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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1929-05-17 · 5 (17.5.1929) · p. Seite 13

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
5 (1929)
Issue
5 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
Seite 13 (sequence 1)
Language
German
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ffeUaflg jer Nr.S Serlin, 17. Mai 1929 Jahrgang 6 > d e | o -- j Den [ )tct 1 sich | Den icht Mensch und Beruf Beiträge zur Aussprache von Alfred Levi, Erich Cohn, Heinz Brodnitz, Julius Freund, Siegfried Hirsch Einstellung zum Beruf Von Alfred Levi s So wichtig die Praktische Seite der Erörterung über die Berufsnot auch immer sein mag, so darf doch nicht übersehen werden, daß weite Kreise der jüdischen Jugend in Deutschland ans inneren Gründen in der Entfaltung ihrer Energien im Beruf stark gehemmt sind; besonders die Menschen, die au§ der Iugendbe w e g u n g konuneu — gleich, aus welchem Bund mit welcher ideologischen Schattierung, sie stammen. Welche gemeinsamen Ursachen die Hemmungen haben, die der jüdischen bündischen Jugend mit den nichtjüdischen jugendbewegten Menschen zum großen Teil gemein sind, soll hier auszuzeigen versucht werden. Gleichzeitig soll die Möglichkeit und Notwendigkeit zur Ueberwindung dieser inneren Not gegenüber allen Fragen der Wirtschaft dargetan und an ihrer Beseitigung mitgeholfen werden. Die meisten Jungführer der jüdischen Jugendbewegung werfen zwar politische Fragen auf, nehmen die Politische Erziehung in die Selbsterziehung auf — zumal sie ja nicht um die Erkenntnis herumtommen, daß die staatlichen Einrichtungen von größter Bedeutung für die als Endziel erstrebte Entwicklung des Menschen sind —, aber gegenüber den Berufen, wie sie sich im mechanisierten B e - t r i e b ansgebildet haben, bewahren sie in ihrer Einstellung ein lebensfremdes „Ich mag nicht." Man behauptet, daß man in einen Beruf, der mechanisiert ist, nicht hineingehen könne, ohne seine Jugendlichkeit und seinen I d e a l i 8 ur u s e t lt 3 n b ü ß e n und allem Höheren e n t - fremdet zu werden. Als Ausweg empfiehlt man daher Berufe, die den Menschen nicht beanspruchen und frei lassen 31t allem Persönlichen. — Es ist noch nicht allen klar, daß die Jugend, w e n n sie n i ch t nach politisch und wirtschaftlich einflußreiche u Stellungen strebt, sich selbst die Möglichkeit der Beeinflussung des Lebens der Gesellschaft und des Staates nimmt. Vor Jahren schon hat Wh necken diese Gefahr erkannt und gesagt: „Die innere Abkehr vom Beruf wäre eine Verleugnung des persönlichen Anteils am großen Bölkerschicksal der Mechanisierung . . . Arbeitsteilung und folglich Beruf ist die Voraussetzung des Geistes." Die Einstellung der längst totgesagten freidentschcn Jugendbewegung feiert im Denken vieler jüdischer Jnngführer ihre unzeitgemäße Auferstehung. In der esoterischen Haltung der Bünde jener Zeit hatte die Tendenz zur Emanzipation vorn Wirtschaftsleben der Umwelt ihre Berechtigung. Heute, wo die Jugendbewegung nicht mehr „die Gesellschaft ändern will" und die Zurechnung zu ihr nicht mehr als Beleidigung empfindet, kann und darf diese Gesinnung keine Geltung haben. Bon der Verkündung eigener Wirtschaftsprogramme, wie es Knut A h l b 0 r n , Ferdinand G 0 e b e l nsw. taten, ist man abgekommen. Geblieben ist, daß der Eintritt in die Schichten der älteren Generation erst Ueberwindung erfordert; geblieben ist der Wunsch, a u cf) im Wirtschaftsleben, a u ch im Berus bewußt jugendlich zu sein. Hemmend beim Eintritt in das Wirschaftsleben wirkt noch ganz besonders der Umstand, daß die historisch gewordene b -e r n f I i ch c S ch i ch t u n g des deutschen Judentums für starke Teile, abgesehen vom Akademikerberuf, eine Beschäftigung mit der Vermittlung von Waren und Geld ergab. Die Wirtschaftsnüssenschnfr lehnt es freilich auf das entschiedenste ab, den Handel als „parasitär" zu bezeichnen. Tenn der Warenvertrieb ist genau so ein Teil des Produktionsprozesses, wie Erzeugung, Transport, Konstruktion und Herstellung der notwendigen Maschinen. Die Aufgabe der Verteilung wird st ä n d i g u> ichtiger, sie wächst im Verhältnis zur Warenmenge. Irgendein Gefühl der Minderung seines Menschenwertes durch Betätigung in der Warenvermittlung, d. h. im