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Central-Verein-Zeitung · 1929-08-02 · 31 (2.8.1929) · p. Seite 407

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
31 (2.8.1929)
Date
1929-08-02
Page
Seite 407 (sequence 7)
Language
German
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sondern in starkem Maße auch der technischen Bewältigung und der praktischen Leistung. Diese verwandelte Situation hat Schwierigkeiten geschaffen, ja sogar Erschütterungen hervorgerufen, die uns in den letzten Zehn Jahren oft genug auf eine harte Probe gestellt haben. Wir Zionisten waren stets überzeugt, daß nach der Erreichung unseres politischen Zieles' unsere Funktion sich ändern muß. ... Wir haben in unserer Organisation uns ein Instrument unseres Willens geschaffen . . . Aber wir vergessen niemals, daß die jeweilige Form dieser Organisation eben nur ein Instrument ist und nicht Selbstzweck. Einer Bewegung wie der unseren droht nur eine Gefahr: die der Veraltung der Formen, die Gefahr, statt Herr über die selbstgeschaffene Struktur zu sein, ihr willenloser Tiener zu werden. Die Erweiterung der ckewisk Agency schasst neue Organe innerhalb unseres zionistischen Gesichtskreises." Solche Anerkennung der Realitäten ist der Opposition ein Groll. Und deshalb fordern die Revisionisten. (deutscher Führer: Lichthei m), die die Erweiterung des Jewish Agency nach dem RMy-Mty-System und „die Schwäche und Planlosigkeit der zionistischen Leitung" bekämpfen: „daß die volle Souveränität eines demokratisch gewählten Kongresses gewahrt wird, dem allein das Recht zu steht, die ganze Körperschaft der Jewish Agency zu wählen und vor dem die Gesamtheit der Mitglieder der Jewish Agency die ungeteilte Verantwortung zu tragen hat". Und ähnlich kritisieren die Radikalen Zionisten (die deutschen Kreise um Nachum Goldmann) „den unzionistischen und undemokratischen Geist, der die bedingungslosen Anhänger der Erweiterungspolitik und unter ihnen wieder an erster Stelle die ,allgemeinen Zionisten* beherrscht". Deshalb -fordern die Radikalen Zionisten „die konstitutionelle Sicherung des Rechts der zionistischen Organisation, durch Beschluß' des Kongresses aus der erweiterten Jewish Agency wieder ci u § 5 11 * treten, wodurch die Jewish Agency als ausgelöst zu gelten habe und die zionistische Exekutive wieder in den Status der Jewish Agency zurückversetzt würde." Solche scharfen Forderungen sind der Ausdruck jener Besorgnis um die Zukunft der zionistischen Organisation, deren Bedeutung nach Schaffung der Jewish Agency zahlreichen zionistischen Parteien, nicht nur denen der Oppofxtion, geschwächt, ja bagatelliert erscheint. Die Besorgten sucht Präsident Dr. Weizm a n n zu beschwichtigen: „Die Botschaft des Zionismus ist noch lange nicht in jedes jüdische Haus gedrungen. Noch immer dient ein großer Teil unserer Jugend fremden Göttern in verschiedener Gestalt. Wir waren in den letzten Jahren ausschließlich konzentriert aus die praktische Arbeit in Palästina. Nach dem, was wir bereits erreicht haben, hat die Entscheidung für oder gegen das Palästina- Programm an Schärfe verloren. Worauf es ankommt, ist die Gewinnung der Jugend für die Entscheidung zu ihrer nationalen Verantwortung. Nicht aus die Nachahmung von Formen und Gedanken der nationalen Bewegungen anderer Völker kommt es an, sondern auf das Sichselbst-Wiederfinden als Jude, die Wiederherstellung der jüdischen Kontinuität. Aus diesem Grunde mutz die Kulturarbeit, das ist der Kamps um die Seele unserer Jugend, in Zukunft einen noch größeren Platz bei uns einnehmen als bisher." Wer also von der Schaffung der Jewish Agency ein Zurücktreten der nationaljüdischen Propaganda in der „Galuth" hinter die sachliche Aufbauarbeit erwartete, wird sich getäuscht sehen, sofern Weizmann recht behält. Darüber und über andere wichtige Dinge später! Dr. Hans Reiehmann. Sanatorium Rebhaus Freiburg i. Br. für Innere, Nerven* und Stoffwechselkranke. Pensionspreis einschliesslich laufender ärztlicher Behandlung ab MM 14,—. 1929 vollständig renoviert. Leitender Arzt: Dr. Ij. Mann. — Prospekte. Ernst Eajsirer, Rektor -er Universität Hamburg. Der soeben zum Rektor der Universität Hamburg erwählte Philosoph Professor Dr. Ernst C a s s i r e r gehört zu den führenden Köpfen deutscher Wissenschaft. Die Gabe der klaren und lichtvollen Darstellung vereinigt sich in ihm mit großer historischer Gelehrsamkeit und philosophisch schöpferischer Kraft. So liegt seine Bedeutung nicht nur in seinen Leistungen als Historiker der Philosophie und als Kant-Interpret; er hat vielmehr den Neukantianismus in fruchtbarer und selbständiger Weise weiterentwickelt. Cassirer ist ein Schüler Cohens, also Anhänger der sogenannten „Marburger Schule". Er knüpft ebenso wie Cohen an die Philosophie Kants an und steht damit mitten in der großen Tradition des deutschen Idealismus. Die theoretische Philosophie Kants hat die Naturwissenschaft seiner Zeit, also vor allem die Physik Newtons, zur Grundlage. Die Weiterentwicklung der exakten Wissenschaften (Nicht-enklitische Geometrie, Relativitätstheorie) machte es notwendig, die philosophischen Voraussetzungen der Wissenschaft aufs neue zu untersuchen. An der Lösung dieser Aufgabe, die für die Philosophie der Gegenwart überaus wichtig ist, hat Cassirer einen hervorragenden Anteil. Die naturwissenschaftliche Begrisfsbildung im allgemeinen und die Grundlagen der Relativitätstheorie im besonderen hat er in scharfsinnigen Untersuchungen herausleber 10000 Wagen nseres Typ Stuttgart 200 (8/38 PS) sind heute im In- und Auslande Im Verkehr. lieber 100000 Kilometer haben Wagen dieses Typs ohne Ueberholung zurückgelegt. 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