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Central-Verein-Zeitung · 1929-10-11 · 41 (11.10.1929) · p. Seite 549

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
41 (11.10.1929)
Date
1929-10-11
Page
Seite 549 (sequence 1)
Language
German
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«nmn Herlkn, 11. Oktober 1-2- VIII. Jahrgang * Ar. 41 Einzelnummer 20 Pfennig PMtter für-cutscdduu^ unvTiwenMm. BierteljahrsabonnemenL 2,S0 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und SÄrrftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 3695. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube 0, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Cxpedition Rudolf Moste, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 die 62 mm breite Reklamezelle 3,50^«*. yman des öntrol-Wrons deotfcker StaatSvüryer iüöifiLen Aauvrns ^v. ^U^srrrSirrs clss ^udsrrrurrrs 14. Oktober feiern wir den 100. Geburtstag von Eduard Lasker. Seiner unvergänglichen Verdienste um das deutschjpVolk und um die deutsche Judenheit gedenken in dieser Nummer Justizrat Dr. Julius Brodnitz, Dr. Emst Feder, Dr. Hugo Feildienfeld, Jakob Seifensieder. 1829 — 14. Oktober - 1929. Gustav Gtrreßeruauu. Ein erschütterndes Schauspiel haben wir in diesen Tagen erlebt: Ein Mensch starb, und säst die ganze Welt trauerte um ihn. Wie lange ist es her. daß sich die Menschen diesseits einer Landesgrenze freuten, wenn von den Menschen Jenseits der Grenze Tausende und aber Tausende vernichtet wurden! Und dieser eine, der jetzt dahingegangen ist. hat nichts getan, um die Kriegslust der Völker anzustacheln, sondern er hat sein Leben geopfert der Idee der Volker- Versöhnung. Ein ungeheurer Umschwung in einer ganz kurzen Zeitspanne. Dieser Umschwung ist zu einem sehr großen Teil auf das Wirken und auf die Bedeutung der Persönlichkeit des verstorbenen deutschen Reichsaußenministers zurückzuführen. Nicht etwa, daß alle Menschen in allen Ländern sein Wirken anerkannt haben oder heute schon anerkennen, aber daß die Besten aller Nationen um ihn trauern, ist der Anerkennung genug. Auch wir deutschen Juden haben alle Veranlassung, an seiner Bahre tiefsten Schmerz zu empfinden. Daß wir als deutsche Staatsbürger trauern über die ungeheure Lücke, die sein Tod gerissen hat, bedarf keines Wortes. Wer wie Stresemann um den Aufbau des deutschen Volkes und um die Idee der Völkerversöhnung gerungen hat. verdient auch den Dank des deutschen Judentums. Unsere Gegner schöpfen ihre Nahrung aus dem Zusammenbruch, dem Elend und der Zerrissenheit des deutschen Volkes. Sein Aufbau, sein Wiederaufstieg zur Weltgeltung, die damit verbundene Ueberbrückung der inneren Gegensätze läßt die Quellen ihrer Arbeit versiegen. Deshalb war auch Gustav Stresemann in den Kreisen der Antisemiten mindestens so verhaßt, wie wir es sind. So gemein und niedrig wie ihre Kampfesweise gegen uns war ihr Kampf gegen ihn. Er. der noch als todkranker Mann im Haag die stärkste Bresche in den Versailler Vertrag geschlagen hat und der damit mehr für Deutschland getan hat, als sie mit all ihrem Geschrei jemals erreichen werden, und der es verdient hätte, bei seiner Heimkehr als der Befreier des Vaterlandes begrüßt zu werden, ist von ihnen geschmäht und beschimpft worden als ein Volksverräter und Volksabtrünniger. Vergessen wir auch nicht die Bedeutung Stresemanns für das innere Staatsleben. War er es doch ganz allein, der weite einflußreiche Kreise des deutschen Bürgertums Staat und Verfassung nahegebracht und sie bei ihnen gehalten hat. Seinem Einfluß ist es auch zu verdanken, daß sich die von ihm gegründete und von ihm geführte Partei im wesentlichen frei von Antisemitismus gehalten hat. Wo er hier auftrat, geschah es jedenfalls nicht mit seinem Willen, und es darf gesagt werden, daß er sich, soweit es ihm möglich war, gegen solche Auswüchse, die seiner Persönlichkeit und seiner Auffassung über die Aufgaben seiner Partei zuwtderlagen, nachdrücklichst wandte. Vorkämpfer des Friedens war er. Diese uralte, immer wieder zerbrochene Menschheitsidee, um deren Verwirklichung der Jude kraft seiner Religion seit Jahrtausenden ringt und leidet, hat er wieder aufgerichtet in einem Augenblick. in dem die Welt noch nachhallte von dem Lärm des grausigsten aller Kriege. Während noch alle Wunden bluteten und der Haß noch loderte, hat er aus der Mitte des bekämpftesten aller Völker seine Stimme erhoben. Man hat ihm als der Stimme des deutschen Volkes wieder gelauscht. Achtung und Vertrauen kamen wieder, und aus seinem Wirken schien, als ganz zartes Pflänzchen noch, eine Idee zu entsprießen, die eine neue Epoche der Völkerentwicklung einleiten konnte. Die Welt hat jedenfalls einen ihrer ganz großen Söhne verloren. vr. Kurt Alexander (Krefeld).

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