Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 30 (26.7.1929)
- Date
- 1929-07-26
- Page
- Seite 389 (sequence 1)
- Language
- German
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Serlin, 26. Juli 1629 VIII. Jahrgang ♦ Ar. 30 Einzelnummer 20 Pfennig Imrol MeveLrr Mütter für-eutscdtmndl unvluoentum. loraan des lÄrlnü-^erems üruticker Staatsvürser jüötkdeu vlauvens ^v. Allgemeine Zeitung des Judenrums BierleliahrSabosnement S SV RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlaq und Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. stube G, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin SW 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Moste, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmeffer Nr. i., Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 31<AL, die 62 mm breite Reklamezeilc 3,50^^. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselhakenkreirzfahnen am Gstseestranö! Vas LanSratsamt sagt: Nicht boykottieren, Prerow, den 22. Juli. Reichswehrminister entläßt nationalsozialistische Heeresarbeiter. Der Neichswehrminister hak an den Vorstand der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Berlin, Reichstag, unter dem 15. Juli 1929 nachstehendes Schreiben gerichtet, das die Nummer 4605/29 Wla trägt: „Unter Bezugnahme auf die dort bereits bekannte Verfügung, ,Der Reichswehrminister, Nr. 6327/26 W vom 12. Januar 1927', habe ich die Entlassung der der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei angehörenden Arbeitnehmer im Bereich der Heeres- und Marineleitung mit tariflicher Kündigungsfrist angeordnet. Begründung: A u s Ae u ß e run g e n führender ) j yjiä ii ii e r der P artet so w oh l bei Tagungen, w i e in der P a r t e i p r e s s e u n d i n Z e i t s ch r i f t e n, g e h t e i n w a n d - frei hervor, daß sich die N. S. D. A. P. den gewaltsamen U m st u r z der versa s s u n g s m ü ß i g e n r e p u b l i k a u i f ch e n Staatsforrn des Reichs und der Länder zum Ziel gesetzt hat — entgegen der seitens des Herrn Abgeordneten Dr. Frick am 13. Mürz 1928 dem damaligen Herrn Reichsinnemninister von Keudell schriftlich abgegebenen Erklärung über die aus legalem Wege erstrebte Aenderung der heutigen Staatssorm. Da die der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei angehörenden Arbeitnehmer solidarisch mit den Bestrebungen und Zielen der Partei sind, ist ihr Verbleiben im Bereich der r j Heeres- und Marineteitung unmöglich. I gez. G r ö n e r, m. p."!; Enöe öes Alemeler; Ritualmorögerüchtes. I Jn Nr. 18 und Nr. 19 der „C. V.- Zeitung" vom 3. und 10. Mai d. I. berichteten wir über die ,.Ritualmord"-Gerüchte in Memel. Wie die ITA am 21. Juli aus Kowno erfährt, hat das Memeler Regierungsdirek- , torium eine Mitteilung veröffentlicht, nach der die Untersuchung über die Todesart des Dienstmädchens Martha Jaknmeit unzweifelhaft ergeben hat, daß das Mädchen d u r ch U n - glücksfall, und zwar an einer Gasvergiftung gestorben ist. Damit ist wieder einmal der Unsinn der Ritualmordgerüchte erwiesen. Schade genug, daß so viel Kraft, Zeit und Geld dafür vergeudet werden muß! Goebbels, der Herrscher der Berliner Nationalsozialisten, hat sich Prerow als Sommerrefidenz ausgewählt. Es ist daher kein Wunder, daß dort eine starke nationalsozialistische Propaganda getrieben wird. Die am weitesten verbreitete Zeitung ist die Stettiner nationalsozialistische „Diktatur", der besonders ein Freiherr v o m Donnerbese n das geistige Gepräge gibt. Dieser Große hat denn auch in strammer Haltung Herrn Goebbels am Bahnhof empfangen, als er vor einigen Wochen seinen Einzug in Prerow hielt. Hinter dem Pseudonym „Freiherr vom Donnerbesen" versteckt sich der Freiherr von Levetzow, der sich in Prerow besonderen Ansehens nur in dem engen Kreise seiner getreuen jugendlichen Heißsporne erfreut. Am Strand erscheint der 60jährige im grauen Gehrock und Einglas; aber als Herr Goebbels kam, zog er natürlich nationalsozialistische Uniform an. An dem schönen Prerower Strand wohnt Herr Goebbels in einer hakenkreuzgeschmückten Burg. 30 Hakenkreuzfahnen wehen am Strande, fast die Hälfte davon auf Goebbels Burg. Dort „empfängt" er. Da läßt sich Herr Major a. D. Fritsch melden, der die fast nur aus Waldarbeitern bestehende nationalsozialistische Organisation in Prerow nach außen hin repräsensondern aufsuchen! tiert; da wird auch der au§ kommunistischen Kreisen stammende Bahnhofskellner Wolfs „empfangen", der seinen Fleiß besser einer würdigeren Sache gewidmet hätte, als der Förderung der nationalsozialistischen Organisation in Prerow. Uebrigens ist Herr Wolfs nicht einer von den kleinen, gehässigen Menschenkindern, die einen schlechten Tag haben, wenn sie das Wort Centralverein hören. In der Bahuhosswirtschaft von Prerow liegt vielmehr die „C. B.-Zeitung" aus. In der „Diktatur" erscheint in großer Ausmachung jede Woche auss neue ein Inserat mit Hakenkreuzen an den Ecken: „Ostseebad Prerow/Tars; nach dem jüdischen Zentral-Verein das Borkum der Ostsee. Zur Vor- und Nachsaison für Pag. ermäßigte Preise! Anfragen an die Ortsgruppe der N. D. A. P. Man verlange Prospekt!" Das Inserat zeigt das löbliche Bestreben, den Schaden wieder gutzumachen, den die nationalsozialistische Bewegung dem Ostseebad bereits Zugefügt hat. Dieser Schaden wird von den Leuten, die aus den Fremdenverkehr wirtschaftlich angewiesen sind, nicht gering, eingeschätzt. So weist bereits ein Gemeindeverein mit 120 Mitgliedern öffentlich daraus hin, daß das Schicksal von Prerow bald besiegelt sein dürfte, wenn m a n a u s i h m d a s „V orkumder O st s e e" m a ch e n wollte. Deshalb hat wohl auch das nationalsozialistische. Mitglied der Gemeindevertretung, der Waldarbeiter Rutheberg, jüngst dem Gemeindebeschluß zugestimmt, Prerow n i ch t zu einer Heimstätte nur einer parteipolitischen Anschauung zu machen. Daß man ihn wegen dieser Abstimmung aus der Partei noch nicht herausgeworfen hat, ist ein Zeichen dafür, daß auch Herr Goebbels auf die Badeverwaltung Rücksicht nehmen muß. Kürzlich hat sich Herr Goebbels Zu Schmähungen der Reichsfahne Hinreißen lassen: das war sicherlich nur eine Konzession an die jungen Heißsporne; denn sonst in Goebbels nicht dazu zu bewegen in Prerow zu sprechen, und er hat es selbst dann nicht getan, als es geradezu selbstverständliche Pflicht gewesen wäre.