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Central-Verein-Zeitung · 1930-01-24 · 4 (24.1.1930) · p. Seite 44

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
4 (24.1.1930)
Date
1930-01-24
Page
Seite 44 (sequence 8)
Language
German
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44 Bühne erworben Ijat? Und was vollends M a x Reinhardt hier der Bühne gab!! Eine weitere Stärkung und Bereicherung brachten — nach verschiedenen Richtungen hin — Zwei jüdische Bühnmbegri'mder im September 1888 unserer szenischen Kunst. Oskar Blumenthal erbaute und eröfsnete das „Lessing-Theater" als ein „Theater der Lebenden". Ein Heim der zeitgenössischen Dramatiker, ein Tummelplatz für die frischen und jungen dichterischen Kräfte sollte es werden. Mali kann verschiedener Meinung.darüber sein, inwielveit Blumenthal selbst diesem seinem Programm gerecht geworden war, aber jedenfalls bot das „Lessing-Theater" der unter der Führung Otto Brahms gegründeten „Freien Bühne" 1889 und 1890 ihr erstes Heim, in dem Gerhart Hauptmann das Rarnpenlicht der Bühnenwelt erblickte und in dem Ibsen das Bürgerrecht im Deutschell Bühnenvereiu gelvann. Von anderer imb nicht zu unterschätzender Bedeutung lvar die Schöpfung Barnays. Er baute das alte „Walhalla-Theater", ursprünglich Zirkus, dann Spezialikätentheater, von 1883 bis 1888 Operettenbühne, zum „Berliner Theater" nur und eröfsnete es mit einem Programm, das die soziale Aera der Bühnenkunst in Berlin einleitete. Es galt die Gewinnung des Theaters für die großen Massen und der großen Massen für das Theater. Weiten Kreisen, vonr Kleinbürgertum bis in die Arbeiterschaft hinein, war das Theater vordem eben nur eiri Wort, mit dem sie keinen rechten Begriff verbanden. Der Theaterbesuch war ihnen zu teuer, das Theater bemühte sich auch gar nicht um diese Bolkselemente. Es kannte nur die sogenannte „Gesellschaft" unb den wohlhabenden, gebildeten Mittelstand als seine Gemeinde. Barnay lud in sein großes Haus auch den ticincn Mmm, der im zweiten und dritten Rang für wenige Groschen, im vordersten Parkett für drei Mark, klassische Äufführirngen von Wert, berühmte Darsteller: Sonnenthal, Barnay. Mitterwurzer. Clara Ziegler, Hedwig Rieumun-Raabe, Aglies Sorma, Sonunerstorffs sehen konnte. Auch die Sonnkaguachmittags-Borstellungen, der heranreisendeu Jugend und den weiteren Volkskreisen gewidmet, hat Barnay in Berlin zuerst einaeführt. Einen weit wichtigeren Fortschritt zur ^Gewinnung unseres Theaters für die breiten Masten bildete die Begründung des „Schiller-Theaters" zu Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Dr. Raphael L ö w e n f e l b" den wir auch den Vater unseres Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nennen dürfen — seine Kampfschrift bildete den Anstoß, und eine von ihm einberufene Versammlung gab das Zeichen zur Begründung unseres E. V. — Dr. Löwenfeld also hatte erst einen Volksbühnenverein ins Leben gerufen und dann, als dessen Geschäftsführer, die Pachtung des „WaÜner-Theaters" und die Schaffung des „Schiller-Theaters" ermöglicht. Ein klugerdachtes Abonnementssystem führte der Bühne einen so starken Zuzug bis dahin theaterfremder Elemente zu, daß Löwenseld bald noch ein zweites Haus, das „Friedrich-Wilhelmstädtische Theater", dem ersten „Schiller-Theater" angliedern konnte. Für Löwenseld baute die Stadt Charlottenburg das geräumige, im Stil seinem Zweck geschmackvoll angepaßte „Schiller- Theater", das Max Pa t egg nach "Löwenfelds Heimgang treu im Sinne des Schöpfers leiten konnte — bis zur Uebernahme des Hauses durch das Staatstheater. Die letzte und bedeutsamste Eta-ppe auf dem Wege zur geistigen Mastenverpflegung bildete, anfangs der neunziger Jahre, die Schaffung der „Freietl Volksbühne", dann der „Neuen freien Volksbühne", die unserer Arbeiterschaft vollends den Mitbesitz an der Bühnenknnst sicherte. Ursprünglich