Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 25 (21.6.1929)
- Date
- 1929-06-21
- Page
- Seite 329 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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F Serlin. 21. Juni 1-2- VIII. Jahrgang. Nr. 25 Einzelnummer SOPfenmj nhfal __ vMter sür-eutsclitum^ unSluoentum Bierteljabrsabonnement ^UÜsSrMSiriS ctSS ^Zllclsrt^llNNS SS« RM. lzuzugl. Bestellgeld). Verlag u. Schriftleitung: Berlin 8W 68, Lindenstr. 13. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 8594,8595. Postscheckkonto: Berlin 30472. Bankkonto: Dresdner Dank, Wechselstube v, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. _ Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expe^ition Rudolf Moste, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: O,9OMM für die Tgespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Vormalzeilenmester Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 JUi, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 Stmttsvürser iüviirden Slauvrus'TÄ Zur Entwicklung unfern Wkltanickmning Bon Sr. Fritz Frledlünder (Berlin) Weder von Fragen der Organisation noch von Programmen oder gar widerstreitenden Richtungen und Tendenzen, also nicht vom Judentum im offiziellen Sinne soll hier die Rede sein, sondern wir wollen einige Punkte der inneren Problem läge nach Kräften zu klären versuchen. Es ist neuerdings nicht nur in diesen Blättern, sondern auch sonst mit Genugtuung vermerkt worden, daß die innerjüdische Diskussion insofern einen Fortschritt zu verzeichnen habe, als man die parteipolitischen und weltanschaulichen Beweggründe des Gegners erst einmal zu verstehen sich anschicke, ehe man sie endgültig verwerfe. Nur in Anbetracht dessen wagen wir es, im Geiste jener Sachlichkeit, die der Andersdenkende in edler Bescheidenheit nur bei sich selber vermutet, einen Haupteinwand, den die zionistische Kritik und Opposition gegen unseren deutsch-jüdischen Standpunkt geltend macht, einer ernsthaften Prüfung zu unterziehen. Dieser Haupteinwand richtet sich, was sich jederzeit der zionistischen Literatur, Pressepolemik und mündlichen Erörterung entnehmen läßt, gegen die Weltanschauung des Liberalismus, soweit sie das verbindliche Bekenntnis der Mehrheit des deutschen Judentums ausmacht: und dieser Haupteinwand hat sozusagen den Vorwand hergeben müssen, um die Existenznotwendigkeit der zionistischen Theorie vor dem skeptischen Auge der Welt überhaupt zu rechtfertigen. Zur Vermeidung von Mißverständnissen muß bereits hier betont werden, daß die zionistische Kritik sich keineswegs gegen den sogenannten religiös-toleranten Liberalismus richtete, obwohl er sich einer Assimilation und Konzession an den modernen, naturalistischen Lebensstil hingab: diese durchaus nicht konservative Kritik zog vielmehr aus politisch-resormatorischen Gründen gegen ein Judentum zu Felde, das sich in seinen Wesenselementen an der seit dem Ende der Romantik herrschenden Weltanschauung des deutschen Liberalismus gesättigt hatte. Gegen solches liberale Judentum erhoben nun die Catone des Zionismus die schwere Anklage, daß es an Stelle eines lebendigen Gefühls eine „Lebenslüge" gesetzt, die heroische in materialistische Instinkte verwandelt und somit eine Entjudung des Judentums verschuldet habe, während sie in ihrer Toga all die schönen Dinge bargen, die da eine Erneuerung, Wiedergeburt, ja Erlösung versprachen. Die Technik dieses Plaidohers wendete somit das anscheinend nicht bloß in der bildenden Kunst beliebte Schwarz-Weiß-Verfahren an. Horchte man nun eifriger in jene Zeit hinein, so war es nicht zu verkennen, daß diese agitatorisch bestechenden Gedankengänge mit besonderer Hingabe und Geläufigkeit von jugendlichen Menschen gehandhabt wurden. Hier liegt in der Tat ein für die Entstehung des Zionismus bedeutsames Und noch keineswegs genug gewürdigtes Moment. Wir werden hierbei, so ungewohnt diese Betrachtungsweise an sich sein mag, von der Struktur der Pubertätsphänomene auszugehen haben. Der seelische Reiz- und Spannungszustand der Jugend findet bekanntlich sein Ventil in einem Geltungstriebe, der seine Richtung aus das Absolute nimmt und sodann in den unvermeidlichen Konflikt mit der Wirklichkeit gerät, entweder in Revolution (einem Zerbrechen der bisherigen Formen) oder in Desillusion (einem Abbau der Ideale) ausmündet. An die erste Phase dieses Entwicklungsvorganges knüpfte nun bewußt der Zionismus an: er stellte für die jugendliche Seele nichts weniger als eine Verherrlichung des Revolutionären dar. Hierdurch übte er seine unverkennbare Werbekraft 'auf das jugendliche Gemüt aus, wie es denn überhaupt eines seiner großen Verdienste ist, die Jugend als seelische und soziale Eigenform bejaht zu haben, während der Liberalismus in den schweren Fehler verfiel, sie als Durchgangsstation auf dem Wege zum gutsunktionierenden Staatsbürger zu betrachten. Vielleicht findet dieses Mißverhältnis darin eine gewisse Erklärung, daß der Zionismus mit seiner Haltung symbolisch auf den begeisterten Jüngling, der Liberalismus dagegen auf den gereiften Mann hinzielt. Wodurch aber wirkte der Zionismus so nachhaltig aus den jungen jüdischen Menschen? Indem er ihm Erlösung aus dem vorgeblichen Wesenszwiespalt seiner deutsch-jüdischen Existenz und Befriedigung seines aus das Einheitliche gerichteten Dranges versprach, indem er im scharfen Gegensatz zu der assimilationsjüdischen Zerrissenheit den sogenannten ganzen Menschen, die geschlossene jüdische Persönlichkeit predigte. Wie tat er das? Indem er das Judenproblem gleich einem gordischen Knoten zerschnitt: er sagte zu den Nöten und Konflikten des deutsch-jüdischen Amalgamierungsprozesses nach Bismarcks bewährtem Rezepte nitschewo und erzielte hierdurch eine unverkennbare Vereinfachung der jüdischen Position. Dieses bequeme Desinteressement an den Gegebenheiten eines geschichtlich notwendigen Verschmelzungsaktes wurde aber sofort gegenstandslos, als die zionistische Idee dem Zwange erlag, in der geschichtlich tatsächlichen Welt Wirklichkeit zu gewinnen. Das Resultat liegt nunmehr einerseits in der sowohl ethischen als auch staatsrechtlichen Groteske des Diaspora-Nationalismus vor, jener merkwürdigen Paradoxie, die allenfalls für daS ökumenische Imperium Romanum, aber keineswegs für den modernen Nationalstaat Geltung besitzt und anderseits in den gegenwärtigen Krisen des palästinensischen Besiedlungsl!!!l!!I!!!!l>>!!!l>>!l!!ll!l>l!>>!l!!!!Il!>!!>Il!!!!>!!!!II!!!!l!l>!l»!!l!I>!l!>>!!!!!!!!l»!!!>!!>!!I!l!>!!!I!l!»!!!l!!I!>!»!>lI!>!I!!>!,»!>!!!!»,!!>!>!!!!» Seile 334 s Julius Babs Jessner.— Beilages Von deutsch-jüdischer Jagend Nr. 6.