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Central-Verein-Zeitung · 1930-01-03 · 1 (3.1.1930) · p. Seite 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
1 (3.1.1930)
Date
1930-01-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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neues Material über die Judenfrage zugeleitet werden konnte. Da die Schächtfrage immer wieder, nicht zuletzt infolge nationalsozialistischer Agitation, die Gemüter bewegte, fo hat der Philo-Verlag eine Schrift von Dr. I. Levy „Die Schüchtsrage" herausgegeben, die wir nach Möglichkeit zu verbreiten suchten. Immer und immer wieder spielen Talmud und Schulchan Aruch in der nationalsozialistischen Presse und in den Versammlungen der Nationalsozialisten eine Nolle. Der große Nürnberger Talmudprozeß, über den ausführlich in diesen Blättern berichtet worden ist, hat manchem unserer Freunde, der vielleicht geneigt war, dre Dinge allzu leicht zu nehmen, gezeigt, worauf die Nationalsozialisten lossteuern. Es war unsere Pflicht, im Zusammenhang mit dem Nürnberger Prozeß alles Erlaubte zu tun, was unserer Sache zu einem guten Ausgang verhelfen mußte. Erfreulicherweise haben die Gefängnisstrafen, die gegen Streicher und Holz in Nürnberg verhängt wurden, gezeigt, daß Laienrichter wie beamtete Richter auch in Bayern nicht gewillt sind, die jüdische Religionsgemeinschaft ungestraft beschimpfen und sie mit Mord, den ihr Ritus angeblich fordert, in Zusammenhang bringen zu lassen. Es war besonders erfreulich, daß gerade zur rechten Zeit der bekannte Kenner des nachbiblischen Judentums, Privatdozent D. F i eb i g, in Leipzig im Verlag Eduard Pfeiffer die Schrift „Der Talmrrd" hat erscheinen lassen, die wissenschaftlich völlig einwandfrei die Entstehung, Zusammensetzung und Bedeutung des Talmuds vorführt. Wir haben es als unsere Pflicht betrachtet, für die Verbreitung dieses wichtigen Werkes nach Kräften einzutreten-. Dies war um so notwendiger, als in den letztes Monaten aus der Feder des völkischen sachverständigen Dr. Erich Bischofs in Leipzig zwei Schriften „Das Buch vom Schulchan Aruch" und „Das Blut im jüdischen Schrifttum und Brauch" erschienen, die durch ihren wissenschaftlichen Anstrich geeignet sind, den Leser gefährlich zu verwirren. Sachverständige Freunde haben auf unsere Anregung diese Schriften bereits einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Wir hoffen, unseren Freunden und auch der Oeffentlichkeit alsbald entsprechendes Material darüber vorlegen zu können. Aus der bewährten Feder unseres Hauptvorstandsmitgliedes, des Rabbiners Dr. B. Jacob (Dortmund) stammt das soeben der wiffenschaftlichen und gebildeten Welt übergebene Werk „Auge um Auge". Jacob untersucht in gründlichen Forschungen das sogenannte Vergeltungsprinzip, das ju8 talloniZ des Judentums, und führt das Prinzip mittels philologischer, und historischer Tatsachen auf das richtige Maß zurück. Der Kundige ist sich darüber klar, wie wichtig die Herstellung solcher Werke ist, die nicht nur der Tagesarbeit dienen. Gerade die wissenschaftlich forschenden nichtjüdischen Volksgenossen müssen stets Werke vorfinden, die sie über wesentliche Grundfragen des Judentums einwandfrei unterrichten. Wir bemühen uns, planmäßig solche Werke zu schaffen. Es sei nur an das groß angelegte Werk des Rabbiners Dr. Michael G u t t m a n n in Breslau „Das Judentum und seine Umwelt", häs ebenfalls im Philo-Verlag erschienen ist, erinnert. Zum Mendelssohn-Jubiläum erschienen in unserem Philo-Verlage zwei Schriften, ein Volksbuch von Jakob Seifensieder in Nürnberg, „Moses Mendelssohn, das Märchen seines Lebens", und eine Sammlung wissenschaftlicher Aufsätze, die der besonderen Fachkenntnis des Rabbiners Dr. Max F r e Urbenthal in Nürnberg entstammen: „Zum 200jährigen Geburtstag Moses Mendelssohns." Der Philo-Verlag brachte auch die interessante Bekenntnisfchrift des franzöfischen Literaten Edmond F l e g: „Warum ich Jude bin" heraus und eine wissenschaftliche Abhandlung von Rabbiner Dr. S i l b e r st e i n (Rostock): „Familiennamen der Juden unter besonderer Berücksichtigung der gesetzlichen Festlegung in Mecklenburg." Mit dieser Aufzählung ist die Tätigkeit der Zentrale im Dienste der Aufklärung und Abwehr keineswegs erschöpft. Täglich sind Widerlegungsartikel, besonders für die Presse der Mittel- und Kleinstädte, zu schreiben. Täglich sind auf Anfragen zahlreiche Aufklärungen über neu erschienene judenseindliche Bücher, über in der völkischen Bewegung hervortretende Persönlichkeiten, über die Haltung dieses Jugendverbandes, jenes Sportvereins, jener kaufmännischen Vereinigung, jenes Automobilklubs zu geben. Täglich strömt aus dem ganzen Lande neues Material herein, das gesichtet und bearbeitet werden muß. Täglich muß die große Zahl völkischer Zeitungen und Wochenblätter