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Central-Verein-Zeitung · 1929-09-06 · 36 (6.9.1929) · p. Seite 484

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
36 (6.9.1929)
Date
1929-09-06
Page
Seite 484 (sequence 8)
Language
German
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4S4 Wirkt vorbeugend! Fachinger Yersandstelle, Berlin SW 11, Schöneberger Strasse 16a. Telefon: Lützow 8260/61. UnsereLeser schreiben: Selbstkritik! In seinem „Zweierlei Maß" überschriebenen Artikel in Nr. 33, vom 10. August d. I., der „C. V.-ZeiLung" bemängelt es Herr Stern, daß „mancher jüdische Literat und Politiker jene Vorgänge" während des Krieges, bei denen Vertreter aller Konfessionen in Gottesdiensten und Gebeten den Segen Gottes auf unsere Waffen herabflehten, „mit der ätzenden Lauge ihres Sarkasmus übergießen oder nach der Parole ,Jmmer feste druff!' die Peitsche ihrer Kritik darüber schwingen!" Sicherlich kann solch eine Kritik in einer Form geschehen, die „ausfallenden Mangel an Objektivität" verrät. Aber — können wir denn heute schon ganz aus sie verzichten? Können wir darauf verzichten, immer wieder darauf hinzuweisen, daß der Krieg selbst die Vertreter der Religionsgemeinschaften zu „fluchwürdiger Blasphemie" veranlaßt hat, zur Preisgabe der Grundsätze jeder religiösen Ethik, zum Verrat an allem, was als heilige und unumstößliche Wahrheit jahrhundertelang gegolten hat? Und können wir anderseits verzichten darauf hinzuweisen, daß wir Juden aus der damaligen „geistigen 'Verwirrung" gelernt haben, daß unsere Rabbiner aus ehrlichster Ueberzeugung heraus heute dem alten jüdischen Friedensideal dienen, daß wir unsere Jugend wirklich im Geiste der Volkerversöhnung erziehen, daß die jüdische Gemeinschaft allüberall ehrlich am Friedenswerk mitarbeitet? Können wir darauf verzichten, diese Wandlung innerhalb unserer Gemeinschaft allen zu zeigen? Nein! Sehen wir in irgendeine beliebige Zeitung der radikal rechtsstehen¬ Zur Vorbereitung für die Kommunal wählen veranstalten die Gross-Berliner C. V.-Frauengruppen am Montag, dem 16. September 1929, abends 149 Uhr, im Bürgersaal des Rathauses, Königstrasse, eine Frauenversammlung, bei der Frau Stadtrat Klara Weyl sprechen wird über „Die Arbeit der Frau in der Stadtgemeinde“ und Frau Stadtverordnete Dr. Frieda Wunderlich über „Frauenpflichten im November 1929". Im Anschluss an die Vorträge findet eine Aussprache statt, in der führende Persönlichkeiten aus der Kommunalarbeit der Stadt Berlin das Wort ergreifen werden. Unsere Mitglieder (Damen und Herren) sind herzlich willkommen. I. A. Margarete Fried. den Kreise, gehen wir in irgendeine Versammlung der sogenannten „vaterländischen" Vereine, dann lesen, sehen und hören wir, wie es heute noch viele, allzu viele Vertreter der christlichen Konfessionen gibt, die aus dem schrecklichen Völkermorden nichts gelernt haben, die nach wie vor sich an chauvinistischen, völkerverhetzenden Phrasen berauschen, die immer noch den Krieg als „gottgewollt" verherrlichen und der Jugend von „unseren Feinden" als den „Verbrechern, Kulturschändern" usw. erzählen. Hier sollten wir Juden weit deutlicher als bisher im Verein mit allen ehrlichen Friedensfreunden einen scharfen Trennungsstrich ziehen Zwischen solchen „Christen" und uns. Hier sollten wir den Mut haben, zu zeigen, daß es bei uns keinen, aber auch keinen einzigen Vertreter unserer Konfession gibt, der sich für derartige „vaterländische" Zwecke hergibt. Hier sollten wir offen erklären, daß wir gerade als bewußte Juden und vaterlandsliebende Deutsche jede Hetze, auch die Hetze der Völker gegeneinander, aus das .entschiedenste ablehnen' und verdammen. Wenn wir uns so ehrlich aus die Seite des friedliebenden Deutschland stellen, werden wir bei allen gerechtdenkenden Nichtjuden Achtung und Anerkennung finden, dann werden wir weiterhin auch all den vielen Juden, die im Kreise ihrer nichtjüdischen Mitarbeiter in diesen Dingen oft haltlos und unsicher sind, einen festen Halt und inneres Rückgrat geben. Selbstkritik? Ja! Aber auch in diesem Punkte! Und in diesen Dingen sind wir bisher allzu zurückhaltend gewesen. Franz Kaelter (Hellerau). Neue Bücher Die Besprechung der Werke behält sich die Schriftleitung vor. Wilhelm Stok: Geheimnis, Lüge und Mißverständnis. Duncker u. Humblot, München 1929. — Zeitgenossen über Herzl. Herausgeber:- Dr. Th. Russenblatt. