Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 34 (23.8.1929)
- Date
- 1929-08-23
- Page
- Seite 441 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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enmtt PMter sürHeutsctitmnW «rrSMSentum Vierteljahrsabonnement 2,SO RM. (zuzügl. Bestellgeld), erlag und SchriftleiLung: Berlin SW 68, Linde nstr. 13. Serlin, 23. August 192- VNI. Jahrgang * Ar. 34 Einzelnummer 2- Pfennig oryau öes lLuiralMÄus -rnticker ZLeinar>c^ des Oudenrums ... Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstratze 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 Hl für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mossea Norrnalzeilenmefser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) fllr Mitglieder des Lentralvereins 0,45 Mi, die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 Eisenmenger 1929. Die Religionsforschungen -es Hamburger Universttätsprofeffors passarge. Zrirörich Naumann zum Gedenken. 1^. 8. Am 24. August 1919 wurde Friedrich Naumann mitten aus Plänen für eine neue Zukunft aus diesem Leben abberufen. Wenn es wahr ist, daß jemandem um so größere Bedeutung zukommt, je mehr Menschen er in sich verein äst, je lebendiger, mit je größerer Wärme er die anderen Menschen umfaßt, so hat es Naumann verstanden, in allen Menschen zu leben, an alle sich zu verlieren, in die Vielheit auszugehen. In der Blüte seines Lebens ist er ein Mann gewesen, der den Sinn für echte Religiosität, für warmes Menschentum und für alle Gedrückten jedweden Standes und jedweder Abstammung in sich vereinte. Aus vielfältigen Erörterungen, die Freunde des C. V. in langen Jahren mit ihm gepflogen haben, wissen wir, wie fern Naumann jeder Gegnerschaft gegen uns Juden gestanden ist und wie er immer in Anerkennung der vaterländischen Dienste, biedre de utscheJudenheitihrer Heimat geleistet hat, aus nationalen und sozialen Gründen für aller Gleichberechtigung und- Gleich ach tun g ein getreten i st. Niemals hat Naumann der Stöckerschen Partei angehört. Was ihn mit Stöcker ehemals verbunden hatte, war, wie er schrieb, nicht etwa das Parteipolitische, sondern das Soziale, das Eintreten für die Armen und Bedürftigen. 1^ Unendliches hat Naumann für Vaterland und Freiheit geleistet; in Millionen von Menschen hat er das Gefühl für politische und soziale Gerechtigkeit geweckt. Stets hat er für das deutsche Volk, in seiner Gesamtheit, nie für dessen nationalistische Richtung gekämpft. Vornehm in seiner Sprechweise, rein in seinen Gedanken, durchsichtig in seiner 1 Darstellung, hat er bis zu seinem Tode dem neuen Staate gedient, in der Einsicht, daß dieser Staat nur leben könne, wenn seine Bürger den Gedanken von Vaterland und Freiheit und wahrer Gemeinschaft zum Siege bringen würden. Wenn wir am 24. August der Persönlichkeit Friedrich Naumanns gedenken, so ehren wir in ihm einen Mann, der uns allen für unsere Zukunft richtunggebend sein wird. Der Professor für Geographie an der Universität Hamburg Siegfried Passarge hat soeben ein 460 Seiten starkes Werk mit 153 Abbildungen unter dem Titel: „Das Judentum als landschaftskundlich - ethnologisches Problem^) erscheinen lassen. Das Buch will von „ganz neuen", nämlich kulturgeographischen Gesichtspunkten aus entscheidende neue wissenschaftliche Erkenntnisse über Herkunft und Charakter der Juden bieten. Die konstante jüdische Eigenart und die wesentlichen Ausdruckssormen des jüdischen Lebens sollen von der biblischen Zeit bis heute in ihrer Abhängigkeit von der orientalischen Landschaft und von den primitiven ursprünglichen, noch im Alten Testament erkennbaren Glaubensvorstellungen in Palästina betrachtet werden. Der „Z w ei g e s ch l e ch t e r g l a u b e n" des biblischen Jahwe-Kultus, der Fundamentalcharakter des „S arten" und die Lebensform der jüdischen Gemeinde im Ghetto, diese drei vom Verfasser gefundenen und erfundenen Begriffe, eine Art abgekürzter Hilfsvorstellungen sehr gemischter Natur — für wissenschaftliche Erkenntnis schlechthin unbrauchbar — sind die tragenden Säulen des neuen wissenschaftlichen Gebäudes, und zwar hängen diese drei Ausbau-Elemente wieder selbst untereinander in der Konstruktion des Verfassers aufs innigste zusammen. Die „Z w e i g e sch l e ch t e r - religion", die Weltanschauung des Naturi) Verlag I. F. Lehmann, München. In dieser Nummer finden Sie: S, 443. Bedauerliche Bilder aus deutschen Schulen. S. 444. Dr. Willi Lewinsohn: Von den Quellen judenfeindlicher Gefühle. §. 448. Br. Ä. Frischauer: Jüdische Tempel in China, u.a.m. menschen, gehe aus von der Zweigeschlechtigteit der obersten Gottheit als der Quelle alles Lebens und von der religiösen Heiligkeit des Geschlechtsaktes; diese Weltanschauung sei der Jahwe-Kult. „Eines der überraschendsten Ergebnisse der ethnologisch - kulturgeographischen Betrachtung ist die Feststellung, wie außerordentlich primitv der Jahwe-Kult in seinen Grundlagen ist. Manches hat sich überraschend deutlich, manches nur andeutungsweise erhalten. Gerade mit den Ansichten der primitivsten Australier bestehen starke Übereinstimmungen, das heißt, daß die Jähwe-Religion in den ursprünglichsten Empfindungen des Naturmenschen wurzelt." (S. 403.) In den Kultvorschriften des jüdischen Volkstums im Ghetto erkennt Passarge typische Gegenstände und Handlungen des Zweigeschlechterglaubens wieder. „Es kann kein Zufall sein, daß unausgesetzt Gegenstände und Handlungen, die ein Australier für männliche und weibliche Genitalien und für den Akt halten würde, auftreten." (S. 349). Beispiele: Der Mann mit dem Tallis (Gebetmantel) über dem Kops ist Zweigeschlechterwesen in Kohabitation, also zauberkrüstig. Die Gebetkapseln der Tefillin im primitiven Denken: Kapsel—'vagina—uterus, Pergamentstreis in den Tefillin—membrum. (S. 352.) Bei dem Verbot der Vermischung von Wolle und Leinen in der Kleidung fragt der Verfasser (S. 351): „Könnten beide Stoffe nach dem Glauben der Zweigeschlechterreligion gleichgeschlechtig sein? Dann wäre bei animistischem Denken ein Zusammenweben von Wolle und Leinen einfach eine homosexuelle Verirrung." Dieser ausgekochte Blödsinn vom Zweigeschlechterglauben als Grundlage der biblischen und halachischen Vorschriften der gesamten jüdischen Pslichtenlehre ist nicht etwa ein pikantes Nebenbei der Passargeschen Hypothesen, sondern die Stütze des ganzen Passargeschen Lehrgebäudes. Sein zweiter Eckpfeiler ist die Theorie vom Charakter des „Sarten" als des Erklürungsprinzips der konstanten jüdischen Eigenart. Der Name Sarte stammt von dem