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Central-Verein-Zeitung · 1929-11-22 · 47 (22.11.1929) · p. Seite 622

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
47 (22.11.1929)
Date
1929-11-22
Page
Seite 622 (sequence 2)
Language
German
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Nas LVahlevgebnis in ÄSDAp. Deutfchnat. VolkSpartel Deutsche VolkSpartel Städte «amen Letzte Stadtverordnetenwahl Reichstagswahl 20. 5. 28 Stadtver. wbneten» wag 17.11.29 Letzte S;adlverordneten- Wahl Reichstagswahl 20. 5. 28 Stadtverordnetenwahl 17. 11. 29 Letzte Stadtverordneten- Wahl Reichstags- Wahl 20. 5. 28 Staötverordnerenw» hl 17. 11.29 Berlin. 39 052 132 031 385 324 440 132 404 756 111 446 159 866 154 200 Köln.. — 4 965 12 436 15 682 16 776 7 388 25 477 36 367 27 982 Leipzig. 5 615 9 462 17 634 112 196* 30 338 154 719* — 67 567 * Dresden. — 8 224 17 030 34 933 52 008 32 880 39 440 50 362 57 871 Breslau.. 11 569 3 092 9 713 65 661 61 832 63 353 22 081 22 705 24 600 Essen.... . — 8 082 8 425 25 302 20 925 16 419 23 426 15 914 19 498 Frankfurt a. M. — 12 882 27 191 32 482 24 610 12 788 18 892 34 566 35 263 Düsseldorf . . . .. — 3 603 4 944 30 784 25 599 15 989 17 162 23 789 17 113 Hannover... 9123 5 773 11 997 — 20 816 48 846* — 33 835 * Chemnitz. 3 081 5 554 13 274 22 331 19 892 20 276 20 404 20 316 19 215 Dortmund . ... 1015 1346 4 015 9 446 12 927 20 148 31919 * Magdeburg. — 2 914 9 205 — 17 363 44 783* — 27 023 4 574 Königsberg. —- 2 226 16 031 16 919 17 734 15 896 23 892 40 386 34 584 Duisburg... —- 2 287 10 589 16 393 14 019 14 743 m T9 Hamborn ... — 623 o 331 4 454 3 556 1l-o 3 904 2 606 lö ro^ Stettin... — 1653 4 839 22 395 29 067 24 384 6 223 12 904 9 748 Kiel. — 2 534 4 378 — 33 296 10 567 — 16 180 10 117 Bochum.. — 2 460 9 514 —!! ' 9139 6 776 — 12 908 14 449 Gelsentircher: (-Buer). ...... —- 1471 2 657 5 905! 8 549 5 384 11736 16 210 13 790 Halle.. — 2 814 6 204 —! 23 454 49 795* 19 702 * Barmen. — 1 222 5161 25 269! 21814 9Q nrv? 7 978 8 553 16 449 Elberfeld . — 1692 15 963 : 17 390 UtL 7 770 8 207 Altona. — 3 414 6 975 — 1 17 508 29 977* — 19 254 * Kassel... 7 006 3174 5 986 21 259! 12 627 12 410 15 013 17 552 13 445 Aachen. — 761 1870 3114 3131 1652 6 299 7 176 5 427 Erfurt... — 2 565 1968 8 606 8 224 5190 5 857 12 826 5 782 Krefeld... — 1037 1694 — 3 447 — — 5 770 — Mülheim (Ruhr). 2 378 461 1025 7 561! 9 054 5 816 7 481 8 796 6 162 M.-Gladbach(-Rhehdt). — 412 __ — 3 831 5 298* — 3 683 Plauen. 3 996 7 751 10 503 — 8 670 — — 6191 — Mainz.. 258 460 — 1413 1716 3100* 1953 5 652 * Münster i. W. . .. — 608 1164 3 925 6175 6 651 3 483 4 664 3193 Oberhauien. — 644 — 3 476 4 709 3 934 4 726 .6 001 7 814 Wiesbaden. — 6 972 i 13 107 i 2 336 4 409 4 344 1 7 637 12 144 25 394* * Vereinigte Bürgerliste. sind wesensmäßig unfähig Zu eigener kritischer Entscheidung, unfähig geblieben zu objektiver Beobachtung des einfachsten Falles, sie sind ohne jene schlichte, unbeirrbare, unverstellte Rechtlichkeit, die der Nerv des Staatsdienstes ist, ohne die es kein Ethos der Wahrheit, und der Wissenschaft, nicht Recht, nicht Politik, nicht Volk und Staat mehr gibt. Man verstehe recht: Das Erschütternde des Falles liegt nicht darin, daß die Studenten sich antisemitisch gebärdeten. Im Gegenteil: sie haben gezeigt, wie bar jeder Logik, jedes echten und erlebnishaften Grundes ihr Antisemitismus ist, ohne Ernst, ohne Tiefe, nicht in Herz, Gewissen und Denken verwurzelt, sondern jenseits jeder Logik nur in der Kehle bereitgestellt. Nicht Ausdruck des Denkens, sondern der Gedankenlosigkeit. Nicht Gesinnung, sonder:: Gesinnungslosigkeit im echtesten Wortsinn. Nicht der Antisemitismus ist das Entscheidende. Auch nicht darauf konunt es an, daß