Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 24 (14.6.1929)
- Date
- 1929-06-14
- Page
- Seite 322 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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322 Mit besonderer Angriffslust hat sich die antisemitische Gegnerschaft stets aus die VäterorZählungen im ersten Buche Moses gestürzt. Hier glaubte man am ehesten die Minderwertigkeit der jüdischen Ethik aufweisen zu können. Man entblödete sich nicht, von dem Handelsgeschäft zu reden, das Abraham mit seinem Gott tätigte; man bespöttelte die angeblichen Betrügereien, die sich Jakob zuschulden kommen ließ; man ereiferte sich über die verwerfliche Sexualmoral dieser Erzählungen. Es ist das Verdienst des Dortmunder Rabbiners Dr. B. Jacob, durch seine Aufsätze über das erste Buch Mose, in der Zweimonatsschrift „Der Morgen" (Philo-Verlag, Berlin), ein Wesentliches znr Aufhellung des ethischen Gehaltes dieser für den Religionsunterricht so bedeutsamen Erzählungen beigetragen zu haben. Erfreulich ist es, seststellen zu dürfen,- daß, unabhängig ' hiervon, auch die evangelische Fachwissenschaft sich bemüht, diese „anstößigen Stellen" in einem neuen Licht zu sehen. Der Privatdozent an der Universität Heidelberg, Lie. Artur Werfer, hat unter dem Titel: „Religion rmd Sittlichkeit der Genesis" (Evangelischer Verlag. Heidelberg 1928, 78 S.) einen Vortrag veröffentlicht, in dein er gründlich mit dem alten Vorurteil von der sittlichen Minderwertigkeit des ersten Buches des Pentateuchs aufräumt. Er zeigt, von welch geläutertem Eottesbegrisf dieses Buch getragen ist und wie gerade in den anschaulichen Erzählungen aus der Väkerzeit die höchsten Anforderungen des Sittengesetzes ihren Niederschlag gefunden haben. „Prophetische Perspektive tut sich hier aus. Zu dem Gott, der als der- Lenker der Weltgeschichte und damit auch der Völker erkannt ist, gibt es ein Verhältnis der Menschen, das für alle in gleicher Weise gilt, ohne Rücksicht auf nationale Herkunft: das Sittliche", so urteilt Weiser Über das religiöse Ethos dieses heißumstrittenen Erstlingsbuches der Heiligen Schrift. Viel Verwirrung hat in bibeltreuen Kreisen die Kritik angerichtet, die vor allein von Julius Wellhausen und seiner Schule au der Berichterstattung des Alten Testaments geübt wurde. Man glaubte, aus Grund zeitgenössischer Forschungen über die Entstehungsgeschichte der Religion schlechthin verschieden zu bewertende Schichten innerhalb des Alten Testaments unterscheiden zu können. Dies Verfahren konnte natürlich leicht zu einer Herabminderung des Wahrheitsanspruches der Bibel überhaupt führen. In der Tat haben sich, die Anhänger der „Großen Täuschung" gern auf die gesicherten Ergebnisse der Wellhausenschen Bibelkritik berufen und viel Unheil damit angerichtet. Der Professor an der Universität Utrecht, Dr. A. Noordtzy, hat es jetzt unternommen, in einer Nekkoratsrede, die unter dem etwas mißverständlichen Titel: „Das Rätsel des Alten Testaments" bei H. Woll-erm-ann in Braunschweig erschienen ist, die Unhaltbarkeit dieser literarkritischen Methode auszudecken und unter Berufung auf eine Reihe angesehener Fachtollegen' ad absurdum zu führen. Damit dürfte den chauvinistischen Gegnern des Alten Testaments ein Beweisstück mehr aus der Hand genommen sein. Eine überaus sympathische Gesamtdarstellung der religiös-sittlichen Welt des Alten Testaments gibt der Altmeister der evangelischen Bibelwissenschaft Professor Rudolf Kittel in seinem übersichtlich gegliederten Buch: „Die Religion des Volkes Israel", das soeben (1929) im Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig in Zweiter Auflage herausgekvmmen ist. Kittel kommt es vor allem daraus au, den Entwicklungsgang der alttestamentlichen Religion Verständlich zu machen. Daß er im Prophetismus den Höhepunkt dieser Aufwärtsbewegung sicht, ist nicht so überraschend wie die Tatsache, daß er auch für die so viel geschmähte, pharisäische Religiosität, bei aller Verkennung ihrer Wesensart, Worte der Anerkennung findet, vielleicht weil er, wie er in diesem Buche bekennt, Gelegenheit.genommen hat, das jüdisch-religiöse Leben unserer Tage aus eigener Erfahrung kennen und schützen Zu lernen. Einer willkommenen Ergänzung dieser mit viel Wärme geschriebenen Einführung in den Geist der Bibel bildet ein anderes Buch desselben Autors: „Die altteftametttliche Wissenschaft in ihren wichtigsten Ergebnissen." („Verlag Quelle u. Meyer, Leipzig, 1929, 298 S.). Das Werk, das jetzt in fünfter, aufs neue durchgearbeiteter Auslage erschienen ist, hat seinen gesicherten Platz in der alttestamentlichen Literatur. Mit außerordentlicher Vorsicht werden hier die gesicherten von den nur mutmaßlichen Ergebnissen der Bibelforschung geschieden. Bei aller gerechten Würdigung der zahlreichen Berührungen mit der altorientalischen Umwelt wird der Sondercharakter der biblischen Religion klar herausgearbeitet. Von besonderem Interesse auch für den jüdischen Leser dürften 6. Grosser LpkMlhgus für feine hrrrm-tMsfche, Lrikotsgm ufto. BERLIN W CHARLOTTEM5TRASSE 65 FERNSPREGHER: MERKUR 6330 dis im Anhang behandelten Fragen sein, in denen Probleme aus dem Grenzgebiet von Glauben und Wiyenschast behandelt werden. Zwei kleine Broschüren dürsten hier noch angemerkt werden, obgleich sie nicht unmittelbar mit unserem Thema zu tun haben: Karl Heim, „Die Weltanschauung der Bibel" (Deichertsche Buchhandlung, Leipzig 1928), und Professor Staerk, „Die Bibelnot, ihre Ursachen und ihre Ueberwittdnng" (Wichern-Berlag, Berlin-Dahlem). Beide Schriften wollen bcn oft recht Bibelunkundigen unserer Tage wieder ein Tor zur Lektüre des Buches der Bücher öffnen. — Lange Zeit hatte es den Anschein, als ob die Beschäftigung mit alttestamentlichen Fragen nur noch die Angelegenheit eines kleinen Gelehrtenkreises sein könne, so schwierig war die Sprache und so schwerfällig war die Darstellungsweise vieler Bibelforscher geworden. Der Zwang, den sehr volkstümlich redenden und schreibenden Agitatoren der Gegenseite gerecht werden ZU müssen, hat eine Wende auch in dieser Richtung herbeigesührt. Besonders von katholischer Seite sind in letzter Zeit sehr glückliche Versuche gemacht worden, die Geisteswelt der Bibel dem modernen Menschen in ansprechender Form näherzubringen. In anschaulicher Weise hat Professor Dr. Joseph Mächens in einem im Nathans zu Hildesheim gehaltenen Vortrag: „Die katholische Kirche und das Alte Testament" (Verlag Fr. Borgmeyer, Hildcshcim), noch einmal die bejahende Stellung des Katholizismus zum Alten Testament präzisiert. — Einer besonders verdienstvollen Aufgabe hat sich der Vraunsherger Theologieprosessor Lorenz Dürr unterzogen, indem er der Heranwachsenden Generation durch sein Buch „Religiöse Lebenswerte des Alten Testaments" (Verlag Herder u. Eo., Freiburg, 1928) die eminente Gegenwartsbedeutung der alttestamentlichen Fragestellung zu verdeutlichen unternimmt. Es gelingt ihm, in überzeugender Weise nachzuweisen, daß die Problematik des suchenden Menschen unserer Zeit vorgezeichuet ist in den Büchern des Alten Testaments, die uns gegeben sind, damit auch wir uns an