Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- Seite 264 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2b4 ist nichts anderes als Gott. Ihn erleben wir in uns als uüser höchstes Streben; ihn ermittelt wissenschaftliches Nachdenken aber als meinen und der Welt Willenshintergrund, durch ihn> sind aus dem Unorganischen die Lebewesen bis Zum Menschen hervorgegangen, aus ihm ist daher auch die Wissenschaft entsprungen, er wird im menschlichen Willen sich in Zukunft immer mächtiger erweisen und den Menschen von den Schranken der Natur befreien. Zugleich aber ist er das höchste Ziel unseres Handelns: was wir in seinem Sinne tun, ist gut, was gegen ihn, böse. So „ruht alles, Wissen- K und Religion, letzten Endes auf dem gleichen Grunde, dem :, tiefsten Streben der Menschheit und des einzelnen, dein, das die Quelle alles guten und gerechten und daher wahrhaft erfolgreichen Handelns in uns ist, kurz auf Gott". Dieses Ergebnis hat „die griechische Idee der Vernunft in ihrer Vollkommenheit schon vorgeahnt". Dasselbe aber sehen wir „bei jenem Volke, welches das sittliche Erleben in unmittelbarem Verkehr mit dem letzten Willensuntergrunde in den Vordergrund feines Denkens gestellt hat, bei den alten Juden". Dingler belegt dies durch Stellen aus den Psalmen und rechtfertigt schließlich den alttestameutarischen Begriff des Gesetzes. „Die wahre Meinung dieser klassischen israelitischen Gesetzesausfassung" ist die: „Man soll Tag und Nacht über den inneren Sinn der Thora Nachdenken und aus ihr den inneren Sinn des Lebens und allen menschlichen Geschehens und des eigenen Handelns entnehmen, man soll daraus fern eigenes Leben und das um einen erst recht in seinem tiefsten Sinne verstehen." Dieses in seiner Tiefe verstandene jüdische Gesetz steht nicht im Gegensatz zur christlichen Liebe. Dingler führt dies in der Schrift „Die Kultur der Juden", auf die er selbst hier verweist, so aus: „Mit dem Worte .Liebe' (ist) lediglich ein neuer Terminus geschaffen, der die Mitarbeit der seelischer! Grundeinstellung hervorheben soll und der vielleicht den späteren Menschen etwas verständlicher war aus der Zeitstimmung heraus als die Terminologie der Schöpfer des jüdischen Gesetzesbegrifses — dem Inhalte nach ist damit nichts gegeben, was nicht im Alten Testamente schon vorhanden wäre und was sich dem tiefer Denkenden aus den alten Schriften und Formulierungen schon ergeben muß. Der Kern von allem ist immer wieder jener allgemeine, verinnerlichte Gesetzesbegriff, wie er den Schöpfern der jüdischen Ethik vorschwebte." Die Weisheit der großen religiösen Ethiker des Judentums, die durch keine Wissenschaft, geschweige denn durch pseudo-wissenschaftliche biologische Hypothesen ersetzt werden kann, ermißt so in ihrer ganzen Tiefe ein die Mathematik und die Naturwissenschaften beherrschender scharfsinniger Denker, der auf allen Gebieten nach philosophisch begründeter Sicherheit strebt: er findet die! Der Tod hat einen der Besten ans unseren Reihen gerissen, i Das Ehrenmitglied unseres Vereins, der Ehrenvorsitzende des : Landesverbandes Niedersclilesien Jusfizsrat Felix Hirschberg ist von uns geschieden. Allem positiv-jüdischen Tun von ganzem Herzen und ganzer Seele ergeben, hat er seine Arbeitskraft auch in den Dienst unserer Sache gestellt und in vorderster Reihe für Deutschtum und Judentum gestritten. Nach lang- | jähriger Tätigkeit als Schriftführer der Ortsgruppe Breslau übernahm er Anfang des Jahres 1919 den Vorsitz dieser Ortsgruppe und des niederschlesischen Landesverbandes. Seine Amtsführung stand unter dem Zeichen einer vorbildlichen i Pflichttreue, eines eisernen Fleisses und des Strebens nach Ausgleich der Gegensätze, In schwerster Zeit, bis zum Jahre 1924, leitete er so die Geschicke unseres Vereins in Niederschlesien, bis ihn das Uebermass der Anstrengung und das Nachlassen seiner Kräfte zur Aufgabe dieser Aemter zwang. Aber auch nachher betätigte er sein reges Interesse für unsere Be- I Strebungen und kargte nicht mit seinem Rat, so oft wir seiner! bedurften. Der Dank des deutschen Judentums bleibt ihm über das; Grab hinaus. Sein Name wird in den Annalen unseres Vereins nie