarme einer Frühlingssonne bestrahlt, durchfahren wir das flache, fruchtbare Mecklenburger Land. Felder und Wiesen zur Rechten und Linken: jetzt ein kleines Dörfchen, behaglich am Straßenrande, dann hinten, ein wenig versteckt, ein Gutshaus. Neben den alten, von Wind und Wetter mitgenommenen Häusern der Kleinstädte noch färben frische, neue Bauernhäuser und Arbeitersiedlungen. Das beruhigende Gefühl steigt auf: Trotz aller Lasten und Leiden, die das deutsche Vaterland zu tragen hat, trotz der unsäglich schweren Nachkriegsjahre — ist die Energie znm Wiederaufbau, zum Aufstieg nicht

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