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Central-Verein-Zeitung · 1929-09-06 · 36 (6.9.1929) · p. Seite 483

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
36 (6.9.1929)
Date
1929-09-06
Page
Seite 483 (sequence 7)
Language
German
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4$3 als ein deutsch-österreichischer Dichter jüdischen Glaubens. Wenn er seither von radikal zionistischer Seite sich starken Angriffen ausgesetzt sieht — vielleicht freut ihn gerade heute an seinem Festtage die Versicherung, daß der weitaus überwiegende Teil deutschen Judentums so denkt wie er-, so suhlt wie er und unbeirrbar in ihm den sieht, der er ist. Diesen Zuruf und dieses Bekenntnis zur Freundschaft wollen wir ihm mitgeben in ein für uns alle hoffentlich freieres, fröhlicheres und friedlicheres Jahrzehnt. Robert Neumann. Men-elsi-hn-Keieirn. Serlin. Aus Anlaß der 200. Wiederkehr des Geburtstages von Moses Mendelssohn hatte am letzten Sonntagvormittag der Landesverband Groß-Berlin die Delegierten und Freunde des E. V. zu einer Feierstunde eingeladen. Trotz tropischer Hitze waren über 200 Damen und Herren im Logenhaus versammelt. Dr. Bruno G l a s e r f e l d, der Vorsitzende des Landesverbandes, erinnerte an den schweren Verlust, den der C. V. durch - das Hinscheiden der Herren Professor Toby Cohn und Moritz Türk erlitten habe, und gedachte dann in warmen Worten der entsetzlichen Vorgänge in Palästina. Dr. Ludwig Holländer, der Direktor des C. V., sprach über: „W a s lebt von Moses Mendelssohn i n u n s und für uns?" In uns, so führte Tr. Holländer aus, lebt Moses Mendelssohn durch sein Streben nach Klarheit und Wahrheit, durch die Anerkennung der Werte der deutschen Sprache und Kultur, durch Umwandlung von Nation zum Volksbestandteil und durch die Liebe zu unserer Gemeinschaft. An Hand dieser leitenden Gedanken zeigte Holländer die Bedeutung dieses ersten wirklich deutschen Juden. „Wir müssen den Mut von Mendelssohn bewundern, der sich auch solchen Widerständen gegenüber durchsetzte, die mit einer ungeheuren Gefahr verbunden waren. Dieser Mut lebt als heiliges Erbe von Moses Mendelssohn weiter und weist uns die Wege unseres politischen Kampfes. Wenn Mendelssohn das Wort Nationaljude gebraucht, so versteht er darunter nur die Gcburtsgcmeinschafl. Der politische Sinn, den heute dieses Wort umfaßt, war der damaligen Welt unbekannt. Mendelssohn hat die Notwendigkeit erkannt, mit Nichtjuden unsere politische Lage zu erörtern, er hat den Fortschritt der Menschheit, neue Rechte zu erlangen, in der unentwegten Erneuerung des Optimismus gesehen, und die Gefahrenquellen ausgedeckt, aus denen immer wieder die ungerechten Verleumdungen der Juden hergeleitet werden. Mendelssohn fußte insbesondere aus der Philosophie von John Locke und auf dem Lehrgebäude des Maimonides. Tr. Holländer setzte auseinander, welche Lehren Lackes imb welche Wahrheiten des Maimonides Mendelssohn in sich aufgenomruen hatte. Er Zeigte, wie er sie verarbeitete, welche Ergebnisse er aus seiner geschlossenen Ueberzeugung zog, welche praktische Bedeutung diese Ergebnisse hatten und haben, was der eigene Gedankenschatz Mendelssohns enthält und was er lediglich aus dem Gedanken anderer großer Meister der Menschheit entnommen hatte. Holländer schloß mit dem Wort: Arbeiten und nicht verzweifeln. Mendelssohn lebt in uns, weil er uns Heutige geschaffen hat. Er lebt für uns, weil er uns den Wert unserer Arbeit gezeigt hat. Nach diesem mit langanhaltendem Beifall aufgenommenen Vortrag nahm Rechtsanwalt Dr. M a r c u s e (Stettin) das Wort zu seinen Ausführungen über „I n t e r e s s a n t e s aus der sch w e r um kämpften Provinz P o m m e r n". Interessantes, so führte der Redner aus, bedeutet leider Ernstes. Mit dem wirtschaftlichen Boykott Die Originalradierung Moses Mendelssohns von Werner A. Hoffman«, die die Titelseite unserer Mendelssohn-Nummer zierte, stammt ans dem Kunstverlag von Wohlgemuth & Leisner, Berlin SW 48, Das Bild hat eine Originalgröße von 30: 32 Zentimeter. greift die Landflucht der pommerschen Juden immer weiter um sich; die Nationalsozialisten scheuen kein Mittel, um gegen die