vergessen werden. Breslau, den 14. Mai 1929. Ortsgruppe Breslau und niederschlesiseher Landesverband des Central Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Tarnowski. F o e r d e r. <3. Grosse« Lpk?ialhsus für feine Herren-Wäsche, BERLIN W CHARLOTTENSTRASSE 65 Lrikotagen usw. FERNSPRECHER: MERKUR 6330 Sicherheit, bie selbst der Wissenschaft zugrunde liegt, in dem rein st e n Gehalt des jüdischen Monot h e i s m u s, der ja in der Tat neben und in der beherrschenden Macht des Christentums die gesamte europäische Kultur befruchtet hat, und dessen erhabene Worte auch heute noch immer wieder sich einstellen, wenn der Sinn schicksalsvoller Lebensstunden einem jeden verständlich und einem jeden ergreifend zum Ausdruck gebracht werden soll. Aeur Lücher. h Jahrbuch für Auswärtige Politik 1. Jahrgang 1929, Brückenverlag Berlin. Bei dem rührigen Brückenverlag, dent wir schon eine Anzahl bedeutender Publikationen aus dem Gebiete der auswärtigen Politik verdanken, ist das „Jahrbuch jür Auswärtige Politik, internationale Wirtschaft und Kultur, Weltverkehr und Völkerrecht" (1. Jahrgang, 1929) erschienen. Herausgeber, ist der Legationsrat H a r t m a n n Freiherr von Richthofen. Der Reichsaußenminister S t r e s e m a n n betont in einem Geleitwort mit Recht, daß'als Aktivum in der Entwicklung des deutschen Volkes seit dem Kriege ein wachsendes Verständnis „für die großen politischen Probleme,' die für Deutschland schicksalhafte Bedeutung haben" sestzuftellen ist. Nach dieser Richtung bleibt allerdings noch sehr viel zu tun übrig. Das Jahrbuch ist ein wertvolles Mittel, dieses Verständnis zu fördern. In zahlreichen, leicht Lesbaren Aussätzen ist nicht nur die Weltpolitik im Jahre 1928 erörtert, sondern es wird eine Fülle von einzelnen Fragen durch 'maßgebende Persönlichkeiten behandelt. Beinahe alle Gebiete des internationalen Lebens in Wirtschaft, Kunst, Wissenschaft, Sport usw. werden hierbei erörtert. Das Jahrbuch ist ein verheißungsvoller Anfang und wird sicherlich in späteren Jahrgängen noch weitere Ausgestaltung erhalten. Vielleicht nimmt man dann auch ein Kapitel über internationale Beziehungen der Religionsgesellschasten auf. Charakteristisch für unsere Zeit ist, daß dem Jahrbuch ein Verzeichnis der Länder der Erde beigefügt ist, das selbst dem für internationale Fragen Interessierten mancherlei Ueberraschendes bietet. Das Jahrbuch verdient Verbreitung in weitesten Kreiselt. J. Br. Kern, Fritz: Stammbaum und Artbild der Deutschen. Verlag I. F. Lehmann, München. 1927. VII und 305 Seiten mit 445 Abbildungen. Kern versucht das prähistorische bzw. historische Werden der „Jndogermanen", der „Germanen" und schließlich der „Deutschen" durch eine Synthese von Anthropologie und Kulturgeschichte zu rekoustruieren. Für dieses Verfahren bietet natürlich die grob schematische Rasseneinteilung E. Fischers (der H. F. K. Günther folgt) keine brauchbare Grundlage. Im Anschluß an Pandler faßt Kern die schlanken, langköpfigen Rassen Europas und Vorderasiens, also die nordische und die mediterrane einschließlich der orientalischen, als „eurasische Rasse" enger zusammen und stellt ihr eine zweite helle, langköpfige Rasse, die er von der diluvialen Cro-Magnon-Rasse ableitet, als „dalische Rasse" gegenüber. Letztere ist aus „nordischem" Aberkmalskomplex herauszulösen, der in den letzten Auslagen von Günthers „Rassenkunde" eben dadurch, daß er die „dalischen" Merkmale mit einbezog, immer verschwommener wurde. — Nordische und dalische Rasse zusammen bilden den Grundstock des „germanischen" Typus. Die Existenz der dalischen Rasse, die gar nicht zu übersehen ist und wohl auch von Kern noch in ihrer Verbreitung anscheinend erheblich unter schätzt wird, ist in der breiten Masse des für Nassesragen Interessierten Publikums völlig unbekannt. Das demonstriert „die Gefahr, daß wissenschaftliche Arbeitshypothesen in breiten Kreisen dogmatische Geltung gewinnen, bevor sie endgültig gesichert sind". (Kern, Seite 2.) Nach dieser Feststellung berührt es doch DollMklmigm furTUeceiiiMiAe Zur Haustrinkkur: bei Nierenleiden, Harnsäure, Eiweiss, Zucker 1928: 22 000 Badegäste Baaeschriften durch die Kurverwaltung