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Central-Verein-Zeitung · 1929-12-13 · 50 (13.12.1929) · p. Seite 661

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
50 (13.12.1929)
Date
1929-12-13
Page
Seite 661 (sequence 1)
Language
German
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lenfrat l?^in VMter sür-rulsrkdun^ unvlrwentum Serlin, 13. Dezember 1-2- VW. Jahrgang * N?. 50 Einzelnummer 20 pfrnniz '0ryan des tdulral-Vereius üeotscker Stmttsvüryer.iüSiscdrn VlauveuSeÄ S^ll^sri^sir^s ZeirunjJ des duderuums Biertcliabrsavonnemenr 2,50 NM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindenirr. n. .:. Amt Dvnhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: Dresdner Bank. Wechsel* stube 6, Berlin 8W 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt - Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Moste, BerUn 8W 100. un d deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JUL für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Moffe» Normalzeilenmesser N:. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 JUL, die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 JUL Orennenöe Rechtsfragen. Wie wehren wir uns gegen Sovkott und Selei-igungl Thüringen und Zähem. Ergebnis der Wahlen vom 8. Dezember. Die thüringischen Landtagswahlen und die bayerischen Gemeindewahlen, die beide am 8. Dezember stattfanden, haben ähnliche Ergebnisie wie die preußischen Kommunalwahlen vom 17. November ergeben. Hier wie dort ein Ruck zur äußersten Rechten hin, ein erhebliches Anschwellen der Nationalsozialisten. In Thüringen verdreifachten sie die Zahl ihrer Mandate: sie errangen 1927 zwei, jetzt sechs Sitze. Während sich die Sozialdemokraten und die Landvolkpartei, die in Thüringen eine große Rolle spielen, auf dem bisherigen Stand halten konnten, büßten' Kommunisten und Deutschnationale je zwei Sitze ein. Aus den Verlusten dieser beiden Parteien dürfte der Stimmenzuwachs. der NSDAP, im wesentlichen zu erklären sein. Me bayerischen und pfälzischen Gemeindewahlen zeigen entsprechende Verschiebungen. Auch hier konnten sich die IllltlilllllllW AUS DEM INHALT: Fritz Goetz: Zu Coudenhove-Kalergis „Wesen des Antisemitismus“. — Rabbiner Dr. Leo ßaeck: Franz Rosenzweig. — Geh. Rat Prof. Dr. Rosin: Louis Lewin. — Jakob Blum (Nürnberg): Die Juden im Volksaberglauben. großen Parteien, die Sozialdemokratie und die Bayerische Volkspartei, im ganzen behaupten. Der Erfolg der Nationalsozialisten scheint auch in Bayern vorwiegend auf Kosten der Deutschnationalen erfolgt zu sein. Selbst in K o b u r g, wo bekanntlich feit diesem Frühjahr eine nationalsozialistische Stadtratsmehrheit bestand, hat die Hitler-Partei trotz der auch in diesen Blättern so häufig geschilderten Mißwirtschaft ihrer Stadträte um etwa 1200 Stimmen zugenommen. Einen weiteres Mandat haben sie damit im (Stadtparlament zwar nicht gewonnen, wohl aber die Mehrheit behalten. In vielen Stadtverordnetenversammlungen Bayerns und der Pfalz, wie in B a y r e u t h und Pirmasens, hier mit 9 Sitzen als stärkste Partei-, ziehen die Nationalsozialisten zum ersten Male ein. In München haben sie zu ihren sechs Sitzen zwei hinzugewonnen, während die Deutschnationale Volkspartei genau die Hälfte ihrer Mandate verloren hat. Einzelergebnisse aus Thüringen, Bayern und der Pfalz finden unsere Leser auf den folgenden Seiten dieser Nummer. Sie geben interessante Ausschlüsse über die Stimmenverschiebungen in den wichtigsten Städten dieser Länder. Sopkott