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Central-Verein-Zeitung · 1929-07-05 · 27 (5.7.1929) · p. Seite 359

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
27 (5.7.1929)
Date
1929-07-05
Page
Seite 359 (sequence 7)
Language
German
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359 Maßstäbe duldet, in dem Nachruf auf die uns allen unvergeßliche Eleonora Düse: hier nimmt die sonst mehr von Intellekt als von gefühlsmäßigen Impulsen beherrschte Darstellung einen Ton liebevoll-hingebender Wärme an, der in seiner ergreifenden Klage um den unwiederbringlichen Verlust dieser in Menschenleid geadelten und zur Kunst emporgeläuterten Frauenseele verhallt. Babs Schauspielerbuch, dem eine große Zahl von Bildern auch äußerlich einen starken Reiz verleiht, dürste allen, die selbstgewonnene, schauspielerische Eindrücke kontrollieren oder auch neue Perspektiven finden wollen, eine anregende Lektüre sein. Dr. Hugo Lachrnariski. Lcorrid Grotzmann: „Die Beichte eines Inden." Verlag N. Piper u. Co., München. Abraham Urija Kvwner, dessen merkwürdigen Lebenslauf uns Grotzmann schildert, ist im Jahre 1842 in Wilna geboren. Aus seiner jüdischen Umgebung reißt er sich mit 20 Jahren los, wird nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten russischer Schriftsteller, verdient sich als Bankangestellter seinen lürglichen Lebensunterhalt, begeht schließlich eine Wechselfälschung, um sich und die Seinen vor bitterster Not Zu schützen, wird dafür vom Gericht nach Sibirien verschickt, wo er Zeit und Muße hat, stine Lebensanschauung zu überprüfen und niederzuschreiben. Kowner ist ein rationalistischer Freigeist, überzeugt von dem Recht des Menschen auf ein schrankenloses, individuelles Leben, besessen von dem Anspruch des Genies, das Gesetz übertreten Zu dürfen. Seine Tat entlockt ihm daher auch keine Neue. Er fühlt sich nur gedrungen, sich mit e inem Menschen auszusprechen, dem einen, der nach seiner Ueberzeugung allein ihn verstehen kann: Dostojewski, der ja in seinem Roman „Nodion Naskolnikow" in meisterhafter Form einen Schuldigen schildert, der von sich auch behauptet, er sei an seinem Verbrechen unschuldig. Und das Ueberraschendste ist: Dostojewski antwortet: antwortet nicht nur auf das persönliche Anliegen dieses Zuchthäuslers, sondern kann sich auch den dringend gestellten Fragen nach seiner Stellungnahme zum Judentum nicht entziehen. Kowner, der sich selbst raufen ließ, ohne dabei jemals aufgehört zu haben, gegen den Antisemitismus mit dem Aufgebot seiner ganzen schriftstellerischen Kraft zu kämpfen, hat so durch seinen Briefwechsel den größten russischen Dichter gezwungen, zur Judenfrage öffentlich Stellung zu nehmen. Dostojewskis Antwort, die im „Tagebuch eines Schriftstellers" veröffentlicht wurde, zeigt, wie sehr dieser große Geist mit der Judenfrage gerungen hat, ohne zu einem befriedigenden Ergebnis konnnen zu können. Den Herausgebern dieser Dokumente: Renö Fülöp-Miller und Friedrich Eckstein gebührt Dank, daß sie durch ihre Veröffentlichung auch dem deutschen Leserpublikum einen Einblick in diese interessanten Zusammenhänge vermittelt haben. Rabbiner Dr. Hahn (Esse n). F. Goetz: „Die Stellung der Frau im Judentum." Rach den Urquellen bearbeitet. Riga. Der Verfasser geht davon aus, daß gerade von antisemitischer Seite immer wieder auf eine minderwertige gesetzliche Stellung der Frau im Judentum hingewiesen werde. Demgegenüber will G o e tz es unternehmen, „die Stellung der Frau im Judentum streng objektiv, nach den Urquellen, sine ira et Studio, zu behandeln, und sie im Lichte der wissenschaftlichen Wahrheit darzustellen". Zunächst wird an einer Reihe von Bibel- und Talmudzitaten gezeigt, wie der ethische Monotheismus, vor allem der Gedanke der Gottesebenbildlichkeit des Menschen von vornherein zu einer Gleichwertigkeit der Frau führt. Zu diesem Punkt und seiner Ausführung sei nur das oingewendet, daß die Anhäufung von Zitaten — auch Goethe und Schiller fehlen nicht — rein methodisch nicht immer ein tieferes Verständnis von dem vermitteln, was der Verfasser eigentlich will. Alles übrige aber wird in der Broschüre leider durchaus nicht „sine ira et studio" behandelt. Der