Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 23 (7.6.1929)
- Date
- 1929-06-07
- Page
- Seite 297 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Serlin, 7. Juni 1-2- VIH. Jahrgang * Nr. 23 Einzelnummer 2-Pfennig WSWr tür-euLfrlttmuM SmMüesLMMir^rüWKLÄsMÄ mrvMornLum Z^N^srnsins Leitung des Judentums Bierieljahrsabonnement 2,50 RM. tzuzUgl. Bestellgeld). _ Verlag u. Schriftleitung: Berlin 8W 68, Lindenstr. 13. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 8594, 3595. .:. Postscheckkonto: Berlin 30472. Bankkonto: Dresdner Dank, Wechselstube O, Berlin SW 68, Lrndenstr. 7, und von Eoldschmidt-Rothschild & Lo., Berlin W 8. . ec.. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expek'ition Rudolf Masse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 Mi für die 7gespaltene Zeile nach Nudols Mosses Normalzeilenmeffec Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 Jl<Mf die 90 nam breite Neklamezeile 4,80^-^. Die neue Front. Skahlhelmkag in München. — Einheitsfront Hitler-Stahlhelm-Hugenberg? — Autzenfetter Ludendorff. — Kampf um die Mitglieder. — Phrase oder nationale Tat? Der Frontsoldatenbund „Stahlhelm" hat zu Beginn dieser Woche seinen diesjährigen Bundestag in München abgehalten. Der bemerkenswerte Aufschwung, den der Nationalsozialismus seit den Wahlen 1928 genommen hat, rückte den Gedanken einer Zusammenarbeit zwischen StahlhelmundNationalsozialismus,Seldte- D ü st e r b e r g und Hitler, in den Vordergrund. Dr. Eduard Stadler, der Herausgeber der Zeitschrift „Das großdeutsche Reich", Mitglied des Bundesvorstandes des Stahlhelms, schrieb schon im April (Nr. 16) in einem Aufsatz „Nationalsozialismus und Stahlhelmbewegung": „Auf Grund der beiderseitigen Wesensart ist es nur natürlich, daß Hitler-Bewegung und Stahlhelmbewegung aus den kleinlichen und häßlichen Streitigkeiten, die der Organisationsegoismus auslöste, möglichst schnell herauskommen. Noch wesentlicher ist es dann, daß beide getrennt marschierende und vereint schlagende Gruppen in klarer Erkenntnis der Sachlage zu anderen bedeutsamen Gruppierungen der nationalen Front in ein gesundes Verhältnis kommen/ „Der Jungdeutsche", das Organ des Jungdeutschen Ordens, darf das Verdienst beanspruchen, mit seiner Formulierung Stahlhelm-Hugenberg-Hitler die Aufmerksamkeit der großen Oeffentlichkeit erstnrals auf diese Vorgänge gelenkt zu haben. Die theoretische Untermalung, die Stadler und andere gaben, ist natürlich nur der Widerschein weit fortgeschrittener Verhandlungen und praktischer Verabredungen. Die Ausführungen Stadlers kommentiert ,',Der Jungdeutsche" (Nr. 99) wie folgt: „Die kleinen nationalsozialistischen Blätter, die bisher scharf gegen Hugenberg und auch gegen den Stahlhelm waren, beginnen langsam und vorsichtig zu schwenken. Der Dreh, den man von nationalsozialistischer Seite gefunden zu haben glaubt und mit dem man diese Front mit Juden, Freimaurern und Jesuiten den eigenen Leuten glaubt schinackhaft machen zu können, wird durch die Wochenschrift ,Die neue Front" verraten. Es heißt da: „Es gibt in Deutschland nur eine einzige neue Front, die allerdings nicht mehr gegründet" oder formiert" zu werden braucht, weil sie schon lange existiert. Diese neue Front ist der Nationalsozialismus unter Adolf Hitler! Seit Jahren schon — und Jahr um Jahr mehr! — bedienen sich Front« bünde, Presse und Parteien unserer Gedankengänge, die sie von uns übernommen haben, die sie anerkennen! . . ,Der Jungdeutsche" fügt sarkastisch hinzu: „Diese Methode ist allerdings höchst einfach. Man behauptet nur, daß all die politischen Erkenntnisse, die sich andere Verbände und Organisationen durch jahrelangen Kampf selbst errungen haben, einfach von Hitler — sagen wir es mal ruhig frontdeutsch — geklaut worden sind. Man macht also ein nicht vorhandenes geistiges Erstgeburtsrecht geltend und schafft alle Schwierigkeiten aus der Welt . . ." Das mit dem „Klauen" und mit dem „Erstgeburtsrecht" scheinen auch andere im völkischen Lager genau so aufzufassen wie die Kreise des „Jungdeutschen". General Ludendorffs früheres Leibblatt „Deutsche Wochenschau" veröffentlicht in Nummer 21 einen großen Leitartikel mit der Ueberschrift „Hitler gegen Ludendorfs?". Es heißt hier, daß Hitler nichts weiter tat, als bereits vorhandene Ideen aufzugreifen und auszubauen, und dann wörtlich: „Hitler leistete auch darauf Verzicht, mit dem Judentum als Geistesmacht Krieg zu führen, soweit dies nicht im Nahmen seines engeren politischen Ziels sich als unumgänglich notwendig erweist. Darum brachte er auch den politischen Glauben, den er verkündet, auf ein paar einfache Sätze, auf die seine Anhänger sich streng verpslichten müssen. Das Denken besorgen in seinem Machtbereich nur wenige ..." Es ist sehr ergreifend zu sehen, wie sparsam man in diesen Kreisen mit dem bißchen Gedankeninhalt umgehen muß, das man besitzt. Man fürchtet, daß die Gedanken vollkommen verlorengehen könnten, wenn man sie aus viele verteilt. Daß sie zum geistigen Kampf unter solchen Umständen nicht ausreichen können, ist natürlich begreiflich und entschuldbar. Um die Bedeutsamkeit solcher Beurteilungen aus einem Ludendorfs früher sehr nahestehenden Kreis zu ermessen, muß man sich erinnern, daß Hitler bei seiner Vernehmung im Münchener Hochverratsprozeß 1924 erklärte, er sei der beste Mann nach Ludendorff. Wenn jetzt also Konflikte Zwischen Hitler und Ludendorff bestehen, so liegt das darin begründet, daß das Bessere stets der Feind des Guten ist. Ludendorff müßte aber nicht Ludendorfs sein, wenn er nur mit den Nationalsozialisten verfeindet wäre. Auch den Stahlhelmtag kann er nicht vorübergehen lassen, ohne in seinem Eheblatt, das sich „Ludendorfss Volks warte" nennt, ein Wort an die, Frontkameraden (Nr. 5 vom 2. Juni) zu richten. Da heißt es: „Der Stahlhelmer hat keine Ahnung, welch hohes Opfer gebracht wurde., damit der Kronprinz Ruprecht als Vertreter des mouarchischeu Gedankens, dem so viele Stahlhelmer huldigen, der Feier in München Wohlwollen entgegenbringen kann. Welchen römischen Zielen Zuliebe ist das geschehen? Welche Ordens,afsi!iierte" oder Romhörige haben da mitgewirkt? Frontkameraden, fordert Aufklärung! . . . Aus Stahlhelmkreisen wird der Kampf gegen die Feinde des Volkes sabotiert, genau so, wie der des tapferen Heeres, wie euer Kampf, Frontkrieger, gehindert wurde durch die jüdischjesuitisch - freimaurerische Propaganda hinter eurem Rücken, Seite 301: Dr» Kurt Zielenziger: Das Ende des Kapitalismus?