Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 2 (10.1.1930)
- Date
- 1930-01-10
- Page
- Seite 13 (sequence 1)
- Language
- German
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«rein «nfrol Serlin, 10. Januar 1030 IX. Jahrgang ♦ Nr» 2 tinjelmimmcr 2» Pfennig glätter für Oeutsektum und Judentum Bierleliahrsa-onnemeut 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 18. stube G, Berlin SW 68, Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Mvffe. Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche Oryan Oes tentralVerrmsöeutfekexp, Etaatsdüryer MOifeNen Nanvens e.v. ^.Utzsmeins 2eiwntz cisL ^llösnturns Amt Dönhoff 8594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel- Lindenstraße 7, und von Goldschnridt - Rothschild & Co., Berlin W 8. ' _ ,r AOJ . Tecm , Berlin 8W 160, und-deren Filialen. Anzeigenpreise: O,W JIM kür die 7gespaltene Zerle nach Rudolf Mosfes (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 6,45 Jl<k, die 62 mm breite Reklamezerle 3,50 MJL Rechtsradikale Welle. Der Nationalbolschewismus erwacht wieder. - Zreischar Schill. — Vas »junge Voll*. - Zür nationale Räteregierung. — Republikanische Gruppen, seid wachsam! Vor einiger Zeit erschien im „Tagebuch" ein Aussatz des bekannten nationalrsttschen Führers Ernst Jünger, der dort auf eine Aufforderung der Schriftleitung hin seine Gedanken über den Nationalismus klarzulegen versuchte. Dieser Aufsatz hat im nationalen Lager recht erhebliche Unruhe ausgelöst, und es ist sehr instruktiv, zu beobachten, wie man auf Jüngers Auslassungen reagierte. Jünger hate sich bekanntlich zum Anwalt eines revolutionären Nationalismus gemacht, im Gegensatz zum „Nationalismus" (in Anführungsstrichen) der nationalen Rechten, die er als bürgerlich von Grund auf ablehut. Sein Artikel im „Tagebuch" hat ihm denn auch allenthalben Vorwürfe eingebracht, insbesondere in der nationalen Parteipresse. Es ist nämlich im letzten Jahre immer schärfer bei den parteifreien aktivistischen Gruppen die Tendenz Zu verfolgen gewesen, sich in einen möglichst scharfen Gegensatz Zu den bürgerlichen Kreisen zu bringen; man suchte lebendige Ouerverbrndungen durch alle unzufriedenen Lager herzustellen, vom „Landvolk" zu den linken Nationalsozialisten, von den Kreisen um I ü u g c r und die bisher als nationalsozialistisch geltende Freischar Schill Zu den Nationalb o l s ch e w i st e n, die sich seit einiger Zeit der Zeitschrift „Das Junge Volk" bemächtigten. Es ist schwierig, in diesem brodelnden Gewirr verschiedenartigster Gruppen und Ideen eine klare Linie aufzuzeigen, die auch nur annähernd als positiv-programmatisch gelten könnte. Denn den Gruppen der äußersten Rechterr wohnen Gedankengänge inne, die sie unwiderstehlich mit Kräften der äußersten Linken zusammensühren und — das ist das Gefährliche an ihnen —. nach dem Willen gewisser Führer auch zusammenbringen s o l - len! Mit einiger Ueberraschung konnte man kürzlich im Novemberheft „Junges Volk", da8 unter der Schriftleitung des nationalistischen Studenten Karl O. P a e t e l sich immer mehr zum nationalbolschewistischen Organ entwickelt hat, den alten Hamburger Kommunistenführer Fritz W o l f s h e i m auftauchen sehen, der dort über „Anfang oder Ende der deutschen Revolution" schrieb. Fritz W o l f f h e i m ist Jude und war bis 1923 Zusammen mit Dr. Lause n b e r g Führer der nationalbolschewistischen Bewegung, die dann an ihrer illusionären Zielsetzung und den durchgreifenden Maßnahmen der Regierung zerbrach. Typisch für die Menschen, die diese Bewegung trugen, ist die Art, in welcher der Revolutionär Wolffheim dem Kaiser Wilhelm II., den Offizieren der Monarchie und der „Zucht des preußischen Heeres" einige Blumen streut; dieser kleine Hinweis genügt wohl, um anzudeuten, aus welch heterogenen Elementen sich die Ideologie dieser Männer formt. Bildet das „Junge Volk" sozusagen das offizielle Organ, in