Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 26 (28.6.1929)
- Date
- 1929-06-28
- Page
- Seite 341 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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>4 'i [*ntral Wetrr zS-s^s Plätter sür-rolscl»tm»di unvluoentum Serlin. LS. Juni 1-2- VM. Jahrgang * Nr. 26 Einzelnummer rspfenniz 'oryan des LatrolVerems äeutfckrr Staatsdüryer iiwibLreattmivens Z^Utzsrr-rSirrs cZss Iraecksntdurrrs Bankkonto: Dresdner Bank> Wechsel- Bierteljahrsavonnemenl 8,üv RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag u. Schriftlettung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3595. stube 0, Berlin 8W 68, Lindenstr. 7, und von Goldsc.^..._ .. „ Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-ExpeMon Rudolf Mosse, Berlin 8W 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JIM für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Siormalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuch« (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 JIM, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 cAM. Professor Dr. Julius Goldfiein (Oarmstadt) verstorben. Julius Gold stein hat ausgekämpft. Seine tapfere Frau und ein enger Freundeskreis wußten seit Monaten, daß dieser Mann in der Blüte seiner Jahre und auf der Höhe seines Lebens unrettbar einem nückischen Leiden verfallen ivar. Jeder wünschte ihm leichte Erlösung, und jeder fürchtete doch den Augenblick, wo dieses mutige Herz zu schlagen aufhören würde. Ein schmerzloser Tod hat ihn von tin§ genommen. Noch ist die Trauer zu frisch, um der Lebensarbeit dieses Hervorragenden ruhig zu gedenken. Tas deutsche Judentum und vor allem unser Centralverein ahnen erst, welche Hingabe und Tatkraft der Verschiedene mit in die Ewigkeit nahm- Seine bezwingende Gestalt steht am Bortragstisch vor uns. -In sein geschliffener Julius Goldstern. Rede und mit der glücklichen Gabe, wissenschaftliche Tatsachen leicht faßlich vorzutragen, zieht er ein gebildetes Publikum sofort in seinen Bann. Mit erlesener Feder schrieb er die für unseren Kampf so unentbehrlichen Betrachtungen über „Rasse und Politik" und seine so klärende und klare Schrift über „Deutsch-völkische Idee und deutsche Volksidee". Wir dankten stets dem Schicksal, daß unserer Sache ein so beredter, vornehmer Kämpfer beschieden ivar. Die Gediegenheit und die Ehrlichkeit seiner wissenschaftlichen Ausführungen verfehlten auch in nichtjüdischen Kreisen niemals ihren Eindruck, lieber den Versammlungssaal hinaus knüpfte er zahllose Fäden zur Gelehrten- und literarischen Welt, und im „Morgen", seiner Zweimonatsschrift, trafen sich Juden und Nichtjuden zu wissenschaftlicher und gebildeter Aussprache über all die Probleme, die uns bewegen. Wer kannte besser als er die geistigen Strömungen der Zeit? Wer beriet uns besser aus dieser Kenntnis über das, was zu tun nötig und was zu meiden empfehlenswert war? Wer das Glück hatte, in seinem büchergefüllten Arbeitszimmer in Darmstadt mit ihm auch nur eine Stunde ernsten Gedankenaustausch zu pflegen, der verließ ihn angeregt und erfüllt von neuen Gesichtspunkten und reichem Wissen. Unsere Gedanken weilen in diesen Tagen in Darmstadt bei seiner Familie, und wärmstes und innigstes Mitgefühl gilt seiner Gattin, die ihm so unendlich viel bedeutete/die ihn so einzigartig unterstützte, und seinen Kindern. Möge uns ein gütiges Schicksal wieder solchen Kampfer für Deutschtum und Judentum erstehen lassen wie Julius Gold st ein. A. W. M MtgMjfen III MMOmMlMill Sonderbericht f ü r die „C, V. - Z c i t u n g". —-y— Schwerin, den 24. Jnni J92'.). Arn 23. Juni hat Mecklenburg-Schiverin sich zum siebenten Male seit dem Umsturz einen Landtag gewählt. Schon die Häufigkeit dieser Wahlen zeigt deutlich, daß die politische Situation des Landes keineswegs einfach ist. Bisher regierte in Mecklenburg abwechselnd die Rechte und die Linke, und nicht immer gelang bei dem häufigen Wechsel, die Stetigkeit der Regierungshandlungen so zu wahren, daß die Staatsautorität nicht darunter leiden mußte. Sie hat vielmehr auch in Mecklenburg zeitweise schwer gelitten. Eine Folge davon war das Anwachsen der radikalen, staatsverneinenden Flügelparteien, die auch bei dieser Wahl neue Erfolge verzeichnen konnten. _ So hat vor allem die unermüdliche Agitation der Nationalsozialisten die entsprechenden Früchte getragen. Wie vor kurzem in Sachsen, so haben auch in Mecklenburg die Nationalsozialisten keinen Aufwand gescheut, um ihre Propaganda in die breitesten Schichten hineinzutragen. Allabendlich fuhren die Lastautos mit Braunhemden von Dorf zu Dorf. Die halbe Reichstagsfraktion war als Nednerunterstützung aufgeboten. S. A. - Aufmärsche, deutsche Abende u. a. m. gaben den stimmungsmäßigen Rahmen. Im Amt Malchin hielten die Nationalsozialisten innerhalb fünf Wochen über hundert Versammlungen ab, die ausnahmslos von Gnoien aus organisiert wurden. Dieses Gnoien, ein Städtchen von etwa 4000 Einwohnern,,steht völlig unter der Botmäßigkeit der Hitlerianer. Die wenigen dort lebenden jüdischen Familien sind dauernd schwersten Kränkungen ausgesetzt. An den Zugangsstraßen Gnoiens sind Häuser und Scheunen mit großen Hakenkreuzen und Inschriften, wie „Die Juden sind unser Unglück", „Kaust nicht bei Juden", „Deutsche Mädchens {!) meidet jüdische Gesellschaft", verunziert. Sie wurden trotz Aufforderung der Behörden bisher nicht entfernt. Nächtliche Belästigungen durch die Hakenkreuzler zählen nicht zu den Seltenheiten. Aehnlich, wenn auch ctivas weniger schlimm, liegen die Verhältnisse in Parchim, wo die Gauleitung der Nationalsozialisten ihren Sitz hat. Eine starke Reichsbannergruppe hält dort die Nationalsozialisten, die am 23.Juni ihre Stimmenzahl von 307 auf 784 steigern konnten, im Zaum; die stille Boykottpropaganda und die gesellschaftliche Abschließung der Juden sind aber auch dort nicht weniger stark. Auffallend ist der Stimmenzuwachs der Hitlerianer in D ö m i tz, wo sie sich mit 394 (früher 31) fast verdreizehnfachten. Auch Ludwigsl!!!!!!!!!!!l!l!!!!!!!!!!!!!i!i!I!!!!!!!!!!I!!!!!l!il!!>!!!l>!!!!!!!!l!!!!l!!!!I!!!!!!!lll!I!!i!!!I!!!!!!!i!!!l!!!I!!!I>!!!!!!!l!l!!!!!!l!!!!!i!!!I!!!l>!l!!!Ii>!IlI Seite 345. Leo Hirsdt: Vor Kofferschloss.