Verfasser setzt ohne weiteres voraus, daß die moderne Frauenfrage, die Emanzipation der Frau, verderblich, ja fluchwürdig sei. Nur oberflächlich und nicht gerade im vornehmsten Tone werden geschlechtliche, sozial^ethische und wirtschaftliche Gründe ins Feld geführt. Nur ein einziger Satz möge aus der Fülle ähnlicher wörtlich zitiert werden, um den Geist der Broschüre zu kennzeichnen: „Die besagte Konkurrenztätigkeit der Frau läuft gemeiniglich schnurstracks ihrer natürlichen weiblichen Bestimmung entgegen, lenkt sie immer mehr und mehr von ihrem speziellen Berufe ab, entfernt sie nach und nach der Familie und mit dieser' auch der Möglichkeit der Verehelichung, und fördert somit unwillkürlich die fluchbeladene, die sittliche Ordnung der Gesellschaft untergrabende Fra«enfrage, die im verfehlten Beruf des Weibes wurzelt und ihr gefahrvolles Anwesen treibt, das den Vau der menschlichen Gattung zu zerstören droht" (S. 67). (Die Sperrung stammt vom Verfasser selbst.) Nach der Meinung des Verfassers will das Judentum diese Frauen-» frage „höchstlich gemieden wissen". Vielleicht stimmt einiges davon für das Judentum der Vergangenheit, wenn nian die Quellen rein theoretisch darauf untersucht, wenngleich auch da eine Reihe Stellen aus Bibel und Talmud für das Gegenteil angeführt werden kann. Mur eines vergißt der Verfasser völlig: er übersieht, daß im Judentum der Antike und des Mittelalters die Frauenfrage in unserem modernen Sinne nicht bestanden, also auch nicht zur Diskussion gestanden haben kann. — Im ganzen kein sehr erfreuliches Buch, das zudem auch noch ungepflegtes Deutsch und äußerst unsorgsältigen Druck ausweist. Dr. Ellen Littmann. „Psalmen." Ansgewählt und erläutert von Dr. M. Spanier. C. A. S ch w e t s ch k e u. Sohn, Berlin. Das Buch ist die zweite Auflage der 1622 erschienenen Einführung in die Psah men. Vermehrt, weil zu den damals behandelten 12 Psalmen 11 weitere hinzugetreten sind. Insgesamt sind nunmehr dargestellt die Psalmen 8, 16, 19, 22, 23, 42, 43, 46, 50, 51, 73, 90, 104, 121—123, 126, 128—131, 137, 139. Die Methode ist die gleiche wie in der ersten Auflage. Der einzelne Psalm ist in seinem hebräischen Text wiedergegeben, dann ins Deutsche übersetzt, und auf die Uebersetzung folgt eine Analyse des ganzen, Sacherklärung, Sinnerklärung und Hinweise auf die dichterische Komposition des Urtextes und ihre Feinheit. Die Uebersetzung, möglichst wortgetreu, ist ansprechend, Analyse und Erklärung zeugen von pädagogischem Geschick, sie machen das Buch zu einein erwünschten Hilfsmittel im Unterricht und zugleich geeignet, dem Erwachsenen Verständnis für die Welt der Psalmen und Einfühlung in sie zu vermitteln. Bei einer Neuauslage wäre bei der Uebersetzung von Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte" Rücksicht auf die Vermehrung unserer Kenntnisse über den Wort-- schätz des Hebräischen durch das Assyrische zu nehmen. Ter Parallelismus memdrorum fordert neben jarpizeni ein Synonym für „lagern, ruhen"/ und in der Tat nur aus dem Assyrischen, daß es eine Wurzel nahal gibt, die „ruhen, gelagert sein" bedeutet, auf sie wäre hier zurückzugreifen, um einen alten, begreiflichen Uebersetzungsirrtum auszumerzen. Dienemann (Ossenbach a. M.) MERCEDES-BENZ Achtzylinder Typ „NÜRBURG“ [,Eine Klasse für sidi“ | Typ „Nürburg“ gewinnt bei der Westdeutschen Zuverlässigkeitsfahrt IQ2Q! in seiner Wertungsgruppe den ersten Preis und fährt bei der Ge- | sduneidigkeitsprüfung auf dem Nürburgring die beste Zeit aller Kategorien Neunmal gelagerte Kurbelwelle, Spezial Vergaser, Saugrohrheizung, Luft-, Brennstoff- und doppeltes Ölfilter, Bosch-Dynamo-Zündung, unerhörte Strassenlage und damit höchste Fahrsicherheit, Saugluft- Servo -Vierradbremse, Bremsbänder ebenfalls mit Servowirkung, hervorragend weiche Federung mit doppelt wirkenden Stossdämpfern, selbsttätige Zentralschmierung des ganzen Fahrgestells nach Mercedes-Benz- Spezial-Patenten, daher unerreicht bequeme Wartung desWagens. - Preis der 6-7sitzigen Pullman-Limousine in vollendeter Aus- A^S"g RM.I5000,-Werk Daimler-Benz A.-G., Stuttgart-Untertürkheim t**£*-i 'jä

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