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Central-Verein-Zeitung · 1929-09-20 · 38 (20.9.1929) · p. Seite 513

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
38 (20.9.1929)
Date
1929-09-20
Page
Seite 513 (sequence 9)
Language
German
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513 die berliner Mendelssohn-Ausstellung. Die Eröffnung der Moses-Mendelssohn-Aussicllung in der Preußischen Staatsbibliothek Unter Den Linden, die sich zu diesem Zweck mit der Berliner Jüdischen Gemeinde verband, gestaltete sich zn einer eindrucksvollen Feier. In dem großen Hiuptsaal, der in erstaunlichem Reichtum die bildschön Darstellungen Mendelssohns mit den kostbarsten Briefen, Handschriften, Erstausgaben vereint, grüßte von der Längswand zwischen Blumen Antoine Tassaerts meisterliche Marmorbüste, die der Jüdischen Gemeinde gehört. Von der >chmalwand rechts blickten die bedeutenden Porträts von Anton Grass und I. C. Frisch herab, von der links der kunstvoll gestickte Thora- Vorhang aus weißem Atlas, den Mendelssohn cinft der Synagoge zu Altona gestiftet hat. Von der ungeheuren Volkstümlichkeit des Philosophen lic\i die Zahl der graphischen Bildnisse, die nach ihm gezeichnet, gestochen, lithographiert wurden, Zeugnis ab: es sind 53 Nummern. Die Ausstellung ist weiterhin so angeordnet, daß im nächsten Saal die geistige Welt um Moses Mendelssohn in Bildern und Schriften austaucht; man überblickt den erlesenen Kreis der Männer und Frauen, mit denen er in persönliche Berührung gekommen oder in Briefwechsel stand, darunter die interessante Reihe hervorragender Persönlichkeiten aus der damaligen Berliner Iudenschaft. Ein letzter Saal setzt die mit höchster Sorgfalt zusammengebrachte Reihe der Manuskripte und Bücher fort und führt an den Wänden Porträts der Familie Mendelssohn vor, die bis zum Vater des gegenwärtigen Präsidenten der Berliner Industrie- und Handelskammer reichen. So wurde die Ausstellung nicht nur ein Dokument sür den großen Menschen und Forscher, der in ihrem Mittelpunkt steht, sondern zugleich ein breites Kulturbild der freien Geistigkeit der Ausklärungsepoche, ein Ausschnitt zumal aus der Vildungswelt des sriderizianischen Berlin. Neben der lebendig sprechenden Folge der Bilder fesselt besonders der lückenlose Aufmarsch der Werke Mendelssohns und der literarischen Denkmäler, die mit ihnen in Zusammenhang stehen — von den Bänden der Jeßnitzer Druckerei, die zu jener Zeit als jüdische Offizin im Anhaltinischen berühmt war, über die höchst wertvolle, Jahrhunderte alte, geschriebene hebräische Bibel, aus der Moses die Psalmen übersetzte, über die Philosophischen Gespräche, den Phädon, die „Morgenstunden", die Preisschrift der Berliner Akademie von 1763 („lieber die Evidenz in metaphysischen Wissenschaften") bis zu den ersten, kürzlich erschienenen Bänden der Jubiläumsausgabe, die eben jetzt die Akademie der Wissenschaften veranstaltet. Zur Eröffnungsfeier hatte sich ein großer Kreis von Persönlichkeiten der amtlichen, gelehrten, literarischen und gesellschaftlichen Welt Berlins eingefunden. An der Spitze Neichsinnenminister S e v e r i n g mit Staatssekretär Tr. Z w e i g c r t, der preußische Kultusminister Tr. Becker, sowie an der Spitze mehrerer Mitglieder der Familie des Philosophen Handelskammerpräsident Franz v. M e n d e l s s o h n. Der Generaldirektor der Staatsbibliothek Dr. K r ü ß begrüßte die Gäste; Dr. Sandler vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde schloß sich ihm an. Professor E l b o g e n von der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums gab, eine orientierende liebersicht über Inhalt und Sinn der Ausstellung. Er konnte seine Ausführungen mit einem schönen Worte Moses Mendelssohns selbst abschließen, das mit der wunderbar klargesormten Schrift des Philosophen in ein Stammbuch eingetragen und hier zu lesen ist: „Nach Wahrheit forschen — Schönheit lieben — Gutes wollen — das Veste tun." Wahrlich, das ist in knapper Formulierung eine Zusammenfassung des Denkens und Strebend, von dem die vornehme, gütige Menschlichkeit dieses jüdischen Forschers erfüllt war, der nach dem Worte eines christlichen Zeitgenossen „der erste war, der de« deutschen Prosa gleichsam die Form gab, die sie vorher nicht hatte, der sie zum philo- Fachinger Yersandstelle, Berlin SW 11, Scböneberger Strasse 16a. Telefon: Lützow 8260/61. sophischeu Ausdruck zu bilden wußte und in der deutschen Sprache dasjenige mit Zierlichkeit vortrug, was man bisher nur fremden Sprachen zugeschrieben hatte". — Alle Redner sprachen besonders den Männern, die die Ausstellung hergerichtet haben, aufrichtigen und wohlverdienten Dank aus: dem Leiter der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek, Professor D e ge r i n g , sowie dem Oberbibliothekar der Jüdischen Gemeinde und dem Kustos ihrer Kunstsammlungen, den Herren Dr. Moritz Stern und Dr. Karl S ch w a r z. M. 0. Der Centralverein hat eine Anzahl von Exemplaren des wertvollen Buches von Seifensieder, „Mendelssohn, das Märchen meines Lebens", erworben und ist bereit, grössere Quantitäten zur Verteilung an Bibliotheken oder als Prämien zn Sonderpreisen abzngeben. Kleine Chronik. Der langjährige Vorsitzende unserer Ortsgruppe R a t i b o r, Rechtsanwalt Gustav Steiner, rst vor wenigen Tagen plötzlich gestorben. Wir betrauern in ihm einen unermüdlichen Vorkämpfer für unsere gemeinsamen Ideale. Sein Andenken wird in unseren Reihen fortleben. — Die jüdische Gemeinde Treis a. d. Lumda, Kreis Gießen, hat aus Anlaß ihres 160jährigen Bestehens ihre alte Synagoge vollständig neu Herrichten lasten. Die Einweihung wurde in Anwesenheit des evangelischen Pfarrers, des Bürgermeisters und eines Vertreters der Lehrerschaft in feierlicher Form vollzogen. Die umliegenden israeli- Ein Freund auf den Sie sich unbedingt verlassen könnenl MERCEDES BENZ

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