zur Weihnachtszeit. Von Dr. Hans Lazarus. Die Boykotthetze gegen jüdische Geschäfte steigert sich besonders zur Weihnachtszeit im schärfsten Gegensatz zu der religiösen Forderung: „Friede ans Erden!" Wirtschaftsethisch richtet sich der Boykott von selbst, denn in seiner letzten Folgerung müßte er zur Zerschlagung des Wirtschaftslebens führen. Genau so nämlich, wie der Völkische den Inden boykottiert, könnte der Katholik den Protestanten, der Angehörige irgendeiner religiösen Sekte den Angehörigen einer anderen Sekte, der Süddeutsche den Norddeutschen, die Mitglieder der einen politischen Partei die Mitglieder anderer politischer Parteien wirtschaftlich lahmlegen. Damit wäre ein ökonomisches Leben in der staatlichen Gesamtheit zum Tode verurteilt, der Staat selbst hätte seine Daseinsberechtigung verloren. Auch die völkische Bewegung, ihrem Programm nach widerspruchsvoll und unlogisch, würde bei folgerichtiger Durchführung ihres Boykottgedankens in eine Sackgasse geraten. Ein echter Völkischer dürfte z. V. niemals medizinisch wertvolle, von Juden stammende Erfindungen bei sich in Anwendung bringen, niemals eine Wassermannfche Reaktion, eine Behandlung mit Salvarsan oder eine Gersonsche Diät gegen Tuberkulose an sich vornehmen lassen. Ebenso wären neuere mathematische oder physikalische Untersuchungen undenkbar, wenn dabei auf Gedankengänge und Erkenntnisse von Professor Einstein zurückgegrissen werden muß.. Nationalsozialistische Partei .... Deutschvölkische Freiheitsbewegung . . Deutschnationale Volkspartei .... Deutsche Volkspartei ....... Landvolkpartei ......... Zentrum . . . . . . . . . . . Wirtschastspartei ........ Demokraten . . ... . . . . Sozialdemokraten . . . . . . . . Kommunisten , Hier soll die Boykottfrage, unabhängig von ethischen und politischen Grundsätzen, wie daS schon öfter in diesen Blättern geschehen ist, vom Standpunkt des geltenden Rechts aus in Kürze betrachtet werden. Strafrechtliches Einschreiten versagt im allgemeinen, bis auf besonders krasie Fälle beleidigenden und verhetzenden Inhalts der Boykottaufforderungen. Zwar ist früher mehrfach wegen groben Unfugs eingeschritten worden (vgl. Urteil des Reichsgerichts in Strafsachen Bd. 27, S. 292), die Entscheidungen liegen aber weit zurück, und die Anschauungen über die Verwendungsmöglichkeit dieser Gesetzesvorschrift haben sich teilweise geändert. In Preußen gibt zwar häufig der Paragraph 10 II. 17 ALR. die Möglichkeit zu polizeilichem Vorgehen, jedoch werden die Voraussetzungen von den örtlichen Polizeiverwaltungen voneinander abweichend beurteilt. So bleibt als wichtigste Maßnahme nur der Weg des Zivilprozesses. Die einstweilige Verfügung auf Unterlassung von Boykottaufforderungen ist das gegebene Mittel der Abwehr. Leider ist die Rechtsprechung auf diesem Gebiete durchaus zersplittert. Einheitliche Richtlinien des Reichsgerichts liegen nicht vor und sind schwer zu erlangen. Die Amts- und Landgerichte gehen jedoch mit erfreulicher Einsicht in die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse dazu über, mehr und mehr dem Boykott zu steuern. Landtagswahl Landtagswahl vom 8. 12. 29 vom 30. 1. 27 Stimmen Sitze Stimmen Sitze 90 236 6 29 918 2 — — 9 137 0 31 618 2-3 70 413 131 688 9 \ 270 625 19 9 632 0) 76 217 5-6 57 500 6 23 528 1-2 26 531 2 257 352 17-18 262 827 18 85 120 6 113 470 8 (Fortsetzung des Aufsatzes umstehend.) Vorläufiges amtliches Ergebnis der Landtaaswahlen ln Thüringen:

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