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Central-Verein-Zeitung · 1929-11-29 · 48 (29.11.1929) · p. Seite 629

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
48 (29.11.1929)
Date
1929-11-29
Page
Seite 629 (sequence 1)
Language
German
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Serlin, 24. November 1424 VIII. Jahrgang * Ar. 4S Einzelnummer 20 Pfennig lenträt metein Blätter sürHeolsrktumM unäTutentaro. ’örgan öcs lLntralVerems veutscker Slaatsvüryeriüöiscdrn Slirudens «Ä A.N^er^eMs Zeitung des Oudentums Vierteliadrsabonnement 2,50 NM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schristleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel» stube G, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Masse, Berlin SW 100, unt> deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 Ml für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses NormalZeilenmeffer Rr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 JIS.. Der neu nationalistische Kreis. Ernst Jünger und feine Idee. / Von Dr. Erik Vötting (Frankfurt a. M.). Ernst I ü n g e r bildet zusammen mit Franz Schauwecker und Friedrich Hielscher den Mittelpunkt einer aktivistischen Gruppe, die man als den Kreis des neuen Nationalismus bezeichnet. Ihren Sammelpunkt bildet die Zeitschrift „Der Vormarsch", ihre Anhängerschaft setzt sich besonders aus jungen, an geistigen Problemen interessierten Menschen zusammen. Von dem russischen Anarchisten Batunin wird eine hübsche Anekdote überliefert. Als man ihn, den unversöhnlichen Revolutionär, der sich stets gestiefelt zu Bett legte, weil ihn der Ausbruch der Weltrevolution nicht ohne Stiefel überraschen sollte, einst im geselligen Kreise fragte, was er tun würde, wenn einmal feine gesinnten Pläne Verwirklichung gefunden hätten, soll er eine kurze Weile nachgesonnen und dann lachend geantwortet haben: „Ich lvürde anderen Tages gegen meine eigene Ordnung Revolution machen." An diesen Ausspruch wird man erinnert, wenn man den Aufsatz liest, den neulich E r n st I ü n g e r, aufgesordert von der Redaktion des „Tagebuch", sich über die Ziele der neu-nationalistischen Bewegung zu äußern, in der erwähnten Zeitschrift veröffentlichte. Man tut gut, ihn einige Male und mit Bedacht zu lesen, es könnte sonst sein, daß einen der Ansturm der rasenden Wortkaskaden hinwegschwemmt. Erst aus einer gewissen Distanz heraus wird man erkennen, daß die Wasser nur deshalb so wild schäumen, weil seichte Sandbänke allzu dicht unter der Oberfläche liegen. Jünger springt sozusagen gleich mit beiden Füßen auf die bereitgehaltene Tribüne, imb nun regnet es Püffe und Ellbogenstöße nach allen Seiten. Monarchismus, Konservatismus, Patriotisnrus, Hugenberg und die Hitlerei, das alles wird mit ebenso verächtlicher Geste beiseite geschoben wie Demokratie und Sozialismus. Sind diese „Schrebergartenstil", „angesäuerte Großväterideale", ,,billige 48er Konfektion", so entstammen auch alle Bewegungen der Rechten einzig spießbürgerlichem Ordnungsinstinkt und Schlafbedürfnis. Nicht einmal der sonst so liebevoll gehätschelte Antisemitismus erscheint diesem wilden Verächter als eine Sache von Belang. Nur die Kommunisten trifft, trotz ihrer revolutionären Unzulänglichkeit, ein wehmütiger Bruderblick, denn alle revolutionären i Kräfte eines Staates sind, wie Jünger sagt, ungeachtet der .größten Gegensätze, unsichtbare Verbündete. Aber Jünger war ja schließlich nicht zu einem Boxmatch gegen sämtliche Zeitbewegungen und Zeitideale aufgefordert, ihm war vielmehr die Ausgabe gestellt, sich über die Absichten jener Kreise zu verbreiten, in deren Reihen er ficht. Die unfreundlichen Komplimente interessieren weniger als das bekenntnishafte Geständnis, das man ihm abverlangte. Das aber fällt reichlich seltsam und reichlich mager aus. Dezember 8 Sonntag Mb oU/v Zwar versucht er am Anfang ansatzweise eine Definition: der neue Nationalismus rst der reine, unbedingte Wille zum Einsatz für die als einen zentralen Wert gefühlte und erkannte Nation, mit allen Kräften und mit allen Mitteln, die zur Verfügung stehen. (Man achte aus den Nachsatz, gefragt wird mit keinem Wort nach der ethischen Berechtigung der Mittel, sie müssen nur zur Verfügung stehen. Die Bombe ist lediglich ein Fabrikationsproblem!) Eine solche Definition leidet natürlich unter einer äußersten und verschwommensten Unbestimmtheit, denn der Nation glauben viele auf mancherlei Wegen mit reinem Willen zu dienen, z. B. dadurch, daß sie durch eine kluge Verständigungspolitik die aus unserem Volke lastenden Tributverpslichtungen zu mildern versuchen oder indem sie jenen Staat sozialer Gerechtigkeit anstreben, der auch dem wirtschaftlich Schwachen erträgliche Lebensanteile zumißt. Aber das sind nicht die Wege Ernst Jüngers und seiner Gefolgschaft. Er betont ausdrücklich, daß er es nicht als die ihm zufallende Aufgabe betrachte, auf eine Herabminderung des äußeren Druckes noch auf eine Milderung der inneren Spannungen hinzuwirken. Was aber will man dann? Durch hundert Wendungen schimmert es irnmer wieder durch: man spekuliert auf das Chaos, dem man das schmückende Beiwort „fruchtbar" verleiht. Ist man aber einmal bei diesem Wortbegriff angelangt, dann hört die rationale Auseinandersetzung aus, dann wird der Intellekt abgeschirrt und entlassen, von dem überhaupt im Vorbeigehen bemerkt wird, daß er nur die Rolle einer Funktion, nicht einer Substanz spiele, was in verständlichere Ausdrucksweise übersetzt doch wohl besagen will, daß ihm in der Jüngerschen Vorstellungswelt keine sonderliche Wichtigkeit Zukomme. Der Nationalismus sei keiner Ideologie bedürftig, wird erläuternd hinzugesetzt, das Leben motiviere sich ja auch je nach den Umstünden, im übrigen sei man in seinem Lager keineswegs beschränkt auf den Kampf mit geistigen Waffen. Ist wirklich die Nation der zentrale Wert und Beziehungspunkt, wie Jünger behauptet? Wer aufmerksam hinsieht, wird finden, daß die Nation nur eine vorgeschobene Kulisse ist, hinter der man eine andere Gottheit mit wilden

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