Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1929-06-21 · 25 (21.6.1929) · p. Seite 335

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
25 (21.6.1929)
Date
1929-06-21
Page
Seite 335 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2277379-2277833-2277858--05327-2286057
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

335 rische Text einfach Objekt der Gestaltung sein kann — oder ob das dramatische Gedicht seinen Eigenwillen — eben als ein fertiges Geisteswerk — hat, mit dem der Regisseur sich verbinden muß, gegen den er immer nur Trümmerhaftes, Uneinheitliches und deshalb Ilnuberzeugendes erzwingen kann. Blu th schaltet zwar dies Problem aus, indem er behauptet, daß Jeßner stets aus der inneren Absicht des Lichters heraus inszeniere. Aber daß Jeßner diese Absicht doch in ungemein subjektiver Weise ausdeutet, das wird auch bei Bluth deutlich, wenn er etwa sagt: „Weil Jeßner selbst Gedichtartiges schaffen will, deswegen zerstückt er sogar den melodischen Vers, bricht einzelne Worte heraus aus einem gar zu geformten Sprachbild. — Eben weil die autonome Gesetzlichkeit der eigenen Kunstsorm danach drängt, sichtbar zu werden, so sind ihm sprachliche Formeln in ihrer Eigengesetzlichkeit eher im Wege. Er inszeniert radikal über sie weg." Da wird auch das Problematische innerhalb vieler Stücke des immer hochbedeutenden Jeßnerschen Werkes sehr deutlich! Denn der sprachgesormte Wille eines Dichters ist eben kein Material, das beliebig zum neuen Guß zerschlagen werden kann. Wir fühlen in solchen Fällen ganz deutlich, wie sich eine Kraft gegen die Jeßner sche Gesamttendenz wehrt, und ein reiner Eindruck kann nur durch den vollkommenen Zusawmenklang aller Krüste erfolgen, ein reines T h e a t e r k u n st w e r k i st nicht gegen die Richtung der nie zu v e rw i sch e n d e n dichterischen Kräfte zu erreichen. Der Regisseur ist gegenüber dem Goetheschen Text so wenig „autonom" wie der genialste Pianist gegenüber den Beethovenschen Noten. Es dürste sich also ergeben, daß Jeßner nicht der eigentliche Theaterkünstler an sich ist, sondern e i n Meister der Bühne, der, der eigenen Art und einer bestimmten Zeitströmung folgend, soweit wie möglich aus den ifyin ausgegebenen Materialien ein freies, eigengesetzliches Kunstwerk zu machen strebt. Vollen Erfolg aber kann er logischerweise dabei nur mit der Inszenierung s o l ch e r Dichtungen haben, deren innerste Art dem Ausdruckswillen seiner Persönlichkeit entgegenkommt, während anderwärts sein Streben nach Autonomie zu etwas Problematischem führt. Tann aber wäre die Ausgabe, das Besondere der Iehn e r s ch e n Persönlichkeit in ihrer Eigenart und Begrenztheit, ihrer Starke und Schwäche darzustellen. Bluth, bei dem Jeßner einfach der Träger eigentlicher Theaterkunst an sich ist, hat dazu noch nicht einmal einen Anfang gemacht. Vtan kann also finden, daß zu dem Thema Jeßner noch jenseits dieser Darstellung sehr Wichtiges zu sagen bleibt, daß das Positive nicht erschöpft, das negativ Abgrenzende gar nicht angefaßt ist; aber dennoch behält das B l u t h s ch e Buch einen erheblichen Wert. An sich sind die Gedanken über eine selbständig wirkende Theaterkunst, die er vorträgt und aus I e ß n e r scheu Inszenierungen belegt, wichtig und wert, nachgedacht zu werden. Und daß ein Buch der Person dieses Regisseurs eine so hohe Betonung gibt, wird auch der gut heißen, der Jeßners Wert nicht mit der absolut gültigen Theaterkunst schlechthin gleichsetzt. Denn, daß eine \v i r! l i ch b e - deutende, schöpferische Energie in diesem Regisseur am Werk ist, das bedarf gar keiner Fr a g e. Jeßner i st der Mann, der, nach L' A r r o n g e, B r a h m und Reinhardt, binnen vier Jahrzehnten Berlin z u m vierten Ai a l e zur deutschen T h e a t e r h n u p t - st a d t gemacht, ja i n t e