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Central-Verein-Zeitung · 1929-12-06 · 49 (6.12.1929) · p. Seite 645

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
49 (6.12.1929)
Date
1929-12-06
Page
Seite 645 (sequence 1)
Language
German
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erntol unvLrwenMm Serlin, H. Dezember 1-2- VIII, Jahrgang ♦ Ar. 4- Einzelnummer 2-Pfennig Plütter sürDriUscdtumW> vryau des tLatrall^^rems SeutsrkÄ Staatsbürger iiwtkcken Vlaudens'?« ^UtzsrriSin»s cäss LUertcLiakrsabottncmcnS 2,5V NM. (Zuzügl. Bestellgeld). Verlag und SchrifLleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube 6, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt - Rothschild L Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Masse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 31<M für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 3l<M.t die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 Literarischer Kulturkampf? Von Julius Bab. Lügen werden nicht wahrer, aber leider wirksamer durch beständige Wiederholung. Ein gewisser Glauben an ihren Inhalt läßt sich sogar bei dem Sprechenden selber durch beständige Wiederholung erzielen. Und so teilt uns die völkische Agitation denn immer wieder gedruckt und mündlich mit, daß alles, was sich seit fünfzig Jahren in Deutschland „moderne" Literatur nenne, nichts als eine Judenmache sei. Die Formel ist hier die gleiche wie auf jedem anderen Gebiet. Man benutzt das Wort Jude, um alles, was dem eigenen Verstand unzugänglich, dem eigenen traditionell gebundenen Gefühl unfaßbar ist, bequem zu benennen und aus dem Kreis der Selbstkritik zu schieben. Wenn also Arbeiterbewegung und Demokratie, Sozialismus und Frauencmanzipation, Revolution und Republik reines Judenmachwerk sind, warum dann nicht auch die Literatur, die diese Dinge verursacht oder begleitet hat, oder die jedenfalls nichts ist als ein anderer Ausdruck für die gleichen Vorgänge im Grunde des Völkerlebens. Man entlastet auf diese Weise sein Gehirn so wundervoll von jedem Zwang zur Erkenntnis. Die Verlockung zu solchem Verfahren ist allzu groß und die Widerstandsfähigkeit der Menschen gegen die bündigste Widerlegung ihrer Theorie, ja gegen die Aufzeigung der völlig von ihren Behauptungen abweichenden Tatsachen ist viel zu stark, als daß sie nicht gewillt und befähigt sein sollten, jeden einmal eingeübten Spruch endlos zu wiederholen. So haben wir unlängst in der völkischen Zeitschrift „Deutschlands Erneuerung" den langen Aufsatz eines Dr. Huber aus -Graz erlebt, der unter der Ueberschrift „Der Kulturkampf in der ,modernen' Literatur" wieder einmal darstellt, wie alles, was im letzten halben Jahrhundert in Deutschland literarisch geschehen ist, ganz ausschließlich als Produkt der bösen Juden zu gelten habe. Nun ist das Niveau dieser Abhandlung gewiß nicht so, daß man mit Dr. Huber irgendein Gespräch geistiger Art führen könnte. Er zitiert die „Protokolle der Weisen von Zion" feierlich als Geschichtsquelle, und er baut seine ganze Kenntnis der modernen Literatur, von der er doch so schwerwiegende Dinge behauptet, zugegebenermaßen ausschließlich auf Sörgels Literaturgeschichte „Dichtun.g und Dichter der Zeit" auf, ohne aus eigener Anschauung irgend etwas von den Dingen zu wissen, die er da im Lichte seinervölkischen Agitation erscheinen läßt. Man kann in einer Zeitschrift keinen geistigen Elementarunterricht erteilen, man kann also auch nicht hoffen, Herrn Dr. Huber zu belehren. Man kann ihm nicht einmal klarmachen, wie lächerlich sich jemand unter Menschen von geistigem Ernst und wissenschaftlicher Verantwortung machen muß, der über ein großes Gebiet nach einen: Kompendium urteilt, ohne die Tatsachen selber zu kennen. Aber ich habe einen einigermaßen persönlichen Grund, diese Betrachtungen an dem untauglichen Versuch Dr. Hubers anzuschließen. Er zitiert mich nämlich, und zwar setzt er eine Aeußerung von mir aus dem Jahre 1912 unmittelbar und als weiteren Beleg für die gleiche Behauptung hinter Stellen aus den „Protokollen der Weisen von Zion". Nun ist meine in der Völkischerl Agitation schon öfter aufgetauchte Aeußerung nicht in den: gleichen Maße sagenhaft wie jene Protokolle. Die Rede, die da zitiert wird, ist wirklich gehalten worden. Es kamen in ihr sogar Worte vor, die einige A e h n l i ch k e i t mit denr Satz gehabt haben mögen, der dann nach einem Zeitungsbericht immer wieder zitiert wird. Nur hat man diese Worte ganz schlicht unr ihre Achse gedreht, so daß sie im Endeffekt ungefähr das Gegenteil von dein besagen, was ich da-. mals aussühren wollte und auch ausgeführt habe! Es wird nämlich Zitiert: „Im Literaturbetrieb als Uebersetzer, Theaterdirektoren, Kritiker, Verleger spielen die Juden eine Rolle, die unendlich viel größer ist, als ihrem prozentualen Anteil am deutschen Volksleben entspricht." Ganz so habe ich das nun bestimmt nicht gesagt, denn bei den Verlegern und Theaterdirektoren liegt es z. B. so, daß nur eine ziemlich kleine Anzahl von Prominenten, aber durchaus nicht ein bedeutender Prozentsatz der in diesen Berufen Tätigen jüdischer Herkunft ist. Aber soweit sich nach 17 Jahren der Wortlaut einer niemals niedergeschriebenen Rede noch feststellen läßt — ich kann sehr wohl gesagt haben, daß in einigen literarischen Gebieten, die der Vermittlung dichterischer Werte dienen, der Anteil der Juden bedeutend und sicherlich größer ist als ihr prozentualer Anteil an der deutschen Bevölkerung. Das kann ich gesagt haben, denn es entsprach der Wahrheit und entspricht auch noch den heutigen Tatsachen. Aber das ist nun ein recht typisches Stückchen für die Praxis demagogischer Agitation! Diese Worte waren, bildlich gesprochen, der Vordersatz zu einem Nachsatz, auf den alles ankam und der von völkischer Seite natürlich stets verschwiegen wurde! Wert oder Unwert einer Vermittlungstätigkeit, ja ihr ganzer Charakter kann ja nur durch die Natur dessen bestimmt werden, was vermittelt wird. Wenn der völkische Einspruch gegen die jüdische Rolle in den vermittelnden Literaturgruppen irgendeinen Sinn habensoll, so kann er nur darauf gehen, daß hier eben undeutsche Werte, Schöpfungen rein jüdischen Geistes den: deutschen Volk ausgedrängt werden. Mein Nachsatz erwies nun nüt einer Schärfe, die auch für jüdische Eitelkeit vielleicht überraschend und erfreulich war, daß unter den eigentlich dichterischen Kräften, für deren Sieg die zu einem belangvollen Teile jüdische Vermittlung eingesetzt wurde, beinahe gar keine Juden waren! Der protestantische . Schlesier Gerhart Haupt- Sondernummer: Kunst und Wissen. Beiträge von Julius Bab, Ludwig Holländer, Dr. Hugo Ladimanshi, Robert Neumann (Wien), Dr. Max Osborn, Professor Dr. Carl Watzinger (Tübingen), Rabbiner Dr. Max Wiener u, a. m.

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