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Central-Verein-Zeitung · 1929-08-02 · 31 (2.8.1929) · p. Seite 401

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
31 (2.8.1929)
Date
1929-08-02
Page
Seite 401 (sequence 1)
Language
German
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Serlin, 2« flugust 1-2d V!H. Jahrgang * Nr. 31 Einzelnummer 20 Pfennig lenittft m*tein PWter sür-eulsclUllMdj undltwentum BkerteliahrSabonnement 2,SV m (Zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 8594^ 3505. .:. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube 6, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin SW 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Masse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 Ml, die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 c72«H. '0ryan des CfritralVmißS veutfcker Staatsvüryer isMscde« MsAveus-v. Z.eitiari^ des Judentums Der Dichter Druno Zrank gegen den Hochschulantisemitismus. Bruno Frank hielt kürzlich in einer Gegenkundgebung gegen die Zunehmende judenfeindliche Agitation an den Hochschulen vor Münchener Studenten eine Ansprache, über die er uns auf unseren Wunsch folgende Notizen übermittelt: „Ich gedachte einleitend des Todes Hugo von Hofmannsthals als eines deutschen Dichters jüdischer Abstammung, der unserer Sprache die feinsten und tiefsten Wirkungen aügewonnen und altes deutsches Sprach- und Kulturgut wie faitm ein Zweiter wieder erweckt hat. Dann bin ich auf die Ursachen eingegangen, die in unseren Tagen gur Verschärfung der Rassengegensätze geführt haben, habe von dem verlorenen Krieg, von den Kriegsfolgen gesprochen, und voll dem verzweifelten Suchen nach einem Gefühlsventil, bei dem man eben Zuletzt auf die Nasse gestoßen ist. Den Begriff einer deutschen Rasse unterzog ich kurz einer Kritik und erinnerte daran, daß nach dem Dreißigjährigen Kriege, der jä den größten Teil der deutschen Bevölkerung ausgerottet hat, nur noch ein armseliger Bevölkerungsrest von etwa zwei Millionen übrig geblieben war, durchsetzt mit fremden Blutselementen slawischer, romanischer und sogar asiatischer Herkunft. Nur 100 Jahre liegen zwischen denn Ende des großen Krieges und der Zeit der deutschen Klassik. In diesem kurzen Zeitraum hat es dieser armselige und gewiß nicht blutsreine * Bolksrest fertig gebracht, eine deutsche geistige Kultur wieder auszubauen. Gerade die großen Geister, die als durchaus deutsch gelten, waren nach ihrer Abstammungsehr häufig alles andere als rassenrein. So war Dürer ungarischen Bluts, Beethoven „Jüdische J&ieqec“ Seite 403. stammte von Flamen, Nietzsche von Polen ab, und Fontane, der Sänger der Mark und des Preußentums,- war von Herkunft Franzose. Ich wandte nrich dann gegen den jetzt so vielfältig propagierten mimerus clausus für jüdische Studenten und wies daraus hin, daß es vielleicht doch schade gewesen wäre, wenn man diese schöne Maßregel etwa vor vierzig oder fünfzig Jahren eingeführt hätte. Vermutlich wäre dann Albert Einstein nicht zum Studium gelangt, hätte Ehrlich nicht die Syphilis zu bekriegen vermocht, hätte Gundolf niemals das Kulturerbe unserer Klassik ergründen können. Ich nannte auch den gleich bedeutenden Fritz S t r i ch, den wundervollen Durchleuchter der deutschesten aller Kunstperloden, der Romantik. Diesem ausgezeichneten Mann verweigerte die Universität München den Lehrstuhl, der ihm gebührte, und er kehrte schließlich dieser Stadt, der judenfeindlichen Treibereien müde, den Rücken. In der freieren und großherzigeren Schweiz ist ihm endlich sein Rang zuteil geworden. Ich hätte selbstverständlich diese Beispiele ins Unendliche vermehren können, aber meine Redezeit war gemessen. Daher schloß ich mit den Worten: „Wenn von deutscher Rasse gesprochen wirb, dann Prüfen Sie kritisch diesen Begriff und bedenken Sie, daß es e i n fruchtbareres Ideal gibt: die große deutsche Kulturgemeinschaft." Ritualmoröprozeß in Köln Lanötagsabgeoröneter vr. Lep Zu 1000 Mark Gelöstrafe verurteilt. Das erweiterte Schöffengericht Köln hat in seiner Sitzung vom 26. Juli erkannt: Der Angeklagte Dr. Letz wird wegen Vergehens gegen den 8 166 StGB, in Tateinheit mit Vergehen gegen den § 130 StGB, kostenfällig an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von Zwei Monaten Zn 1000 Mark Geldstrafe, die als Freiheitsstrafe gilt, verurteilt. Die noch vorhandenen Exemplare der Nr. 44 und 44a des „Westdeutschen Beobachters" vom 25. und 26. Oktober 1923 sowie die Zn ihrer Herstellung benötigten Platten und Formen werden nach Maßgabe des 8 41 StGB, eingezogen. E. J. Köln, den 26. Juli 1929. Sonderbericht für die „C. V.-Zeitnng". Der Kölner nationalsozialistische „Westdeutsche Beobachter" hatte, wie erinnerlich, zur Zeit des H u ß m a n n - Prozesses einen Leitartikel veröffentlicht, in der die Behauptung ausgestellt wurde, der Primaner Daube in Gladbeck sei einem Ritualmord zum Opfer gefallen. Ter Artikel wurde durch ein scheußliches Bild illustriert. Es wurde dargestellt, wie in einem Shnagogenraum ein Knabe von Juden geschachtet wird. Das Bild trug die Unterschrift: „Ein jüdischer Ritualmord". Die Kölner Statsanwaltschaft hatte einem deswegen gestellten Strafantrag stattgegeben und Anklage wegen Verletzung der §§ 166 (Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft), 130 (Aufreizung zum Klassenhaß), 360 Z. 11 (Grober Unfug), erhoben. Da auch der preußische Landtag die'Jmmunitüt des Angeklagten Tr. Leh aufgehoben hatte, konnte endlich die Hanptverhandlung stattfinden. Die Verhandlung leitete Landgerichtsdircktor Dr. Greven. Die Anklage vertrat Staatsanwaltschastsrat Dr. Ranker. Dr. Ley erschien zur Verhandlung gestiefelt und gespornt, in Reithose und braunem Hemd, „geschmückt" mit einem Hakenkreuz. Als der Vorsitzende um 9 Uhr die Verhandlung eröffnete, waren Berhandlungs- und Zuhörerraum dicht gefüllt. Draußen forderten die Nationalsozialisten lärmend Einlaß, so daß der Vorsitzende die Sitzung eine Viertelstunde unterbrechen und ein starkes Schupoaufgebot herbeirufen mußte. Nach diesen! energischen Durchgrcisen blieb es still. Nach Verlesung des Zeitungsartikels wurde Tr. Ley ausgesordert, sich zu äußern. Und mm fnm der U m fall dieses teutschen Kämpen. Er erklärte zunächst, den Anssatz nicht selbst geschrieben, wohl aber seinen Gedankeninhalk angeregt zu haben; aber heute will er die Juden gar nicht im allgemeinen gemeint haben, sondern

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