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn 1929. — A. M. Frey: Die Pflasterkästen. Gustav Kiepenheuer, Potsdam 1929. — Dr. I. M. Isler: Rückkehr der Juden Zur Landwirtschaft. I. Kaufmann, Frankfurt a. M. 1929. — Das jüdische Magazin Juli-August. Herausgeber R. Pollak. Selbstverlag. 1929. — Wilhelm Heienbrok: Vom evangelischen Religionsunterricht der Gegenwart. Ferdinand Hirt, Breslau. 1929. — Edmond Fleg: Moses. N. Piper u. Co., München 1929. — Handbuch des deutschen Staatsrechts. Herausgegeben von Geheimrat Aufchütz und Richard Thoma. I. C. B. Mohr, Tübingen 1929. — Dr. Friedrich Wilhelm Meier: Israel in der Heilsgeschichte. Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, München. 1929. — Johann Peter Steffels: Religion und Politik. Herder, Freiburg 1929. — Maximilian Stein: Vorträge und Ansprachen. I. Kaufmann, Frankfurt a. M. 1929. — Leopold Hrchler: Moses Mautner und sein Sohn. R. Löwit, Wien 1929. — Walter Sulzbach: Nationales Gemeinschaftsgefühl und wirtschaftsliches Interesse. C. L. Hirschfeld, Leipzig 1929. — Dr. Herm. Heller: Europa und der Faschismus. Walter de Gruyter u. Co., Berlin 1929. — Dr. H. Steinlein: Luthers Stellung zum Judentum. Landesverein für innere Mission, Nürnberg 1929. Meine Chronik. Am 5. September feierten unsere treuen Mitglieder Menko H e i l b r o n n und seine Gattin in Thann (Rhön) in körperlicher und geistiger Frische das Fest der glodenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Seit mehr als 40 Jahren versieht Herr Heilbronn ehrenhalber das Amt eines Hilfsvorbeters. Auch im politischen Leben hat sich der Jubilar betätigt. Vor dem Kriege war Menko Heilbronn lange Jahre Stadtverordneter und stellte sein reiches Wissen in den Dienst der Allgemeinheit. Aber auch seine Frau, die dem Vorstand des Israelitischen Frauenvereins 15 Jahre angehört, hat sich um das soziale Leben von Tann große Verdienste erworben. — Das Ehepaar E. I tz i g, B e r l i n - L i ch t e r f e l d e - O ft, feierte am 2. September goldene Hochzeit. Herr und Frau Jtzig sind seit Bestehen des Centralvereins unsere treuen Mitglieder. — Unser Mitarbeiter, der bekannte Dichter und Schriftsteller Ernst L i s s a u e r, Wien, gibt seine Vermählung bekannt. — Das Fest der silbernen Hochzeit feierte mit seiner Gattin am 28. August das rührige Vorstandsmitglied unserer Ortsgruppe Berlin 8, 8W, SOAlfredAbraham. - L. Knurr (Aurich), unser jahrelanges Mitglied, feierte kürzlich seinen 70. Geburtstag und sein 30jähriges Schülvorstandsjubi'läum. Bürgermeister und Regierungspräsident gratulierten Herrn Knurr, einem der angesehensten Bürger der Stadt, persönlich. — Am 4. September beging unser langjähriges Mitglied Isidor Fabian (Königsberg) seinen 70. Geburtstag. Isidor Fabian.ist eines der angesehensten Mitglieder der Königsberger Synagogengemeinde, an deren Leben er in erheblichem Maße Anteil nimmt. So gehört er seit Jahrzehnten den Gemeindekörperschaften an und ist zurzeit Vorsitzender der liberalen Fraktion der Repräsentantenversammlung. — Am 19. August feierte Alfons K o b 1 i n e r in Neiße, der lange Jahre Schatzmeister unserer dortigen Ortsgruppe war, seinen 50. Geburtstag. ~~ An: 19. August beging Frau Julie F r e u d e n t h a l (Beuthen, O.