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Central-Verein-Zeitung · 1929-04-19 · 16 (19.4.1929) · p. Seite 197

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
16 (19.4.1929)
Date
1929-04-19
Page
Seite 197 (sequence 1)
Language
German
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linfool [«rein PWker sürprulscktmä^ mri>Tntentum. Serlin. 19. Kprii 1929 Vni. Jahrgang * Nr. 16 Einzelnummer roPfennig 'vryan des lLatralVerems öeutsrker StaalsvüryerjüMclien Aavdrns'Äi ».so'LÄ'Wi!''MNd). Allgemeine Zeitung des Judentums Verlag u. Schriftleitung: Berlin SW 68. Linkienstr. 13. Fernsprecher: Amt DLnhoff 8594,3595. Postscheckkonto: Berlin 80472. Bankkonto: Dresdner Dank, Wechselom . , . stnbe O, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen.Expe^ition Rudolf Masse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 Jl<M für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf MosstL «ormalzeilenmesier Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Lentralvereins 0,45 JML, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 xUl* „veraltete" Methoden Eine krilische Settachlung von Ludwig Holländer. Die nationalsozialistische Bewegung ist in den letzten Monaten besonders lebhaft tätig gewesen. Ihre Arbeit hat unbestreitbar „Erfolg" gehabt. Die Ausschreitungen in Holstein sind nicht zu übersehen. Die öffentliche Meinung beginnt deshalb, sich mit dem Nationalsozialismus und seinen Wegen eingehender zu befassen. Eine Erscheinung fällt besonders auf: die ländlichen Bezirke und unter ihnen besonders die an jüdischer Bevölkerung armen werden unverhältnismäßig stark bearbeitet, und die Erregung, die in die Landbevölkerung hineingetragen wird, steht im umgekehrten Verhältnis zur Zahl der Juden, die in diesen Bezirken leben oder die mit den Hörern der nationalsozialistischen Reden jemals in persönliche Berührung gekommen sind. So ist es möglich, Behauptungen vorzutragen, die der oberflächlichen Nachprüfung nicht standhalten oder sich zumindest als in der vorgetragenen Form unrichtig erweisen. Der Durchschnittsmensch im allgemeinen, besonders aber wenn er inmitten einer großen Zahl von gleichgearteten Menschen Versammlungspublikum darstellt, bildet für den Redner ein leicht empfängliches Objekt. Denn fast jeder Mensch glaubt zunächst an die Anständigkeit seiner Nebenmenschen und im besonderen an die erhöhte Anstandspflicht des öffentlichen Redners. Er glaubt, daß die Gesetze der Moral, der Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit für den sich als Führer anbietenden Politiker in verstärktem Maße gelten. Darum glaubt er, was ihm vorgetragen wird. Und hieraus ergeben sich dann die Folgen, unter denen die Beteiligten und darüber hinaus die gesamte Oefsentlichkeit zu leiden hat. Alle Reden, die von nationalsozialistischen Agitatoren gehalten werden, ähneln sich in ihrem wesentlichen Inhalt. Die Sätze, die hier aus einem Referat des nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Strasser wiedergegeben werden, werden von Dutzenden der kleineren Parteiredner so oder ähnlich nachgesprochen. Strasser führte aus: „So wie das deutsche Volk in den letzten zehn Jahren belogen und betrogen worden ist, wie gerade jetzt wieder über die wahren Zustände der Lage wirtschaftlicher und politischer Natur, so wie es hier in Unkenntnis gehalten ist und wird, so ist noch nie ein Volk belogen worden . . . Kein Mensch da oben weiß, was er will . . . Das Kabinett besteht aus lauter konsequenten Kriegsdrückebergern . . . -Stresemann, Severing und Müller mit ihrem breiten Brustkasten, die haben sich gedrückt . . . Gesindel, das mit Hilfe von Zuhältern und Deserteuren Minister geworden ist . . . Rassesremde Hetzer . . . Eine Etage höher an den Kandelabern aufhängen ..." In dieser Weise geht es stundenlang weiter. 32 Seiten lang kann man es im Stenogramm Nachlesen, wie Herr Strasser seine Zuhörer über die Zusammenhänge in der deutschen Innen-, Außen- und Wirtschaftspolitik belehrte und ihnen den Weg zum neuen Aufstieg zeigte. Die Form, in der die nationalsozialistische Bewegung auftritt, läßt Rückschlüsse auf ihren Verlauf und aus ihren Ablauf zu. Eine Bewegung, die alle Grundlagen des sozialen und staatlichen Zusammenlebens angreift und zerstört, vernichtet in dem Menschen das Gefühl für die Grenze zwischen Opposition und Anarchie. Die nationalsozialistischen Führer züchten eine Auffassung von den Methoden des politischen Kampfes, die in ihren Folgen aus den Führern Geführte und Getriebene macht, indem sie sie zwingt, den immer radikaleren Forderungen nachzugeben, die an sie gestellt werden. Hierin liegt auch zugleich das Schicksal des Nationalsozialismus. Er wird an seiner eigenen Niveaulosigkeit zugrunde gehen. Aber es wäre verantwortungslos, im Vertrauen aus das zu erwartende natürliche Ende die Hände in den Schoß zu legen. Dem Unheil, das bis dahin eintreten könnte, muß entgegengewirkt werden. Die theoretische Einsicht in den Verlauf der Bewegung enthebt uns nicht der Pflicht, ihren Auswirkungen praktisch zu begegnen. Die politische Agitation der Vorkriegszeit hatte eine festumrissene Parteians ch a u u n g, von der aus sie die Durchsetzung eines klar durchdachten Parteiprogramms verfocht. Zum Beweise sei nur auf die hochbedeutsamen Verhandlungen des Reichstages vom Ende der siebziger und Ausgang der achtziger Jahre hingewiesen, die sich mit der Einführung des Schutzzolles, mit Heeres- und Marinevorlagen und mit den Verhandlungen über den Septennat befaßten. Man verfolge in den alten Zeitungen die großen Reden, welche die Parteiführer zur Gewinnung von Anhängern für ihre Ideen gehalten haben, man prüfe die Versammlungsberichte. Gewiß, nicht in jedem Augenblick wurde vornehm gesprochen und geschrieben. Nicht jeder Gedanke war geistvoll oder neuartig. Aber eins steht fest: ein Kampf der Geister um große Gedanken spielte sich ab. Unter ganz anderen Voraussetzungen geht der Nationalsozialismus an die Agitationsarbeit heran. Da sein Programm außer einigen deutlich ausgesprochenen, wenn auch nicht klar durchdachten judenfeindlichen Forderungen nur verschwommene Zukunftspläne enthält, können es an sich viele Menschen — bis eben aus die judenseindlichen Punkte — unter- (km Sem Obersdmlrätin Dr. Hildegard Wegstheider (Berlin) gegen nationalsazmlistisfhe Hl Sfhüler Versammlungen! — Aussprathe ® und Sdtlusswort zum,,Wehrunterridit“.

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