dem sich junge Nationalisten und Nationalbolschewisten zusammenfinden, so hat man in der bündischen Wochenzeitung „Die Kommenden" eine Art von Uebergangsorgan in der Hand für weiteste Kreise der nationalen Jugend. Diese von Wilhelm Kotz de gegründete Zeitschrift — er ist inzwischen längst ausgeschifft — wird vom neuen Jahre ab herausgegeben von Ernst Jünger und Werner Laß, dem Führer der Freischar Schill, und als Schriftleiter zeichnen Karl O. Paetel und Hans-Gerd Techow. Mecklenvurger Tagung des O. Die Arbeit des Natimmlsozialismus. Schon seit langem ist der Freistaat Mecklenburg das Ziel einer umfassenden nationalsozialistischen Ag i ta t ion. Diese konnte um so eher dort Fuß fassen, als die'deutschvölkische Freiheitsbewegung bald nach Kriegsende dank -der besonderen Beziehungen ihres Führers, des bekannten Rittergutsbesitzers von G räse-Goldebee, in Mecklenburg national-chauvinistischen Ideen den Boden bereitet hatte. Heute ist die Bedeutung der Deutschvölkischen Freiheitspartei in ihrem früheren Hauptsitz sehr gering geworden. Die Nationalsozialisten haben die Erbschaft angetreten und verstehen sie durch ihre rücksichtslose Agitation in ihrem Sinne auszubauen. Wie immer, wendet sich der nationalsozialistische Zorn gegen die Juden, die in den kleinen Städten, dünn gesät, ihren: Terror eine willkommene Veranlassung sind, nationalen „Heldenmut" zu beweisen. Besonders trübe liegen die Verhältnisse in G n o i e n und N e u b u k o w. Nachdem der Centralverein in letzter Zeit wiederholt Aussprachen mit einzelnen seiner Mecklenburger AUS DEM INHALT: Ludwig Holländer: Die nationalsozialistischen „Briefe an die deutsche Frau“. — Professor Dr. Paul Hildebrandt: Eltern, Lehrer, Schulbehörden, kämpft gegen die Hakenkreuzpropaganda! — Dr. H. Stern: Zu Robert Michels „Patriotismus“. — Selma Stern (Heidelberg): „Jud Süss“. liiimiuiiinuiiiiiiiiHniniiiuiiiiiinuniiiiuuiutüiiutuiinuniiimiiiimiiiuiiiiiiiiuniiu Freunde gehabt hat, hatte er nunmehr dr r Vertrauensmänner des Vereins in Mecklenburg z u einer besonderen Tagung am letzten Sonntag nach Rostock eingeladen. Die Einladung war vom Landesverband Nordwestdeutschland des C. V,, mit dem Sitz in Hamburg, ausgegangen. Die Tagung war stark besucht. Eine Anzahl unserer Freunde aus Rostock war erschienen. Aber ebenso waren die Vertreter anderer mecklenburgischer- Städte anwesend, so aus N ö b e l, N e u - bulow, Bad Lüben, Malchin, Parchim, Gnvien, Dargun, Schwerin. Der Hamburger Landesverband wurde durch sein Vorstandsmitglied Kurt Nathan und Frau Annre Bauer, die Zentrale in Berlin durch den Syndikus Dr. Alfred Wiener vertreten. Nach einem Berichte von Dr. Alfred Wiener über die politische Lage und unsere Aufklürungstätigkeit, von Kurt Nathan über Boykott- und Wirtschaftsfragen, machten verschiedene Vertreter aus Mecklenburg, an der Spitze der Leiter der Versammlung, Rechtsanwalt Dr. Gold staub (Rostock) eingehende Mitteilungen über die Zustände. Ueberall wurde ein starkes Anwachsen des Nationalsozialismus und eine rege Propagandatätigkeit festgestellt. Jede Woche finden Versammlungen statt. Eine zügellose „revolutionäre" Sprache in den verschiedenen Versammlungen und in dem mecklenburgischen Organ der Nationalsozialisten, dem „Niederdeutschen Beobachter", ist das Bezeichnende. Im Anschluß an die Berichte wurde eine Reihe von ..wertvollen Ratschlägen und Maßnahmen über die C.V.-Arbeit in Mecklenburg durchgesprochen, so daß die Tagung sich sicher in eine energische Arbeit für Mecklenburg Umsetzen wird. Allseitig wurde dem Centralverein für diese Sondertagung, der später eine neue folgen soll, gedankt. Am Abend fand in Rostock eine Gemeindeversammlung statt, in der Dr. Wiener über den „Aufstieg des Nationalsozialismus" ausführlich berichtete und Kurt Nathan (Hamburg) Wirtschaftslagen behandelte. Die Versammlung wies einen Besuch auf, der bisher in Rostock noch nie erreicht worden ist.