Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 51 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- Seite 677 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Rntrot VWter für VriUscdtmnWj unöluvenlum Serlin, 2S. Dezember 1-2- VIII. Jahrgang ♦ Ar. 51 Einzelnummer 20 Pfennig 'vryan des keutrlüZÄÄos Srutscker StmttspüryeriüüikcdenVUmvrus'?« Z^Hchsr^Si^S cäss Gudenrums Vrerteliakrsabonnement 2,50 NM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftlertung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel' stube G, Berlin 8W 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Cxpedition Rudolf Mosse, Berlin SW 100, uub deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 Mi für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 Mi, die 62 nun breite Reklamezeile 3,50 JIM. Der Verfassungskampf in Oesterreich. von Oskar Hirschfel- (Vien), Seite -78. Semen Der Schweiönitzer Nationalsozialistenprozeß, von Dr. §elix Heimann (Sreslau), S. -79. - Die Legende von der Menschenschächtung. Von Professor Dr. Michael Suttmann (Sreslau), S. -81. Zranz Rofenzweig zum Geüächtnis. von Dr. Arnold Lazarus (Zrankfurt a. M.), S. -83. - Döbiins »Mexanöerplatz". von Zeitz Engel, S. -85 u. a. m. verantwortliche Arbeit. Hauptvorstand, Arbeitsausschuß und Verwaltungsausschuß des Ceutralvereins tagten vom Abend des 14. bis zum Abend des 16. Dezember in Berlin. Die Sitzungen lviesen eine Teilnehmerzahl auf, die bisher noch nie erreicht wordenwar. Der Grund ist offensichtlich; die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands haben in ihrer Unsicherheit und Undurchsichtigkeit nicht nur den Nährboden für die starke politische Hetze gegen uns Juden geschaffen, sondern auch innerhalb unserer Gemeinschaft eine besonders niedergedrückte Stimmung hervorgerufen. Darum urußten alle Fragen erörtert werden, die mit dem politischen Kampfe, wie er heute zu führen ist, in Zusammenhang stehen. Politisch kämpfen die Nationalsozialisten mit allen Mitteln, auch den wenigst anständigen, gegen die Gleichberechtigung und Gleichachtung von uns deutschen Juden, wirtschaftlich mit lautem und leisem Boykott und gesellschaftlich durch fortgesetzte Bestrebungen, unseren ehrlichen Namen herabzusetzen und zu eiltwürdigen. Wir komlten feststellen: zu einem begründeten Pessimismus besteht keinerlei Veranlassung. Der Nationalsozialisnurs ist sofort zu überwinden, wenn ihm, der innerlich, unwahrsten Volksbewegung, mit genügendem Nachdruck und in technisch geeigneter Weise Widerstand geleistet wird. Darum waren die Arbeiten des Vorstandes auf diese Frage abgestellt: Washatgegeult b e r d e n t ü g l i ch e n und st ü n d L i ch e n Uebergriffen, die sich insbesondere die n a t i ö n a l s o z i a l i st i s ch e A g i t a t i o n i n geradezu unerhörter Weise zu schulden kommen läß t, zu geschehen? Die Berichte der Vertreter aus dem Lande ergaben, daß überall im Lande mit den Mitteln des Terrors gearbeitet wird. Man sucht durch offene- und versteckte Gewaltdie Parteien, die Behörden, die Gerichte, selbst die Kirchen einzuschüchtern. Nichts ist heilig. Den Sturmabteilungen, die mit der Faust und dem Dolche arbeiten, entsprechen jene Sturmäbteilungen, die mit Unwahrheit, mit moralischem Zwang, mit Boykottdrohungen, mit Hineinziehung irgendwelcher Familienintrmitäten in den öffentlichen Kampf zu arbeiten pflegen. Noch gibt es Mittel gegen diese