Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 36 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- Seite 477 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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enmtl Serlin, ö. September 1-L- VIII. Jahrgang * Ar. 36 Einzelnummer 20 Pfennig Plätter sürpeutsckkur^ unöluoenMm BierteliahrsaLonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld) vraan öes LentnüLerems bcutscster Staatsbürger iübiÄrea olauvens'Ä»?^1I^8rri8lri8 Lsiruri^ ciss orrclsririrnris Verlag und Schriftleitung: Berlin SV 68. Lindenstr. 1». Amt Dönhoff 3594, 3505. Postscheckkonto: Berlin 30472. Bankkonto: Dresdner Bank. Wechsel» stube G, Berlin 8^V 68, Lindenstraße 7, und von Holdschmidt-RothschUd & (So., Berlin W 8. , . Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin 8^V1v0, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90für die 7gcspaltene Zeile nach Rudolf Mosies Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 die 62 nun breite Reklamezeile JcM. & * Lei- und Sorgen im Heiligen Land. I» Palästina, auf das sich die Hoffnung so vieler bedrängter uud verfolgter Juden aus alle» Ländern richtet, wüten Pogrome: Weit über hundert jüdische Menschenleben sind schon vernichtet worden, und noch immer ist das Ende der Freveltaten schwer abznsehen. Tiefstes Mitgefühl ergreift nicht nur jeden Inden, sondern jeden gerecht Denkenden Menschen, der die Nachricht über diese -> Tötung friedlicher und arbeitsamer Menschen vernimmt. Wir bedauern auch diejenigen Araber, die, von verantwortungslosen Führern ausgehetzt, Opfer ihres fanatischen Vorgehens geworden sind. Unsere Religion kennt nicht Hast und nicht Rache. Wir fühlen mit allen, die unglücklich und elend sind und beklagen es darum änfs tiefste, dast es nicht gelungen ist, sachliche Streitigkeiten friedlich zu klären. Man mag zu der Politik der Zionisten stehen, wie man will: an diesem Blute find sie unschuldig. Denn immer haben sie, bis ans ganz wenige Kreise, den Frieden und die Freundschaft mit den Arabern gewünscht. — Die gebildete Welt ist entsetzt über die Untaten, die geschehen sind! Wir hofsen zuversichtlich, dast bald den Inden überall aus der Welt und auch in Palästina der Frieden werden möge, den die Gesamtjndenheit stets als Ziel ihrer letzten Wünsche betrachtet hat. I». H. Zur Lage. Von Kammergerichtsrat Dr. I. Stern (Berlin). In Palästina sind Araberunruhen von solchem Umfange ausgebrochen, daß man von einem' A u f st a n d e sprechen kann. Auch aus den angrenzenden Ländern, wie Transjordanien und Syrien, erhält er Zuzug. Die Zahl der Toten und Verwundeten geht in die Hunderte. Unter ihnensind Juden, Mohammedaner, Christen. Wie stets bei solchen Ereignissen: sie machen nicht halt bei denen, gegen die sie zunächst gerichtet waren. Ein Gefühl der Trauer und der Empörung geht durch die Welt. Es ergreift nicht nur die Juden aller Richtungen, sondern jeden Kulturmenschen. Tenn Palästina ist die Heimat der Religionen und der Sitz uralter Kultur, mit der die Entwicklung Vorderasiens, Europas und Amerikas verknüpft ist. Als ich im Herbst 1924 Palästina bereiste und unter sachkundiger Führung die jüdischen Siedlungen in allen Teilen des Landes besuchte, war die Erinnerung an die blutigen Unruhen des Jahres 1920 noch wach, und mancher sprach von dem als Held gefeierten Trumpeldor, der damals mit vielen anderen bei den Kämpfen in Galiläa gefallen war. Man sprach auch von der Möglichkeit der Wiederkehr solcher Ereignisse, vom Selbstschutz namentlich in den vereinzelt liegenden Siedlungen, von den englischen Fliegergeschwadern, deren Bomben Araber- und Beduinenschwärme bei ihren Angriffen aus Kolonien zersprengt, znm Teil geradezu vernichtet hätten. Was sich aber jetzt ereignet hat, übertrisft alle Befürchtungen. Wie konnte es zu diesen beklagenswerten Ereignissen kommen, die sich Zunächst unmittelbar zwischen Juden und Arabern abspielten? Tie Vorgänge an der Klagemauer, dem Rest des Tempels Salomos, einer hochheiligen Stätte des Judentums, in unmittelbarer Nähe der mohammedanischen Heiligtümer auf dem einstigen Tempelplatz, sind nur der äußere Anlaß. Tie behördliche Entfernung der spanischen Wand an der Klagemauer anläßlich des vorjährigen Versöhnungstages auf Verlangen des Groß- Musti von Jerusalem, die mohammedanischen Neubauten dicht an der Klagemauer, die Störung des jüdischen Zuges zur Klagemauer am diesjährigen Gedächtnistage der Zerstörung Jerusalems durch demonstrierende Araber haben dazu beigetragen, die bestehende Spannung zwischen Juden und Arabern zu verschärfen. Tie englische Polizei blieb vielfach passiv oder wandte sich, wie beim Leichenzuge des ersten Ln dieser Nummer finden Sie: Seite 478. Artur Schweriner: „Araber und . Juden“. — Seite 479. Dr. Ludwig Holländer: „Prozess in Oranienburg“. —- Seite 482. Dr. Gertrud Bäumer: „Ein Politiker des Gedankens“. — Seite 482. Robert Neumann: „Felix Salten — sechzig Jahre alt“ u. a, in* jüdischen Todesopfers dieses Jahres, gegen die Inden. Erst in den letzten Tagen, als der volle Ernst der Lage durch den allerorten in Palästina auslodernden Aufstand sichtbar wurde, begann England seine großen militärischen Machtmittel einzusetzen. England wird des Aufstandes in Palästina Herr werden. Englands „Kolonialgeschichte" ist reich an Beispielen — man denke an den Riesenaufstand in Indien vom Jahre 1957 —, die zeigen, daß der „Herr über Asien" regelmäßig erst spät, wenn schwere Verluste an Leben und Eigentum eingetreten sind, auf dem Plan erscheint und die Ausstände in Blut — heute wohl auch in Giftgas — erstickt. Tie Opfer sind schließlich die verhetzten, irregeleiteten Massen. Tie im Hintergrund planmäßig arbeitenden Erreger der Unruhen wissen sich fast immer in Sicherheit zu bringen. So wird es anch bei diesem Araberausstand gehen. An sich ist der Araber kein Feind des Juden. Im Verlauf ihrer langen, ruhmreichen Geschichte sind die Araber oftmals mit den Juden in freundschaftliche Berührung gekommen. In Palästina fühlen sie.sich vielfach durch die Zionisten in ihrem Landbesitz gefährdet, aber auch in religiöser Beziehung bedroht, z. B. durch völlig unwahre Gerüchte. Das Märchen von der geplanten Umwandlung der den Mohammedanern heiligen OmarBNoschee auf dem Tempelplatz in eine jüdische Gebetsstätte., eine der denkbar plumpesten Erfindungen, hat unendlich viel zur Erregung der Gärung unter den Arabern beigetragen: dabei müssen wir immer die Zahlenverhältnisse der Bevölkerung Palästinas vor Augen hüben. Nach der letzten.