-Schl.), die langjährige frühere Vorsitzende des dortigen Israelitischen Frauenvereins, ihren 70. Geburtstag. — Unser jahrelanges Mitglied, der bisherige Stadtverordnete Richard Philipp (Nordhausen), ist zum Stadtrat ernannt worden. Bei seiner Amtseinführung führte Stadtverordneter Kneifs u. a. aus: „Wir verlieren einen kundigen und geschickten Führer, einen schlagfertigen Wortführer, den besten Etatkenner und glänzenden Etatredner. Es war früher das Vorrecht und bleibt immer der Stolz der Stadtverordnetenversammlung, ihre Besten an den Magistrat zu verlieren." — Max S ü ß k i n d, Berlin, der seit Bestehen des C. V. unser Mitglied ist, feierte am 2. September sein Jubiläum als Kastellan der Synagoge Rykestraße. Wir gratulieren allenunseren Freunden und Mitarbeitern herzl ich st. — Der langjährige Vorsitzende unserer Ortsgruppe Dieburg, Abraham L o e b, dessen verdienstvoller Tätigkeit für die deutsch-jüdische Sache wir vor einigen Wochen gelegentlich der Einweihung der neuen Synagoge in Dieburg an dieser Stelle gedenken konnten, ist unerwartet verschieden. Unser Landesverband Hessen-Nassau und Hessen verliert mit ihm einen seiner treuesten und wahrhaft vorbildlichen Mitarbeiter, der stets aufklärend für uns wirkte. Der Landesverband war durch seinen Syndikus Dr. Marx vertreten, ' der der Familie des Verstorbenen für seine unermüdliche Mitarbeit Dank aussprach. Wir werden das Andenken Abraham Loebs stets in Ehren hätten. — An der zweiten Vorkonferenz des von der „Churcl: Peace Union“ vorbereiteten Weltfriedenskongresses der Religionen waren die jüdischen Kreise verschiedener Länder erheblich stärker beteiligt als an der vorangehenden. Der inzwischen gegründete „Jüdische Friede nsbun d", an dessen Spitze Oskar Wassermann steht, hatte den Vorsitzenden seines Arbeitsausschusses zu der Tagung entsandt. Von besonderer Bedeutung ist der von der Vorkonferenz nach langer: Diskussionen gefaßte Beschluß, den religiösen Weltfriedenskongreß nach Jerusalem einzuberufen. — Die Synagogengemeinde F l a t o w (Grenzmark) feiert am 15. September d. I. das 50jährige Bestehen ihrer Synagoge. Die Festandacht findet nachmittags 3 Uhr in der Synagoge statt, die Festpredigt wird von dem Bezirksrabbiner Dr. R o s e n z w'e i g (Schneidemühl) gehalten. Freunde und Gönner sind zu der Feier herzlich willkommen. Niederlaffungsmöglichkeit. Nr. 224. In Kleinstadt Norddeutschlands für einen Arzt. — Anfragen an das Büro des Centralvereins, Berlin SW 68, Lindenstraße 13. Nachtrag und Berichtigung unseres Bäder- und Gaststättenverzeichniffes. Restaurant „Bayerischer Hof", Augsburg (nicht zu verwechseln mit „Hotel Bayerischer Hof"), legt auf jüdische Gäste keinen Wert. Dem Gastwirt Frank Merk, Grafenhauseu (Baden), sind jüdische Gäste unerwünscht. Hotel GeSr. Röhrl, Straubing, teilt uns mit, daß ihm Gäste jeder Konfession gleich willkommen sind. Unsere Veröffentlichung in Nr. 26 d. I., wonach der Wirt des „Gasthauses zum Sternen", Höllsteig, sich judengegnerisch geäußert haben soll, beruht auf einem bedauerlichen Mißverständnis. Mit dem Irrtum unseres Gewährsmannes in der Schilderung des Vorganges entfallen selbstverständlich auch die daran geknüpften Schlußfolgerungen. Wir suchen: 1. Bauführer mit langjähriger Praxis, mehrere Radiotechniker mit guter Praxis für Berlin, Diplomingenieur mit Erfahrung im Chassisbau. 2. Laufend Stellen für Ingenieure des Maschinenbaues, Elektrotechnik und für Chemiker. 3. Stellungen für Architekten. Arbeitsgemeinschaft der Jüdischen Arbeitsnachweise, Abteilung für Akademiker, Berlin N, Auguststr. 17. Tel.: Norden 7085—7087 und 9130. Kur Supra! 12/60 PS. Für Reise, Hoi* Hßllfcpho W^fionl 2-, 4- und 6sitzig, Sport und Beruf. UCi UCIIlowliu Tv uy ClI I offen u. geschlossen. WaUenlabriken Slm s o n £ Es.. AbLAntomobiifabriken Suhl i.Thlir«

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