Handel, braucht im jungen Berufs! ach enden nicht anfzntommcit. Das Positive, das in dein Wunsch der Erhaltung der Jugendlichkeit steckt, kann zum Nutzen aller und zur Befriedigung am eigenen Beruf ausgewertet werden. Um keinen Preis darf dieser Wert verloren gehen, er muß sich auswrrken. Die Ströme jungen Blutes und jungen Wollens, die in die allgemeine Wirtschaft fließen, können starke Belebung Hervorrusen, wenn sie zu einer Wandlung des Bernssinhaltes beitragen. Wenn wir die praktische Möglichkeit zur Verwirklichung dieser Gesinnung kurz überprüfen, ergibt sich kein so trübes Bild, wie es Ernst Wolfs zu seinem Ruf: „Wählt feste Berufe" veranlaßt hat. Zweifellos läuft ein Teil, der Entwicklung der Wirtschaftsbegabttttg der Inden zuwider. Die Kartellierung, Konzernierung, Rationalisierung und Verstaatlichung führt immer mehr zurAusschaltung der individuellen Selbständigkeit, der Entfaltung eigener Initiative. Aber — nnd das ist das Hoffnungsvolle! — bei der zunehmenden Organisierung gewinnt die geistig k 0 m p l i z t e r t e A r b e i t i m tu e r mehr an Wert. Hier erschließt sich den Inden die Möglichkeit zur Verwendung ihrer besonderen Fähigkeiten, ihrer Eignung für geistig vermittelnde Tätigkeit und besonders für das Organisatorische. Die Verpslichtnngerl, die sich aus dieser Besonderheit nicht nur im Interesse der deutschen Inden, sondern des gesamten deutschen Volkes ergeben, sind, daß die Jugend sich diesen Gebieten auf denen die Inden mit fortschreitender Entwicklung immer nötiger werden — zuwendet und nach h ö ch st q u a l i f i z i c r t e v L c i ft it n g streb t. Sie muß aber auch erkennen, daß die Qualitätsarbeit die ihren Fähigkeiten entsprechende Möglichkeit zur Erfüllung ihrer Gesa m t v e r a n t w 0 r t u n g ist. Sie darf sich deshalb nicht — wie wir oben sahen — ans unbegründeten Hemmungen davon abhalten lassen, ihre ganze Kraft aitch in der Wirtsehast nnd im Berns einznsetzen. Sie darf auch der Entwicklnng nicht tatenlos Zusehen, sondern sie muß, wie Julius H i r s ch schon vor einem Jahr in seinem Referat über „Wirtschaftsprobleme" auf der Hauptversammlung des Centralvereins') ansgeführt hat, den Blut haben, s e l b st G e st a l t c r des S ch i ck s a l s i n it it - sere nt H eimatlande z u sei n. Auslese und Berufung Von Erich Cohn Als eine mittelbare Folge des B e r e ch tigung s p r i n z i p s, dem in diesen Blättern schon eine Betrachtung gewidmet warA hadert v.nr das akademi s ch e Pro l e t a r i a t au zu sehen. Dieser Begriff bedeutet keineswegs eine Wertung der genetischen Zusammensetzttng des Akadomikerlnms, ist also nicht im finite einer Beschränkung der Nachwnchslieferung auf gewisse Schichten zu verstehen. Ans A r b c i t e r frei s e n kommt freilich herrte nur ein geringer Teil der Studentenschaft, so an der Berliner Universität im Wintersemester 1927/28 nur 1,3 Prozent. Der Ausdruck „akademisches Proletariat" will vielmehr die Tatsache kennzeichnen, daß das Akndemikertnm irr sein e m g c i ft i 9 c n it n d nt a t c r i e 11 e 11 S fand a r d g e - funken, p r 0 l e t a r i s i e v t i st, in einer Weise, die das ABschen der Jntellcktnalität, also der früheren und berufenen geistigen F ü h r e r s eh i ch t, stark vermindert hat nnd zu vernichten droht. Ztvei Fragen sollen nun an dieser Stelle erörtert werden: Woh e r x it h r t di e N 0 t d e s A k a d e nt itertn m s , und w i e i st s i e s ü x d i e Z n k u n f t z u beseitigen? Das Interesse des deutschen Jndentttms an einer solchen Untersuchung beruht -darauf, daß es selbst au § seiner Mitte einen starken Kontingent akademischen Nachwuchses liefert. Unsere erste Frage wird von jedermann mit dem Hinweis auf die ungeheure Übervölkerung der akademischen Berufe beantwortet werden, nnd damit ist sicherlich die wirksamste, wenn auch nicht die einzige Bedingung der betrachteten Erscheinung erkannt. Staatliche Behörden, berufsständische Organisationen und breiteste Oeffentlichfeit diskutieren seit langem darüber, wie dieser Uebelstand, der ständig fortdauert, 31t beseitigen ist. Positive Ergebnisse sind bisher noch nicht gezeigt worden. 9 Vgl. „C. V.-Ztg." 1628, Nr. 7 und 0. 2) „Vcm deutsch-jüdischer Sitaenö" 1928, Nr. 11.

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