daraufhin geprüft werden, ob ein Einschreiten, eine Aufklärung, erforderlich ist. Neuerscheinungen auf literarischem, auf wissenschaftlichem, auf philosophischem, auf künstlerischem Gebiet, aus dem Gebiete der Rassenforschung, selbst wenn sie äußerlich gar nichts mit Juden und Judentum zu tun zu haben scheinen, müssen sorgfältig gelesen und auf ihre Verwendungsmöglichkeiten in unserem Kampfe durchforscht werden. II. Aufklärung durch das Wort. Neben der Aufklärung durch die Schrift ging eine großzügige Aufklärung durch das Wort einher. Eine Reihe öffentlicher Versammlungen, so in Offenburg, in Frankfurt, in Hildesheim, in N o r d h a u s e n fanden statt. Die Versammlungen waren durchgängig überfüllt. Meist waren Gegner erschienen, die in der Aussprache mit geringem Erfolg ihre Sache vertraten. Immer wieder ist auf die Nützlichkeit der Aufklärungsversammlungen vor geladenen nichtjüdischen Gästen hinzuweisen. Alle hier aufzu-- führen, die in den Berichtsmonaten stattfanden, ist unmöglich. Im Osten und im Westen des Reiches, im Norden und im Süden veranstalteten wir gemeinsam mit unseren Landesverbünden Ausklärungsversammlungen solcher Art. Mehr als bisher wurde in letzter Zeit auf die Berichterstattung der Presse über solche Versammlungen Wert gelegt. Noch in der Nacht nach der Versammlung, spätestens am folgenden Tage, versendet unser Pressedienst an alle in Frage kommenden lokalen Zeitungen und die Presse der Umgebung Berichte über die betr. Veranstaltung. Die große Presse hat von verschiedenen Veranstaltungen durch Sonderberichterstatter Notiz genommen. So konnten wir fast jedesmal feststellen, daß nicht nur die Ortszeitungen, sondern ein großer Teil auswärtiger Zeitungen eingehende Berichte über die Veranstaltungen brachte. So wurde erreicht, daß Zehntausende deutscher Volksgenossen, die nicht bei den Versammlungen zugegen waren, durch die Presse von dem wesentlichen Inhalt der Veranstaltungen Kenntnis erhielten. Wir bedauern nur, daß diese Veranstaltungen nicht überall da, wo der Nationalsozialismus sein Haupt erhebt, stattfinden. Gerade die ruhige und sachliche Art unserer Redner ist vorzüglich imstande. gutwillige Mitbürger über das wahre Gesicht des Judentums auszuklären. Es kann nicht das Ziel dieser Versammlungen sein, fanatische Völkische oder Nationalsozialisten, die nicht belehrt sein wollen, zu bekehren; es kommt darauf an, diejenigen Schichten unserer Mitbürger, die keine wirkliche Kenntnis von den Dingen haben, aufzuklären, damit sie nicht der nationalsozialistischen Agitation ins Garn gehen. Deshalb sollte jede Ortsgruppe prüfen, ob es nicht in ihrem Bereiche angezeigt wäre, SCHOKOLADEN UND | ERFRISCHUNGSWAFFELN ZARTE BISKUITS lEIBNIZ- Keks Enthält nur feinste Molkereibutter SCHOKOLADEN UND | Ausklärungsversammlungen solcher Art zu veranstalten. Unsere Erfahrungen belehren uns immer wieder, wie fruchtbringend diese Versammlungen sind, wie sie, wenn sie genügend und richtig vorbereitet sind, nur Segen stiften können. Um unseren Vertrauensleuten die nötigen Fingerzeige zu geben, haben wir eine Broschüre „Schafft Aufklärung" zur Weitergabe an unsere Mitarbeiter hergestellt, die aus unseren ausgebreiteten Erfahrungen die erforderlichen Ratschläge für eine sachgemäße Vorbereitung, die allein ein gutes Gelingen der Veranstaltung sicherstellt, übermittelt. Von Veranstaltungen dieser Art feien hier nur die Vorträge hervorgehoben, die unser Mitarbeiter Prediger G o l d m a n n (Herford) gemeinsam mit dem leitenden Beamten unseres Landesverbandes Ostpreußen in Braunsberg, Insterburg, Ortelsburg und Lötzen gehalten hat. - Die Berichte unseres Landesverbandes, die Belege ans der Presse erweisen unumstößlich, welchen Nutzen diese Veranstaltungen in einem von völkischer Seite stark bearbeiteten Gebiet hervorgerufen haben. Aus allen diesen Ausführungen ergibt sich das eine: .Keine großen Worte, nur emsige und gewissenhafte Kleinarbeit führt zum Ziele. Leider sind viele Ortsgruppen noch nicht von der Richtigkeit und Wichtigkeit dieser Tatsache durchdrungen. Manche Vorsitzenden versäumen es, regelmäßig ihre Vorstände über die Lage und über die schwebenden Fragen zu unterrichten, mit ihnen gemeinsam ein Mindestprogramm der Aufklärung für das Jahr aufzustellen. Zur Belebung und zur Anregung des Interesses haben wir die Führerbriefe erscheinen lassen, die den Kreis unserer engeren Freunde und Mitarbeiter über alle wichtigen Vorgänge unterrichten, ihnen unsere Sorgen, Wünsche und Beschwerden offen darlegen, und ihnen Anregungen für alle Zweige unserer Arbeit übermitteln sollen. An unseren Freunden und Mitarbeitern in Berlin und im Reiche liegt es, diese Gedanken in die Tat umzusetzen, aber nicht mit großen Worten, sondern mit hingebungsvoller Kleinarbeit. v I l!

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