Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 52 (27.12.1929)
- Date
- 1929-12-27
- Page
- Seite 702 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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702 Unrecht für das alleinige Eigentum des Menschen. Die Tiere haben nicht nur „Junge" es gibt Tierkinder, d. h. Geschöpfe, die den ganzen unschuldvoll spielenden Reiz, die rührend unbeholfene Anmut zeigen, die der junge Mensch im Verhältnis zum Erwachsenen besitzt. So hat Paul Eipper als Gegenstück zu seinem Buch „Menschenkinder" einen Vaud „Tier linder" herausgegeben (Verlag Dietrich Reimer, Berlin). Das sind Zunächst 32 entzückende Bildnisstudien von Hedda Walther: Kinder von Elefanten und Pumas, junge Gorillas, und Nenntierkälbchen, kleine Mufflons und junge Walrosse. Aber diese hinreißend anmutigen Bilder bilden nun durchaus nicht das einzig Wesentliche an dem Buch. Die kleinen Aufsätze von Paul Eipper, die die Bilder begleiten, stehen mit ebenbürtiger Kraft neben ihnen. Sie find weder philosophisch noch lyrisch, was in solchen Zusammenhängen allzu leicht unangenehm wird; es sind einfach treue und höchst anschauliche Berichte über Begegnungen, die Eipper — freilich nicht zufällig, sondern als ein unablässig suchender Liebhaber — mit den Tierkindern gehabt hat. Und seine Liebe zu den jungen Walrossen, sein Entzücken an der kindlichen Antilope, ja seine Ergriffenheit durch den jungen Gorilla, das alles übertrügt sich uns ohne viele Worte, und ein tiefes und frommes Gefühl von Weltverbundenheit steht auch durch dieses Buch in uns auf. * In dem ausgezeichneten großen Essay, mit dem Paul Landau sein Buch „D a s Blume nbildnis" (Verlag der „Gartenschönheit") einleitet, spricht er davon, wie wenig zufällig das Auftauchen des Vlumenbildes in der Kunstgeschichte sei, wie sehr ein Weltgefühl allbeseelender Art Voraussetzung dafür sei, daß die Menschen im Orient oder Okzident die Möglichkeit und den Drang führten, Blumen zu besonderer Darstellung auf ein Vildtäfelchen zu bringen. „Die Dinge liegen in den Urgründen des Lebensgefühls, und es ist wahrlich kein Zufall, daß uns im Orient, im Reich der Mystik, der früheste Blumenkult entgegentritt, daß erst die Spützeit der klassischen Antike mit ihrer Naturschwürmerei und ihrem Pantheismus reine Blumendarstellungen bringt, und daß das Plumenbild in Europa sich im germanischen Kutturkreise und in den Niederlanden zur Zeit des Pantheisten Spinoza zur Selbständigkeit durchringt." Mit einer sehr reichen Sachkenntnis und einem Gefühl, das die Stärke der individuellen Erscheinung ebenso sehr ersaßt, wie die gleichmäßig i'ibergeordnete Kraft einer Epoche und wie den zeitlosen Grundwillen, der den Menschen überhaupt zur Pflanze führt — mit solchen Fähigkeiten geleitet uns Landaus Betrachtung dann den Weg, der sich in den 47 ausgezeichneten Abbildungen des Bandes zeigt. Wir sehen die andächtig Zarten Blumenspiele der Ostastaten, und Dürers Veilchenstrauß, den frömmste Gewissenhaftigkeit auf das Blatt gebreitet hat. Und dann geht der Weg von dem behaglichen Schwelgen der niederländischen Blumenmaler, über die träumerische Romantik des deutschen Biedermeier, zu der aufschäumenden Leidenschaft des Delacroix, der mächtigen Breite Courbets, dem juwelenhaften Glanz der Manetschen Blumenstücke und dem üppigen Rausch Renoirs. Und dann beginnt der Expressionismus: aus den Vlumenbildnissen des van Gogh rast eine Leidenschaft, die das französische Wort für Stilleben, „nature morts", erstaunlich Lügen straft. Nauen, Nolde und Rotluff gehen in Deutschland auf ähnlichen Wegen, von Marc Chagall sehen wir einen Rosenstrauß vor einem Chanukka-Leuchter, eine seltsam festliche Wirkung; und die Blumenstücke von Christian Nolffs werden zu völlig freien, groß hinschmetternden Phantasien, Fanfaren an das Leben. — Ein wunderbares Buch. * Drei sehr köstliche Bücher, drei Zeugnisse, daß die große Liebe zum Lebendigen noch im Herzen der Menschen steckt. Unverloren. Die Stunde kann kornmen, die Stunde wird kommen, wo diese Kräfte wieder zur Herrschaft gelangen und mit der schöpferischen Macht des Glaubens in das Leben der Zeit eingreifen. Meine Chronik. Das langjährige Mitglied unseres Hauptvorstandes Rechtsanwalt Ludwig Foerder (Breslau) hat sich mit Fräulein Irma Austerlitz vermählt. Wir sprechen dem jungen Paar unsere herzlichsten Glückwünsche aus. — Am 1. Januar 1930 feiert Herr Kantor Alexander (Franken st ein i. Schl.) sein bOjähriges Dienstjubiläum als jüdischer Beamter. Herzlichen Glückwunsch. — Bor kurzem starb in Berlin unser altes Mitglied Studienrat Professor Dr. Max Rosenkranz, ein bewährter Erzieher der deutschen Jugend. Ehre seinem Andenken! — Dieser Tage starb Moritz R u m m e l s b u r g (Berlin). Wir betrauern in ihm ein langjähriges, treues Mitglied. Als leitender Arzt des Sanatoriums Dr. Wiggers Kurheim, Partenkirchen, ist Professor Dr. med. Kattwinckel tätig, welcher früher Assistent von Geheimrat von Ziemssen, München, und langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter von Professor Pierre-Marie, Paris, war. Mitleitende Aerzte sind: Herr Dr. Hans Kirchner und Herr Dr. Bruno Kerber. Als Aerztin ist Frau Dr. Wilhelmine Kerber tätig. Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Berlin SWT 68, Lindenstr. 13. Tel.-Adr.: „Centralglauben Berlin". Postscheck: Berlin 30472. Hauplschriftleiter: Dr. Ludwig Holländer. Verantwortlich: Dr. Margarete Cdelheim. Beide Berlin SW 68. — Anverlangte Manuskripte werden nur zurückgesandt, wenn Freiumschlag beiliegt. — Verantwortlich für den Anzeigenteil: Paul Burghardt, Charlottenburg. Druck: R u d o L f M o s s e, Berlin SW 100. italienische Riviera San Remo Das Land der ewigen Sonne STADT-CASINO mit staatlicher Konzession Roulette Trente •» Quarante Baccara Theater - Lyrische Opera - Operetten - Schauspiele Revuen - Klassische Konzerte - Tanz - Kabarett LUXUS-RESTAURANT Direkte Reichsbahnwagen von allen Hauptstädten Nähere Auskunft erteilt die Casino-Leitung m MERAN (im) Bemnn’s Hotel BELL’ ARIA Während der Wintermonate besonders billige 14 tägige |««««««Cfllf-Bßlol-Peiiiiflö. Alm« 1 111 B§111 allem Komfort. Fließendes Wasser « 111 »1! IUI lu allen Zimmern. Freie Lage in ^111-118 8111 eigenem park. Pension von 11 Fr. Mvvmia d fln> Beschs. JooS'Arqwint. 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