Volksaufwiegler; das lehrten "die Berichte unserer Freunde aus dem Lande. Noch-ist das Volk nicht so vergiftet; aber eine Voraussetzung muß vorhanden sein: das ist der Wille, unbedingt alles, was sich mit Gesetz und Anstand vereinbaren läßt, gegen die Brunnenvergiftung auszuwenden, in dem Bewußtsein der unzerreißbaren Verknüpstheit mit deutschem Land und deutscher Zukunft. In dieser Grundforderung waren sich die verhandelnden Körperschaften des Centralvereins völlig einig. Die Berichte, die Holländer, Wiener, N e i ch nt a n n und der neu in den Vorstand gewählte Dr. Berlin (Nürnberg) erstatteten, gingen von dieser allgemeinen Grundlage in die Technik der Einzelarbeit. Sie lösten die Arbeitsmethoden aller uns heute entgegenstehenden Gegner in die sie beherrschenden Einzelheiteit auf. Sie betonen, daß es nicht gelte, eine Fassadenpolitik zu treiben, die Volt dem Grundsatz beherrscht wird, „So lag' ich aus, so führt' ich meine Klinge," um der zuhörenden Menge feierlichst zu zeigen, was geschehen ist, sondern daß es darauf ankommt, im Innern die wirklich dringende und verantwortungsbewußte Kleinarbeit zu leisten. Ohne Rücksicht auf mißdeutende Kritik der Besserwisser und Nörgler im eigenen Lager, müssen alle Umstände der staatlichen und wirtschaftlichen Entwicklung auf dem Gebiete der allgemeinelt Politik, der Kulturpolitik und der Wirtschaftspolitik berücksichtigt werden. Mart war sich auch bei den Beratungen darüber klar, welch ungeheure Schwierigkeiten dabei im einzelnen zu überwinden sein werden; mit lauter Stimme und wohlklingenden Redelt sind politische Tiefenprobleme nicht zu lösen. ' Die Aufzeigung der Schwierigkeiten wiesdie Wege zur Lösung. Eine Politik auf lange Sicht konnte festgelegt werden, die die Lügen der Nationalsozialisten ins Herz treffen soll. Diese Lügen werden nicht mehr lange marschieren, auch wenn die Nationalsozialisten hundertmal einer anständigen Debatte ausweichen, sich immer wieder weigern, in einem mit Rechtsgarantien versehenen Verfahren Rede itnd Antwort zu stehen, und ihre kneiferische Politik weitertreiben. Ganz besonders ersreulich ist die Feststellung, daß der Vorsitzende des Neichsbundes jüdischer Frontsoldaten, das Mitglied unseres Hauptvorstandes, Dr. Leo L ö - w e n st e i n, die gedeihliche Zusammenarbeit der Spitzen beider Korporationen wiederum hervorheben konnte. Daß mir uns int Geiste und im Herzen den Aufgaben des Frontbundes innig verwandt fühlen, bedarf keiner Erwähnung. Wesentlich sind einige Veränderungen, die im Hauptvorstande eingetreten sind. Der langjährige Vorsitzende des Verbandes Linksrhein, Feilchenfeld (Köln), hat mit Rücksicht auf sein hohes Alter den Vorsitz des Landesverbandes und sein Hauptvorstandsamt niedergelegt. Ebenso hat der Vorsitzende des Landesverbandes Brandenbitrg, Herr Bodzanowski (Berlin), wegen Arbeitsüberlastung seine Aemter zur Verfügung gestellt. Auch der Platz des leider verstorbenen Rechtsanwalts Katzenstein (Kassel) war neu zu besetzen. Demgemäß begrüßte der Vorsitzende, Justizrat Dr. Brodnitz, als neue Hauptvorstandsmitglieder den Vertreter des Landesverbandes Linksrhein, Rechtsanwalt Dr. Callmann (Köln), sowie Sanitätsrat Dr. Felix B l u m e n f e l d (Kassel). Sein Gruß galt gleichzeitig zwei weiteren Männern, die in den Hauptvorstand nett eingetreten sind, nämlich den bewährten Freunden Rechtsanwalt Dr. Berlin (Nürnbergs und Konsul Grünbaum (Köln).