Juden zu Hetzen. Hilfe gegen diese ungeheuren Umtriebe kann nur durch geeignete Aufklärungsvorträge kommen. Mareuse schloß seine interessanten Ausführungen mit dem Wunsche: Möge es der tatkräftigen Hilfe des Centralvereins weiter gelingen, Pommern uninteressant machen. M. F. * Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die Akademie für die Wissenschaft des Judentums und die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums veranstalten Sonntag, 8. September, vormittags 1154 Uhr, in der Singakademie eine Mendelssohn-Gedenkfeier, bei der Rabbiner Tr. Baeck die Festrede hatten wird. Dessau. Am 6. September, dem 200. Geburtstag Moses Mendelssohns, beginnt die Stadt Dessau ihre Festlichkeiten zu Ehren dieses großen Bürgers mit einer Vorstellung des „Nathan". Sonnabend vormittag wird von Vertretern der Familie und der beteiligten öffentlichen Stellen eine Kranzniederlegung am Grabe Mendelssohns erfolgen. Eine religeöse Feier in der Synagoge, bei der Landesrabbiner Dr. W alter die Festrede hält, schließt sich an. Nachmittags wird die Moses-Mendelssohn-Ausstellung in der Anhaltischen Gemäldegalerie durch den Ministerpräsidenten Deist eröffnet. An die Eröffnung der Ausstellung wird sich ein Tee schließen, den die Israelitische Kultusgemeinde^zu Dessau allen Festteilnehmern geben will. Ein Abendkonzert, in dem Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy zum Vortrag gebracht werden und eine akademische Feier der Stadt an: Sonntag morgen sollen den harmonischen Abschluß der Feiern bilden. Professor Dr. Moritz Türk. Bon Direktor Dr. Gutmann. Am 27. August d. I. ist Herr Professor Dr. Türk gestorben, vier Monate nachdem er seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte. Professor Türk ist eines der ältesten Mitglieder des Centralvereins gewesen. In ihm hatte sich Judentum und Deutschtum in seltener Harmonie vereinigt. Türk war ein schlagfertiger Redner, dem das rechte Wort^ jederzeit zu Gebote stand, ein glänzender Schriftsteller, ein ausgezeichneter Kenner der deutschen Literatur, ein Verehrer Goethes, ein Liebhaber deutscher Landschaften, mit denen ihn häufige Reisen innig vertraut gemacht hatten. Sein Ideal war ein deutsches Judentum, in dessen Gottesdienst und Gemeindeleben sich Deutschtum und Judentum innig verbanden. Türk war als Knabe nach Berlin gekommen, wo sein Vater die Stelle eines Kültusbeamten an einer Privatgemeinde bekleidete. Trotz der Enge der häuslichen Verhältnisse gelang es ihm, das Gymnasium zu besuchen, klassische Philologie zu studieren, das Examen pro 8ae. abzulegen und nach einigen .Kandidatenjahren eine Anstellung an einer städtischen Realschule zu finden. Eine Anstellung an einem Gymnasium, die für den klassischen Philologen das Gegebene gewesen wäre, war damals für einen jüdischen Kandidaten fast unerreichbar. Als Lehrer erfreute sich Türk wegen seines klaren Unterrichts, seines energischen, gerechten und gütigen Wesens bei seinen Schülern großer Beliebtheit. Aber seine vielseitigen Fähigkeiten kamen erst recht zur Geltung, als er sich in jüdischen Organisationen, zunächst im D. I. G. B., dann in der Berliner Jüdischen Gemeinde und schließlich im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden betätigte. Im D. I. G. B. leitete er viele Jahre die Subventionskornmission, in der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde gehörte er dem Schul- und Talmnd- Thora-Vorstand und der Repräsentantenversammlung an, zuletzt als Vorsitzender und allgemein anerkannter Führer der liberalen Fraktion; im Rat des Landesverbandes, dessen stellvertretender Vorsitzender er war, leitete er den Wohlsahrtsausschnß und das Kuratorium der Vorbereitungsanstalt. In allen diesen Tätigkeiten bewährte er seinen klaren, tief dringenden Verstand, seine umfassende Sachkenntnis, sein tatkräftiges Wollen, sein starkes Interesse für alle jüdischen Angelegenheiten. Der Tank aller derer, die ihn gekannt und geschätzt haben, folgt ihn in die Ewigkeit. Veuäe und k . neuwi tfildet- $ut$cwUi Zuntz-Bilder, das neue bejubelte Gammel-Objekt Zuntz-Gutscheine sind so gut wie bares Geld! 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