Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 17 (25.4.1929)
- Date
- 1929-04-25
- Page
- Seite 213 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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«nmn Serlii». SS. ftpril 192» VIII. Jahrgang ♦ Hc. 17 Einzelnummer 20Pfennig «Mi» kMller sür-rutfrdtumMj tmPTopgnfum. rümon des Cbitrol-Vcröns örulscker Staatsvüryer iüSifcden Mmvens A,HtzSm©in© Zeitung des Judenrums BierreLjahröabonnemrnt _ÄllÖernein© Zeilunö Ö6S JU 2.50 RM. lzuzüg!. Bestellgeld). Verlag u. Schriftleitung: Berlin 8XV 68, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3593. Postscheckkonto: Berlin 30472. .:. 3 stube (1. Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Nothschild & Co., Berlin W 8. „ Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expe^ition Rudolf Mosse, Berlin 8W 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JtM für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosse« Aiormalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche wicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Lentralvereins 0.45 &M.. die 90 mm breite Reklamezeile 4HO JU*+ Bankkonto: Dresdner Dank, Wechsel- Das jüdische AnMtz. Von Dr. Arthur EzeNitzer (Berlin). Vor einigen Wochen habe ich in der Phhsiognomischen Stn^en^erssckaft nt Berlin an einer Reihe von Lichtbildern das Problem des jüdischen Gesichts erörtert. Gern komme ich dem Evuryche Oer Schrylleitung nach, den Lesern der „C. V.- Zeitung" hierüber zu berichten, soweit dies ohne das Bildermaterial möglich ist. Wenn man sich auf seine persönliche Erfahrung verläßt, ohne mit den Hilfsmitteln der Statistik und der Wahrscheinlich-- keitsrechnung die Willkürfehler unserer Erinnerung auszuschalten, kommt man fast stets zu Jrrtümern. Hierher gehört auch die nicht etwa nur bei Antisemiten, sondern gerade bei Juden selbst verbreitete Vorstellung, wir könnten jeden Juden als iollben erkennen, es gäbe einen jüdischen „Typus" in d em Sinne, daß dieser a ll e i n bei allen Juden sich fände, niemals bei Nichtjuden. Davon ist kerne Rede! Wenn wir tatsächlich oft einen Um bekannten, ohne mit ihm zu sprechen, z. B. auf Reisen, als Stammesgenossen erkennen, so ist das durchaus nicht immer durch seine Physiognomie zu erklären, sondern viel häufiger durch seine Haltung, sein Benehmen, seine Art zu sprechen und dergleichen mehr. Vor allem aber bleiben eben in unserem Gedächtnis nur diejenigen Fälle hasten, in denen wir richtig diagnostizierten, nicht aber die, in denen wir uns täuschten. Ein brauchbares Urteil über diese Frage kann man nur gewinnen, wenn man an die Stelle von trügerischer Erinnerung an Erfahrungen des täglichen Lebens die exakte Prüfung eines einwandfreien, nicht willkürlich ausgelesenen größeren Materials setzt. Eben das versuchte ich mit zwei verschiedenen, sich gegenseitig ergänzenden Methoden. Bevor ich hiervon berichte, darf ick daran erinnern, daß die heute lebenden Juden (wenn man aosieht von den der Zahl nach geringen Volkssplittern der schwarzen Juden in Abessinien, der indischen, persischen, chinesischen Juden) in zwei nach Herkunft, Eebetsritus, Aussprache des Hebräischen und Wohnland verschiedene Gruppen zerfallen: die Sephardim, Nachkommen der spanischen bzw. aus Spanien vertriebenen Juden, die in Nordafrika, auf dem Balkan und in der Levante leben und nur etwa ein Zehntel aller Juden ausmachen, und die A s ch e I e 11 a (im, zu denen die große Masse aller Juden gehört, die in Deutschland, in Rußland, Polen und Amerika leben. Nur ganz vereinzelt in den Küstenstädten der Nordsee finden sich in England, Holland und Deutschland Sephardim. Auch die Sephardrm sind keineswegs eine einheitliche „Nasse", wenn freilich bei ihnen schwarzäugige, dunkelhaarige kleine Menschen mit schmalem Gesicht die Mehrzahl bilden. Aber schon durch ihre geringe Zahl spielen die Sephardim für eine Betrachtung des „heutigen Juden" 'oder gar des „deutschen Juden" gar keine Rolle. Wie sieht nun der asch ken a fische Jude aus? . Die anthropologischen Untersuchungen, auch die von jüdischen Forschern veröffentlichten, gehen außerordentlich scharf auseinander. Die einen, nennen wir sie einmal die Unitarier, behaupten, wie z. B. I. Zo lisch an in seinem „Rassen- Problem", daß auch heute wie vor Urzeiten noch überall ein einheitlicher Typus ohne Rücksicht auf Wohnort und Umgebung festzustellen sei. Derselben Meinung war schon Andree in seiner „Volkskunde der Juden", der sich besonders auf die Darstellungen von Juden an ägyptischen und assyrischen Monumenten stützt. Sigmund Feist hat in seiner ausgezeichneten „Stammeskunde der Juden" in höchst dankenswerter Weise solche Abbildungen publiziert, besonders die Originalaufnahmen des 1909 in Arabien ermordeten Ethnologen Hermann Burchardt. Wer diese Abbildungen unvoreingenommen betrachtet, wird keineswegs mehr zugeben können, als daß ähnlich aussehende Gesichter sich bisweilen bei heutigen Juden finden. Aber sie finden sich eben auch bei Nichtjuden, so bei Armeniern, Griechen und sonstigen Mittelmeervölkern. Diese Darstellungen, z. B. die etwa 1200 v. Ehr. in Medinet Habu eingemeißelte Abbildung semitischer Häuptlinge oder die auf dem Salmanassarobelisken dargestellten „Tribut bringenden Israeliten" von 840 v. Ehr. beweisen also keineswegs die „Konstanz des jüdischen Typus durch die Jahrtausende", sondern nur die Konstanz eines Typus, der sich heute neben anderen Typen bei Juden sowie bei anderen Menschen findet. Im strikten Gegensatz zu jenen Forschern leugnet Fishberg, der Verfasser der ausführlichsten Anthropologie des jüdischen Menschen, absolut jedwede Einheitlichkeit im Typus. Der aschkenasische Jude weise alle möglichen Rassemerkmale auf, slawische, germanische, mongolische, ja sogar negroide — die sehr natürliche Folge seiner Wanderungen rings um das Mittelmeer und durch ganz Europa. Ueberall habe er durch Mischehen fremdes Blut ausgenommen, und „man kann von einer jüdischen Rasse so wenig reden wie... von einer evangelischen Rasse"J! Nicht ganz so extrem äußert sich der jüngst verstorbene Weißenberg, der beste Kenner ostjüdischer Menschen, der zwar gleichfalls den Glauben an die Konstanz und die Einheitlichkeit des jüdischen Typus für eine Mythe hält, aber betont, daß infolge der Jahrhunderte währenden Verfolgungen, der Abschließung vom allgemeinen Leben, der steten Furcht und Unsicherheit in Gesichts aus druck und *) „Rassenmerkmale der Juden", S. 258. liiiniiäimiiiÄ Aus WissensdtaH und Literatur: Rabbiner Dr» Neuhaus (Mülheim, .Ruhr): Das Fest der Freiheit» — Professor Dr. Ismar Elbogen (Berlin): Von Haggaden und anderen jüdischen Handschriften* — Herbert Eulenberg: Fanny Mendelssohn,