nur auf gemietete Theater und auf Sountagnachmittags-Borstelluugen angewiesen, vermochte die Arbeiterschaft Berlins durch emsige Sammeltätigkeit sich ein eigenes Theater, eines der größten und schönsten der Reichshauptstadt, zu schaffen, das ganz ihren Bedürfnissen und Zwecken dient. Ein seitdem mit der Berliner Theatereutwicklung eng verbundenes Bühnenhaus hatte M a x L ö w e n f e l d , ehedem ein aus den Berliner Börsenkreisen jäh auf die Bühne geratener, begabter Schauspieler, ins Leben gerufen — das „Neue Theater", jetzt „Komödienhaus" am Schifsbauerdarnm, das inzwischen mehrfach Namen und Zweck gewechselt hat. Professor Eugen Robert beschenkte Berlin mit dem „Hebbel-Theater", jetzt „Theater in der Königgrützer Straße", dein wir. nun auch unter der Leitung von Direktor Barnowsky. so viele denkwürdige Aufführungen verdanken. Professor Robert selbst hat seiner lebensvollen Jnszeuieruugskunst in der „Tribüne" ein Heim geschaffen. Max R e i n h a r d t vollends hat die Reichshauptstadt gleich um vier Theater von ausgeprägtcur Charakter bereichert: Um das „Kleine Theater", Unter den Linden, ursprünglich „Schall und Rauch", die erste Kleinkunstbühne von höherem Kabarettstil, dann uru die „ K a m in e r s P i e l e ", um das „Große Schauspielhaus" im ehemaligen „Zirkus Schumann", und die „Komödie", am Kurfürsteudauun. Wenn übrigens von jüdischen Bühnenleitern die Rede ist, dürfen wir Emil Claar, der später, als Intendant des Frankfurter Stadttheaters, die beiden neuen Bühnenhäuser dort eingeweiht und In ihnen eine künstlerische Glanzzeit heraufgeführt hat, und Siegmund L a u t e n b u r g nicht vergessen. Beide haben dem „Residenztheater" seine Eigenart ausgeprägt, haben viel wertvolle Bühnenwerke und eine Reihe bedeutender .Künstler nach Berlin gebracht. Beide haben aber auch u. a. Henrik Ibsen in Berlin heimisch gemacht. Claar brachte zuerst „Nora" — freilich mit dem berühmten „guten Schluß" —_ und Lautenbnrg die „Wildente". Zwischendurch hatte Anton Anno — diesnral kein jüdischer Bühnenleiter — dort die noch verbotenen „Gespenster" vor einer geladenen Gesellschaft in einer Sonntagsmatinee ansgeführt. Wie mancherlei Anregungen haben aber auch die erfindungsreichen Direktoren Meinhard und der eben fünfzigjährige Bern au er uns in drei Theatern, dem Berliner, Königgrützer- und Nollendorfplatz-Theater geboten! Kann und soll die Liste der jüdischen Bühnenleiter aber auch nicht vollständig sein, so mag doch schließlich der „alte Engel" noch erwähnt sein, der uns durch Jahrzehnte in seinem „Krollschen Theater" eine zweite Oper gab, und der uns alle Weltberühmtheiten der Oper, die Patti, Sembrich, Wachtel, die Größen der italienischen Oper vorsührte. Eine Sängerin hat sogar aus der Krollschen Bühne ihre Berühmtheit gleichsam über Nacht errungen: Etelka Gerster. Auch Jacques Osfenbach und seine Gesellschaft der „Bouffes-Parisiens" hat Engel zu Gastspielen nach Berlin gebracht. Wieviel jüdische Bühnendichter, jüdische Regisseure und Darsteller zum Aufstieg und zur Weltgeltung unserer deutschen Bühne beigetragen haben, ist ja in weiten Kreisen bekannt. £ Italienische \ \ Riviera / San Remo Das Land der ewigen Sonne STADT-CASINO mit staatlicher Konzession Roulette Trente et Quarante Baccara Theater - Lyrische Opern - Operetten - Schauspiele Revuen - Klassische Konzerte - Tanz - Kabarett LUXUS-RESTAURANT Direkte Reichsbahnwagen von allen Hauptstädten Kältere Auskunft erteilt die Casino-Leitung Zeitgemässe Kapitalsanlage! Anbiete folgende Gemälde* bei denen Sie unter Garantie Gewinne erzielen: Liebermami — Sleiogt — Zügel — Spitz weg — Hilde — Wenglem — T. v, Stadler — €1. v. Marr u. a. —Impressionisten bester Provenienz.— Ferner Museums werlte des 17. und 18. Jatirlmnderts. Galerie Ernst Ricker Ge^5det Olm a. d. D. 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