den aufsässigen Studenten durch obrigkeitlichen Druck der Mund geschlossen und die akademische Freiheit beschnitten wird. Im Gegenteil, diese akademische Freiheit, die sie so wenig verstehen wie den Antisemitismus, den sie im Munde führen, brauchen wir, braucht der Staat, um vermöge ihrer Wert, Reife, sittliche Haltung und verantwortliches Denken seiner Studenten öffentlich zu messen. Der Staat braucht Gelegenheiten wie diesen Krawall, um an ihnen zu sehen, daß es so nicht weitergeht. Um zu sehen, daß er sich selber aufgibt, wenn diese urteilslosen Massen ohne kritische Besinnung, ohne von de:n Ethos der Wissenschaft innerlich ergriffen und geistig geklärt zu sein, in zwei, drei Jahren im Staatsdienst stehen . . . Die Republik verwaltet, gerichtet, erzogen von Männern, die den Volksstaat verhöhnen, denen das Ethos der Volksgemeinschaft völlig fern geblieben ist, von zerstörenden Massenmenschen, statt von ausbauenden, selbst urteilenden Persönlichkeiten — das freilich wird das grauenvollste Satirspiel der deutschen Geschichte sein, gegen die das Zeitalter des 17. Jahrhunderts, da das Deutsche Reich sich in 500 souveräne Miniaturstaaten aufgelöst hatte, als ein Zeitalter staatspolitischen Weitblickes erscheinen dürfte. Die s ch r e i e n d e n S t u d e n t e n habe n den Staat g e w a r n t. Nicht sie sind schuldig. Sie sind verhetzt. Auch die sind nicht schuldig, die sie verhetzten, Schuldig sind Gesetze und Instanzen, die so unreife Menschen zur Universität zulasten, daß sie sich so sinnlos und haltlos verhetzen lassen. Mais en m en s chen, statt Füh rerpers önlich leiten. Die Universitäten klagen einmütig und beständig über die geistige Niveausenkung der Studenten. Ihre sittliche und Politische Niveausenkung haben die Studenten selber vor und in der Universität überlaut demonstriert. Hier hilft nicht Strafe und Maßregelung, die nur das Physische Verhalten, nicht die geistige Haltung trijst und wandelt. Es bleibt, nur eins: eine tiefgreifende Erneuerung der Auslesebestimmungen für den Zugang zur Universität und zum zweiten Mate für den Zugang zu den Staatsämtern. Und in: Zusanunenhang damit: Maßnahmen, die in der Znsanuneusetzung der akademischen Berufsträger ein getreues Bild der Zusannnensetzung der Volksgemeinschaft allmählich heraussühreu. Hier liegen Aufgaben, sehr schwere, aber auch sehr dringende Aufgaben einer Staatspädagogi! des neuen Volksstaates, die noch in keiner Beziehung in Angriff genommen sind — und die doch den fundamentalen Sinn haben, den Volksstaat in der kommenden Generation zu verwirklichen. Die da aus dem Kreis der Schreier und Krawall::: itlüufer von der Universität kommen, die große Masse also, werden nicht Verwalter und Erzieher des Volksstaates werden, noch weniger führen und bilden zum Volksstaat, sondern Verwalter, Führer, Erzieher gegen den Volksstaat. Sie werden seine schwerste Krankheit sein. Das Ergebnis der Kommunalwahlen vom letzten Sonntag ist dies, daß die Radikalisierung Deutschlands fortschreitet. Wir dürfen uns nicht vor dem Wort scheuen: Das Ziel der Radikalisierung ist zwanglüufig nicht eine neue Staatsform, sondern das Chaos. Die Studenten, die in Berlin „warnten", werden bewußte Führer der Radikalisierung sein. Sie werden es nicht anders können. Das Unkritische, Unpolitische, Fanatische wächst in sie hinein. Von den staatlichen Amtszimmern aus wird sich diese ^setzende Welle der Radikalisierung zum Verhängnis ausstauen! Der Staat ist gewarnt. Ist er es? Seine erste innenpolitische Verantwortung: verantwortungsbewußte Führer der echten und ganzer: Volksgemeinschaft hernnzubilden — herauszuwähleu: kennt er sie? vr. Müller-Claudius.

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