ihnen, „wie an einer Zweiten Welt versuchen, uns daran verirren, ausklären und ausbilden mögen" (Goethe). — In der Reihe der bei L. Schwann (Düsseldorf) erscheinenden „Religiösen Quellenschriften" ist von demselben Verfasser eine kleine Textauswahl aus den Propheten mit ansprechender Erklärung unter dem Titel: „Religion und Frömmigkeit Der alttestamentlichen Propheten" erschienen, der weiteste Verbreitung Zu wünschen ist. Ein selten schönes Geschenk hat uns Dr. Rupert Storr mit seinem Buch: „Die Frömmigkeit im Alten Testament" (Volksvereins-Verlag M.-Gladbach, 1927) gemacht. Hier ist ein Mann am Werk, der aus der Fülle eigenen religiösen Fuhlens die Frömmigkeitswelt der Bibel lebendig Zu erfassen und zu schildern versteht. Neben der religionsgeschichtlichen Behandlung des Themas erweckt die systematische Untersuchung des inneren Aufbaues der alttestamentlichen Frömmigkeit unser Interesse. Der Verfasser weiß sich in fast allen Teilen seines großangelegten Buches die Ursprünglichkeit feines Denkens und Fuhlens, die Unabhängigkeit seines Urteils zu wahren. Der jüdische Leser wird wenig durch die im christlichen Kreis allzu üblich gewordenen abfälligen Bemerkungen gewisser Anschauungsweisen unserer Religion gestört. Er darf vielmehr seine reine Freude an der Tatsache haben, daß es dem überaus belesenen Verfasser gelungen ist, ein sehr wirklichkeitsnahes Bild der optimistischen Weltauffassung der jüdischen Religion Zu entwerfen. — Den Abschluß dieser Reihe möge das für den Unterrichtszweck an der Universität geschriebene Werk von Professor Dr. Johann Goettsberger: „Einleitung in das Alte Testament" (Verlag Herder u. Co., Freiburg 1928) bilden. In drei großen Abschnitten: Die Bücher des Alten Testaments, die Geschichte des Kanons und die Texte des Alten Testaments wird hier alles Wissenswerte über den derzeitigen Stand der alttestamentlichen Forschung mitgeteilt. Das Werk hält sich gleicherweise von allzu enger dogmatischer Auffassung wie von wilder Hypothesenhascherei fern. Als besonderen Vorzug der Arbeit dürfen wir anmerken, daß auch die talmudischen Quellen in beachtlichem Maße Zur Erklärung des Textes mit herangezogen wurden. Das Buch Goettsbergers wird als zuverlässiges Nachschlagewerk seine Freunde finden. — „Ihr habt es zum Bösen gedacht, Gott aber hat es zürn Guten gefügt", so sagte einst Joses zu seinen feindlichen Brüdern. Mit dieser dankbaren Feststellung dürfen wir uns auch auf Grund dieser Auswahl zeitgenössischer Verteidigungsschriften über das Alte Testament von unseren judenseindlichen Gegnern verabschieden. Beachten Sie beim Ankauf die wirischaftlichen und fahriechnischen Vorzüge des 12/60-PS- SIMSON-SUPRH Die spannungsregu!ierende Lichtbatterie'- zündung / die siebenmal gelagerte Kurbeivvelle / das Getriebe mit vier Vorvvärlsgängen / die Bosch - Dewandre - Servo - Bremse / die Schneckensteuerung zur Vermeidung des toten Ganges sind einige der wesentlichen Faktoren zur Erhöhung der Lebensdauer wie der Fahrsicherhejt Waffenfabriken Simson&Co Syfoi i. Thüringen Abt. Automoblifabrik. Alleinige Inseraten-Annahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse BeiJin SW 100. Bielefeld, Bremen, Breslau, t Chemnitz, Dresden, Düsseldorf, Erfurt, Frankfurt a. M., Halle a. d. 8., Hamburg, Hannover, Karlsruhe i. B., Köln a. Rh., Leipzig, Magdeburg, Mannheim, München, Nürnberg, Stettin, Stuttgart, Wiesbaden, Amsterdam, Barcelona, Basel, Belgrad, Budapest, Buenos Aires, Bukarest, London, __Madrid, Mailand, New York, Paris, Prag, Warschau, Wien, Zagreb, Zürich. GV-