r n a t i o n a l f o r t w i rk e n d e A n - r e g u n gen für die B ü h n e n k u n st g e g e b e u h a t. Daß alle vier Männer Juden waren, macht einen besonders merkwürdigen Anteil der deutschen Juden an der Kulturarbeit des letzten Menschenalters aus und ist ein Phänomen, das einmal in seinem Zusammenhang gründlich untersucht werden sollte. Julius Bah. Neue Bücher. Simon Uuna: „Vorschriften, betr. die Fehler, die eine Thorarolle unbrauchbac machen und eine Unterbrechung der Vorlesung verlangen", 1929, I. Kaufmann, Frankfurt. — Franz Carl Cndres: „Magie und Gegenwart", 1929, Walter Haedecke Verlag, Stuttgart. — Leo Hirsch: „Elisa Radziwill, die Jugendliebe Kaiser Wilhelm I.", 1929, Walter Haedecke Verlag, Stuttgart. — Manfred Sturmann: „Der Gaukler und das Liebespaar", 1929, Hören-Verlag, Berlin. — Ernst Litauer: „Thomas Münzer", Oesterheld u. Co., Berlin, 1929. — Dr. G. Rothstein: „Aorck", Oesterheld u. Co., Berlin, 1929. — Ernst Lissauer: „Luther und Thomas Münzer", Oestcrheld u. Co„ Berlin 1929. — G. Rothstein: „Leitfaden zum Unterricht im Allen Testament", Buchhandlung des Waisenhauses, Halle, 1929. ICTORIA zu BERLIN ALLGEMEINE VERSICHERUNGS-ACTIEN-GESELLSCHAFT Bilanz für das Geschäftsjahr 19Z8. [ Aktiva. Reichsmark Passiva Reichsmark jordarungen an die Aktionäre für Grundkapital. 5000 000 1 noch nicht eingezahltes Aktien- Gesetzlicher Reservefonds. 1200 000 [ kapital.. . 1500 000 Prämienreserven und Ueberträge . 112043 926 Grundbesitz. 15519 646 Schadenreserven. 2212 037 [ivpotheken.. 64 742 532 Gewinnreserven. 15 960 008 (Wertpapiere. 24 877 503 VerwaltungskOstenrücklage .... 1 877 290 (Darlehen an Versicherte. 9 359 632 Sonstige Reserven.. 30104 309 (Beteiligungen an anderen Ver- Guthaben von Banken tl a.. . . . 3296 469 S sieherurigsunlemehmungen . . . 655,538 Aufwertungsreserve. 151 327 000 Guthaben hei Banken u. a. 18197179 Sonstiges.. 5 247 878 Kassenstände hei Agenten .... 9253 212 Ueberschuss.. 10 103 405 iFeilprämien, fällig 1929 . 16038 764 Rückständige-Zinsen nnd Mieten . 3257647 [Bare Kasse und Postscheckguthaben 123 278!a ufwertungsfonds. 151327 000 Sonstiges. 23 520 391 338 372322 338 372 322 Aus dem Ueberschuss wurden den mit Gewinnanteil Versicherten der Lebensversicherungsi\Stellungen JUl 9458 978 zugewiesen; es beträgt die Dividende in der Abteilung der grösseren ebensVersicherungen für die Versicherungen nach dem alten und dem Bm-Gewinnplan aV.t0!o (gegen olf9% und 8°/0 in den Vorjahren) nach dem Gewinnplan Bo/n.2,6 % (gegen 2,5 °/0 und 2,4°/„ in den Vorjahren) on der bedingungsgemässen Summe der gezahlten gewinnberechtigten Prämien und in der Lebensversicherung ohne Untersuchung (OÜ) 27% der Jahresprämie (gegen 26% und 25°/0 in lien Vorjahren). m Infantina wiFANTiNA Originalpräparat milchhaltig, Spezialpräparat milch frei Die zuverlässige Säuglingsnahrung! Idealer Zusatz zur verdünnten Kuhmilch für die Ernährung in gesunden und kranken Tagen Seit über 35 Jahren glänzend bewährt Originaldose 400 g M. 2,—, 250 g M. 1,40 (Q.-Pr.), Originaidose 300 g M. 1,50 <Sp.- Pr.) Vorrätig in Apotheken und Drogerien Aiieinherstelier:Dr. Theinhardt’s Ä.-G., Stuttgart-Cannstatt Gegründet 1894 Firmen, welche der „C.V.-Zeitung“ ihre Prospekte beilegen liessen, haben uns wiederholt denErf o lg dieserPro - paganda bestätigt, lieber die JBeilagebedingungen. gibt die Anzeigenverwaltung der „C.V.- Zeitung“, Berlin SW 100, oder jedes Büro der Annoncen- Expedition Rudolf Mosse unverbindliche und kostenfreie Auskunft. REUDENSTADT Waldhotel Stokinger Prächtig am Hochwald gelegen. Ruhiger, staubfreier und sonniger Kuraufenthalt. / 40 Balkonzimmer. / Vorzügliche Verpflegung. / Massige Preise. / Garagen. / Telephon 87. JUBILÄUM WANDERER-WERKE A:G. ichOnau iu chemniti

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.